Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

schüttert,  hatte  rote  Augen.  Sie  küßte  mich,  hielt  meinen
Kopf  vor  sich  in  beiden  Händen:

„Du  weißt,  mein  Junge,  warum  du  hier  bist?“

„Nein,  Mutter  —“

„Dann  geh  hinein  zum  Vater.  Und  prüfe  dein  Herz,
ehe  du  dich  enkscheidest.“

Da  wußke  ich,  worum  es  ging.

Miunuten  später  war  ich  bei  meinem  Vaker,  der  zu
Bette  lag.  Ich  war  kief  erschreckt  über  sein  Aussehen.

Rur  einmal  noch  habe  ich  ihn  so  gesehen!  Zehn  Jahre
[päter,  an  dem  Unheilskag  in  Spa,  als  General  Gröner
ihm  den  letzten  Halk,  den  Glauben  an  die  Treue  der
Armee  mik  einem  Achselzucken  kalk  zerbrach.

Um  Jahre  schien  er  mir  gealkerk,  war  hoffnungslos,
fühlte  sich  verlassen  von  allen,  war  zusammengebrochen
unter  der  Kakastrophe,  die  ihm  den  Boden  unker  seinen
Füßen  forkgenommen,  sein  Selbstbewußksein  und  Verkrauen
  zerkrümmerk  hakte.

Ein  tiefes  Mitleid  war  in  mir.  Kanm  jemals  habe
ich  mich  ihm  so  nah  gefühlk  wie  in  dieser  Stunde.

Er  hieß  mich  setzen,  redeke  drängend,  anklagend  und
sich  überstürzend  von  diesen  Vorgängen.  Enktäuschung,
Mutlosigkeit  und  Resignakion  hiellen  ihn  umfaßk;  dabei
  kam  immer  wieder  die  Bitterkeit  über  das  Unrecht
durch,  das  er  in  den  Vorgängen  sah.  —

Ich  habe  ihn  beschwichkigk  und  aufzurichken  gesuchk.

Wohl  eine  Skunde  habe  ich  damals  an  seinem  Bekke
gesessen.  Nie  vorher,  seit  ich  denken  kann,  war  das  geschehen.


Am  Ende  wurde  vereinbark,  daß  ich  für  eine  burze
Zeit  und  bis  er  von  seiner  Erkrankung  völlig  wieder-93