Full text : Also sprach Bismarck. Band I. 1846 - 1870. (1)

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schützt  zu  sein.  Rußland  verfährt  sehr  töricht  mit  den  baltischen
  Provinzen,  die  seine  beste  Stütze  sind;  —  ich  kann  als
Preuße  diesem  Tun  ruhig  zusehen,  weil  ich  doch  kein  Interesse
  habe,  daß  unser  Nachbar  so  stark  sei,  vielmehr  dessen
Abschwächung  zu  wünschen  habe.  Für  den  Augenblick  habe  ich
aber  keine  anderen  Annexrionsgelüste  als  die  meiner  Nachbargüter.“


Herbst  1868.

Unterredung  mit  dem  Geh.  Justizrat  von
Wilmowski,  betreffend  die  Ablehnung  des
Ministerpostens  im  Frühjahr  1862.-7)

Im  Frühjahr  1862  wurde  Bismarck  von  Petersburg
ab  und  nach  Berlin  berufen;  daselbst  wurde  ihm  vom  König
zum  ersten  Mal  die  Ministerpräsidentschaft  angeboten.  Ueber
diese  Episode  erzählte  Bismarck:  „Ich  war  damals  des  Königs
  noch  nicht  ganz  sicher,  ob  er  durch  dick  und  dünn  mitginge;
  er  entschloß  sich  zu  wichtigen  Staatshandlungen  nicht
schnell,  ebenso  wie  sein  Bruder  und  Vorgänger.  Es  kam
mir  vor,  als  wäre  es  für  mich  noch  nicht  an  der  Zeit,  ins
Ministerium  zu  treten  und  ein  Gesandtenposten  war  mir  damals
  viel  lieber;  am  liebsten  jener  in  Paris.  Diese  Stelle
hatte  sich  freilich  damals  Graf  Bernstorff,  unser  Gesandter
in  London,  vorbehalten;  und  so  kam  es,  daß  ich  14  Tage
in  Berlin  in  Ungewißheit  war,  ob  ich  das  Ministerium  übernehmen
  müsse  oder  nach  London  oder  Paris  gehen  sollte.
Nach  14tägigem  Warten  wurde  ich  der  Sache  müde,  zumal
mir  in  Berlin  alle  Häuslichkeit  fehlte  und  ich  bat  den  Minister
  von  Schleinitz  um  meine  Entlassung;  darauf  bekam
ich  binnen  sechs  Stunden  den  Posten  in  Paris.“

)  Die  genaue  Zeit  und  der  Ort  der  Unterredung  waren  nicht
sestzustellen;  vermutlich  Varzin.