März 1905. 185
vor ganz kurzem aus Tokio erhalten habe und in welcher der Kaiserliche
Gesandte mir meldet:
Die japanische Regierung habe niemals deutschfeindlichen Ausstreuungen
Glauben geschenkt, sie wisse, daß gegen uns Intrigen
spielten.
— Wen der japanische Minister des Außern im Auge hat, wenn er
von Leuten spricht, die Japan einreden möchten, daß wir ihm unfreundlich
gesinnt wären, das weiß ich nicht; aber vielleicht weiß es der Herr
Abgeordnete von Vollmar. — Der japanische Herr Minister fuhr fort:
Die japanische Regierung habe keinen Grund, über uns zu klagen
oder uns zu mißtrauen; sie lege den größten Wert auf gute Beziehungen
und sehe absolut keinen Grund zu einer Interessenkollision.
Auch bät er mich, zu melden, daß die japanische Regierung
uns wie anderen Mächten gegenüber vollzogene Tatsachen und
erworbene Rechte in Ostasien respektieren werde. Es sei dies
nicht allein der feste Entschluß der jetzigen Regierung, sondern.
bleibender, leitender Grundsatz der japanischen Politik.
Auf der anderen Seite weiß die russische Regierung ebenso genau, daß
wir die Schwierigkeiten, in welche Rußland jetzt geraten ist, nicht benutzen
werden, um Rußland Unbequemlichkeiten zu bereiten. Diese Beziehungen
zu Rußland werden wir auch weiter in der bisherigen Weise
sorgsam pflegen, ohne uns zu Rußland in einen Gegensatz bringen zu
lassen, für welchen keinerlei reelles deutsches Interesse vorhanden ist.
(Lebhaftes Bravo.)
Ein weiterer Redner zur Etatsdebatte war der Abgeordnete Graf von Reventlow
(Deutsche Reformpartei). Er begann mit einer Vertranenserklärung,
eine frühere Erklärung damit berichtigend, und hatte dann eine lange Reihe von
Wünschen. Auch ihm antwortete der
Reichskanzler Graf von Bülom:
Um dem Herrn Vorredner zu beweisen, daß ich nicht bloß auf die
Reden der Herren von der äußersten Linken antworte
(große Heiterkeit),
will ich sofort auch auf einige seiner Ausführungen erwidern. Ich sage,
auf einige seiner Ausführungen. Denn der Herr Vorredner wird wohl
selbst nicht erwarten, daß ich die Frage der Reorganisation der bestehenden
Parteien jetzt hier sofort aus dem Stegreif behandle und löse.
(Heiterkeit.)