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Die Alraune ein Gegenstand des Aberglaubens der
vaterländischen Vorzeit*).
(Aus Chronisten und ältern Acten erläutert.)
Nächst der sogenannten Sprengwurzelt) der Schatzgräber
hatte die Alraune oder das Alrannichen, wie es gewöhnlich
im Volke hieß, eine große Geltung erlangt, und war mit dem
Kobolde fast gleich hochgeachtet; die sogenannten Alraun-, Hecke-,
Heinzel= oder auch Galgenmännlein gehörten aber zur edlern
Classe der Kobolde. — Die Alraun-Wurzel, welche schon im
hohen Alterthume2) der Zauberei dienen mußte, gehört zum Ge-*)
Es wird nicht ohne Interesse für die Freunde der vaterländischen
Cultur= und Sittengeschichte sein, über die verschiedensten Aberglaubensformen
der Vorzeit Nachrichten zu erhalten; hier wieder eine Probe.
1) Wahrscheinlich die Tithymalus verrucosus mit sehr knolligten Wurzeln.
Sie soll die Kraft haben, Riegel und Schlösser aufzusprengen, große Ketten
zu zerreißen und Schätze herauszulocken und zu heben. Man fabelte von ihr
Sonderbares im Mittelalter. so z. B. daß, wenn ein Pferd mit dem beschlagenen
Hufen darüber ginge, die Eisen abspringen sollten. Albertus Magnus sagt, daß
nur Vögel dieselbe zu finden wüßten; besonders soll der Specht, die Elster
und der Wiedehopf sich gut darauf verstehen. Ja, man erzählt, daß sie,
wenn man ihr Nest mit einem Stricke oder mit Ketten umwinde, oder das
Loch des Baumes, was zu ihrem Neste führt, mit einem Keile vernagelte, dann
das Kraut oder die Wurzel herbeiholten, wodurch sofort die Stricke und Ketten
zersprengt und der Keil herausgezogen würde. Um von den Vögeln diese
Wurzel zu erhalten, müsse man ein rothes Tuch unter einen Baum legen,
worauf sie die Wurzel fallen ließen. Diese Fabel ist aber schon sehr alt;
denn Plinius erzählt in der Hisloria naturalis (XXVII. 60) dergleichen Sonderbares
von der Elycyside, quam aliqui Paeoniam, aut penforobon vocant. Er
sagt namentlich: Tradum nociu effodiendas, quoniam, pico Martio (Specht) impelum
in oculos faciente, interdiu periculosum sit. Radix vero cum eflodiatur,
Periculum esse ne sedes procidat. Magna id vanitale ad ostemationem rei lictum
arbitror. Auch in der vaterländischen Sage spielt die Sprengwurzel eine
Rolle. So erzählt Melissantes (curieuse Orographie Nr. 209); Im Kiffhäuserberge,
etwa 3 Stunden von Nordhausen, soll sich Kaiser Friedrich
(borbewossg) mit den Seinigen verflucht haben. Er soll darin auf einer
Bank an einem steinernen Tische schlafend sitzen, den Kopf auf die Arme gestützt.
Der Bart sei ihm durch den Tisch bis auf die Füße berabgewachsen,
doch er schlummere nur und „zwinkere mit den Augen“, als wenn er
alsbald wieder erwachen wollte. Die Schatzgräber geben vor, daß der Kaiser
hier seine Schätze verwahrt habe, und wer die daselbst wachsende Sprengwurzel
zu finden verstehe, dem öffne sich der Berg. sowie die Schlösser der
Kästen, worin die Schätze verborgen liegen. Doch könne man diese Wurzel
nicht anders finden, als wenn man die Geister mit einer in einen Kreis gelegten
Summe Geldes beschworen hätte; sei dies geschehen, so zeigten sie den
Ort an, wo die Schätze verborgen liegen; doch wurde dieses von Betrügern
benutzt: die in den Kreis von den beichtgläubigen gelegte Summe wurde gewöhnlich
räuberisch gehoben. — Schon bei den Alten und namentlich im
Mittelalter bediente man sich der Päonienwurzel als Heilmittel gegen wüstes
Hirn, Epilepsie, und epileptischen Kindern hing man eine solche Wurzel sogar
um den Hals. —
2) Einige halten die Alraunwurzel für die Circaen der Alten, doch ist diese
wohl die Linne'sche Circaea oder das Hexenkraut, was auch Waldklette