84 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (April 20.—23./25.)
20. April. (Berlin.) Im Reichseisenbahnamt beginnen
Beratungen über Neuerungen im Eisenbahnbau und in der Betriebsordnung.
April. Die gesamte deutsche Presse, auch die sozialdemokratische,
bekämpft scharf das Vorgehen Kanadas gegen die deutsche
Einfuhr und befürwortet zollpolitische Gegenmaßregeln.
21. April. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt
gegenüber Gerüchten über angebliche Heiratspläne des Kronprinzen:
Der Londoner „Daily Telegraph“ hat die Nachricht gebracht, der
Kronprinz werde im Laufe des Sommers einen Besuch in Karlsruhe
machen, um dort der Prinzessin Alexandra von Cumberland zu begegnen.
Diese Meldung ist gegenstandslos, sowohl den tatsächlichen Umständen nach,
wie auch namentlich mit Beziehung auf die Tendenz, für die angeblich
geplante Verbindung zwischen dem Kronprinzen und der Prinzessin von
Cumberland Stimmung zu machen. Ebenso falsch ist die aus Gmunden
datierte Angabe des „Hannoverschen Anzeigers“, daß der Kaiser für den
Herbst dieses Jahres einen Besuch am Hofe des Herzogs von Cumberland
beabsichtige, voraussichtlich als Jagdgast des Herzogs, und mehrere Tage
in Gmunden verweilen werde.
21. April. Der Reichstag genehmigt nach kurzer Beratung
die Vorlage zum Schutz des Wahlgeheimnisses gegen die Stimmen
der Reichspartei und der meisten Konservativen.
21. April. (Berlin.) Das Kaiserliche statistische Amt beginnt
die Herausgabe eines „Reichs-Arbeitsblattes“, das vornehmlich
über die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt berichten soll.
22. April. Der Reichstag genehmigt in zweiter Beratung
den Gesetzentwurf über die Phosphorzündwaren. — Danach soll
weißer oder gelber Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern und
Zündwaren nicht mehr verwendet und solche Zündwaren weder feilgehalten
noch eingeführt werden.
22. April. (Sachsen.) Reform des Personentarifs. Vgl.
S. 40.
Das „Dresdener Journal“ schreibt: „Da nach den neueren Vorgängen
die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß die beteiligten deutschen Regierungen
demnächst in neue Verhandlungen über eine allgemeine deutsche
Personentarifreform eintreten, beschloß das Finanzministerium, die Durchführung
der sächsischerseits geplanten Reformen bis auf weiteres auszusetzen.
Dem Eisenbahnrate ging eine anderweitige Vorlage zu, nach der
von der Herabsetzung der Preise für einfache Fahrkarten abgesehen wird.
Daher erachtet es die Regierung für angängig, eine Steigerung der Preise
für Rückfahrkarten um die Hälfte des Preisunterschiedes zwischen den preußischen
und sächsischen Rückfahrkarten, also um 6¼ Prozent der sächsischen
Preise, eintreten zu lassen.
23./25. April. (Preußisches Abgeordnetenhaus.) Be-