Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

41.  Lommerlied.  Don  Robert  Keinick.

Dem  Sommer,  dem  bin  ich  absondeklich  gut,
an  alt  und  an  jung  so  viel  Sutes  er  tut,
gibt  Suten  und  Bösen  ihr  tägliches  Brot

und  trocknet  oiel  Tränen  und  stillt  manche  Hot

2.  und  spricht  zu  den  Kindern:  „Mun  kommt  mal  und  seht,
was  zwischen  dem  Korn  ich  für  euch  hingesät!
Die  Kornblum’,  so  blau,  und  den  klatschroten  Mohn,
die  pflũckt  euch  und  macht  cuch  ein  Kränzel  davon!

3.  Und  wünscht  ihr  noch  recht  etwas  Luft’ges  dazu,
da  schick'  ich  die  Schmetterling'  auch  noch  euch  zu.
Und  der  Kuckuck  soll  rufen,  die  Frösch'  sollen  schrein.
Nun  kommet  und  spielt  und  vertraget  euch  fein!“

42.  Spaziergang  im  Sommer.  von  anton  kippenberg.

Es  war  ein  schöner  sonniger  Tag  im  Juni.  Die  Tage  vorher  hatte
es  etwas  geregnet,  heute  aber  zeigten  sich  am  himmel  nur
leichte  weiße  Wölkchen.  „Wir  wollen  einen  Spaziergang  machen!“
sagte  die  Mutter,  und  jubelnd  sprangen  die  Kinder  fort,  um  ihre
Hüte  zu  holen.  „Dergeßt  mir  auch  die  NMörbchen  nicht!“  rief  ihnen
die  Mutter  noch  nach.  Die  wurden  denn  auch  gebracht  und  mit  wohlschmechenden
  Brötchen  gefüllt.

Uun  ging  es  hinaus  aus  der  Stadt  auf  die  Landstraße  mit  den
schattigen  Linden,  deren  gelbe  Blüten  so  süßen  Duft  verbreiteten.  Zu
beiden  Seiten  zogen  sich  ächer  und  Nornfelder  hin.  Hier  sah  man
ein  Feld  mit  blühendem  kKlee,  und  an  den  rötlichen  Köpfchen  hingen
weiße  Schmetterlinge  und  summende  Bienchen;  dort  breitete  sich  ein
Held  mit  Flachs  aus,  der  hellblaue  Blüten  trug.  Mit  Dergnügen  betrachteten
  die  Kinder  auch  die  weißen  oder  feuerfarbenen  Blüten  der
Bohnen,  die  an  hohen  Stangen  emporkletterten.  Uoch  schöner  war
es  aber,  als  sie  an  die  Kornfelder  kamen.  Weizen  und  Roggen
standen  hoch  und  dicht.  Die  halme  färbten  sich  schon  gelb  und
beugten  sich  in  krausen  Wellen  auf  und  ab,  wenn  der  Wind  leise
darüberhinlief.  Swischen  dem  Getreide  wuchsen  blaue  Kornblumen
und  rote  Kornraden.  Die  Mutter  erlaubte  den  Kindern,  die  Blumen,
die  am  Rande  standen,  vorsichtig  abzupflüchen.

Endlich  kamen  sie  an  die  große  Wiese.  Munter  sprangen  die
beiden  kleinsten  Kinder,  Theodor  und  sein  Schwesterchen  Lina,  in  das

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