November 1906. 329
bedauere für meine Person, daß der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes
nicht wieder in dieses Hohe Haus gekommen ist.
(Große Heiterkeit.)
Ich weiß auch sehr wohl, meine Herren, daß außer dem eben von mir
genannten Herrn noch andere warmherzige Patrioten diesem Verbande
angehören; aber für die auswärtige Politik kommt es doch noch mehr
auf die Klarheit des Kopfes, als auf die Wärme und Güte des
Herzens an
(sehr richtig!),
und das Herz des Patrioten soll sich nicht nur zeigen in unterschiedslosem
Räsonnieren auf alle Fremden, auf Engländer und Russen, auf
Nordamerikaner und Brasilianer, auf Ungarn und Italiener, und noch
weniger in kühnen Zukunftsträumen, die nur die Aufgaben der Gegenwart
erschweren und überall Mißtrauen gegen uns hervorrufen.
(Lebhafte Zustimmung.)
Das aber, meine Herren, gebe ich vollkommen zu, daß einseitige Avaneen,
unerbetene Attentionen ein untaugliches Mittel sind, um ungerechtfertigte
Angriffe abzuwehren und die Weltstellung der Nation zu wahren. Bei
unruhigem Empressement kommt selten etwas Gutes heraus; korrekt,
aber nicht überschwänglich
sehr richtig!),
höflich, aber sich nicht klein machen oder gar sich wegwerfen.
(Erneute Zustimmung.)
Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.
(Große Heiterkeit.)
Meine Herren, bevor ich nun auf unsere angebliche Isolierung
komme, möchte ich auf eine Erscheinung eingehen, die der Herr Antragsteller
berührt hat, und auf die auch von anderer Seite hingewiesen
worden ist, und die ja infolge dieses letzten Hinweises neuerdings viel
erörtert worden ist. Objektiv, wie ich bin, verstehe ich, daß die Sozialdemokratie
mit der Feder und dem Mund bestrebt ist, Reichsverdrossenheit
zu züchten. Das liegt in ihrem Programm, das liegt in ihrem
System. Was aber weniger verständlich ist, das ist der Eifer, mit dem
Nichtsozialdemokraten hinter allem her sind, um unsere Zustände schwarz
in schwarz zu malen.
(Lachen bei den Sozialdemokraten.)