Contents : Encyklopädie der Rechtswissenschaft in systematischer und alphabetischer Bearbeitung. Erster, systematischer Theil. (1)

1.  Die  Franzsstschen,  Normannischen  und  Englischen  Rechtsquellen.  301

Turccken  des  Grand  Coutumier  einen  regelmäßigen  Anhang  defselben  bildet.  Er  ist
mit  nachträglichen  Zusätzen  und  Interpolationen  Überladen  und  dürfte  die  Grundionem
  seiner  gegenwärtigen  Gestall  erst  in  der  zweiten  Hälfte  des  fünzzehnten  Jahrhunderts
  erhalten  haben.

Als  Heimich  III.  durch  die  Verordnung  von  Blois,  22.  März  1577,  die  Redaktion
  einer  neuen  Normannischen  Coutume  anbefahl,  begründete  er  die  Pothwendigkeit
  der  Reform  u.  a.  damit,  daß  die  alte  Coutume,  die  in  einem  sehr  alten
Buche  aufgezeichnet  vorliege,  unverständlich  in  Sprache  und  Ausdruck,  größtentheils
außer  Gebrauch  gekommen  sei  und  von  der  Bevölkerung  des  Landes  nur  zum  geringen
Gheile  oder  gar  nicht  mehr  verstanden  werde.  Der  Prochss  verdal  über  die  Reformirung
  der  Coutume  rechtfertigt  diese  Motivirung  in  vollem  Maße,  er  zeigt,  daß
das  Verständniß  des  alten  Normannischen  Rechts  den  Verständigsten  bereits  abhanden
  gekommen  war.  Die  wichtigsten  Einrichtungen,  welchen  das  Normannische
Vchs  seine  geschichtliche  Bedeutung  verdankt,  fielen  der  oifiziellen  Redaktion  zum
Opfer,  u.  a.  die  Jury,  soweit  die  Normandie  sie  ausgebildet  hatte;  auch  fie  gehörte
berrits  zu  den  Einrichtungen  „hors  d’usage  et  peu  ou  point  entendus  des  habitans
du  pays“.

Literotur.  Eine  umsassende  Bearbeitung  der  Vnsit  Nechtsgeschichte  fehlt.
E  sehlen  aber  auch  die  Vorarbeiten,  die  einen  sochen  ch  als  möglich  erscheinen  liehen.
Von  raphien  r  aßer  den  angeführten  a  Sach  24  #s  und  Telisle's  in
Betracht  zu  ziehen:  Medox.,  Ilistory  and  antiquities  of  the  erchequer  of  the  Kings  of
agland,  1711  u  Ke,  0  r  vielsach  auch  auf  das  Tormanpicche  Schatzomt  eie  edt.  #
Flgst.  Lun  1  borieme.  de  pmsasie,  140  ein  Werk,  das  die  juristi
Lasnt  ewährt,  die  man  zu  erwarten  berechtigt  wäre.  Ein  anschauliches  Bild  der  zun
ustaͤnde  Leebt.  ant  vielfacher  Puir  auf  die  rechtlichen  Verkannisse  das
Len  und  1#.5  heils  aus  ungedruckten  Quellen  gearbeitete  Werk  Leopold  Delisle's:
condition  de  la  classe  agricole  et  Petat  de  T’agriculture  en  Normandie  au
moyen  *  1851,  publieé  la  société  libre  de  I'Eure.
Ueber  das  ———  Gerichtswesen  existiren  Ueinere  Ab  bandlungen  von  De  la  Nu
Morinidre,  Couppey  und  rui  die  in  Zeitschriften  zerstreut  find.  Das  ansang:
Richse  Moleriol  bieten  die  Werke  eines  älteren  Autors,  Larlomentsadvokaten  Houard,
gdd  Binen  Ancieno  r  des  kenasnis  SF  snernees  Wens  sotamen  Agleie,  fns
etionnaire  ana  e  ue,  etymologique,  e  et  int  ta  e  la
Norman  Me,  kelen  1780.  und  in  de  rn-  neh  n  en  Frareh  S
Ronen  1776.  t  ul  die  Geschichte  des  7  wrrn  schen-  2*8  tzug  nimmt.
Mil  tiefer  innerer  zllgherengung,  *  mit  sehr  seichter  Kritik  varthesdigr  Houard  den  Zusommenhang
  des  A  nzöfischen,  N  orannischen  und  Englischen  Rechts,  der  von  seinen  Nachselgern
  häufig  "  l  ignorirt  wurde.  Durchaus.  Ensrieotch  ist  der  Ablschnitt  über  die
Nermannischen  Contumes  bei  L#aferriè#re,  Histoire  du  droit  français,  V.  602  ff.  —  Eine
W  ube  die  aälteren  Coutumes  der  Normandie  gab  ich  in  dem  Exkurse  zu
meiner  Abhand  Dos  Anglenermanm-  Elbbsolgefystem,  1869.  bi  Heinrich  Brunner,
Die  die  Entstehung  *rn.  Schwumerichte,  1871,  Abschnit!  VII.,  Entwicklungsgang  des  Normannischen
  Rechts,  und  den  nrt  über  die  Literalur  der  Norma  nnischen  Rechisgeschichte.  —  Ueber
die  u  Sirrigfrogen.  rtreß  end  das  Verkaltpi  des  ——  neg  zu  den  Skondinavien
  Rechien,  din  Steenstru  6&  1  Normannertiden,  1876.
—  sb  2  *  Anfänge  des  14—9  *W  r*  in  v.  Sybel'“  historischer  Zeit- 



 

 

III.  Die  Guellen  des  Enslischen  Rechts.

A.  Die  Angelsächsischen  Rechtsanellen.

§l#  10.  Die  Satungen  der  Angelfachsen  nehmen  in  der  Geschichte  des  Engluchen
  Rechts  dieselbe  Stellung  ein,  wie  die  Volksrechte  in  der  Rechtsgeschichte  der
übrigen  Deutschen  Stämme.  Wenn  zwar  die  selbständige  Entwicklung  des  Angelsschsischen
  Rechts  durch  die  Normannische  Eroberung  abgebrochen  wurde,  so  hat  es
ich  doch  zum  Theil  neben  den  Normanmischen  Ncucrungen  erhalten  und  mit  diesen