Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

 

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Schluß  der  A#meigen-  Unnahme  1  Uhr  miltlags.

Nosenheimer  Tagblakt

—  —

 

 

Nummer  55,  Goll

Donnerstag  8  Wlärz  1917

#utestaniisch:

63.  Jahrtzaug

ph  semon

 

 

 

Die  guten  Aussichten  des  A-Poot-Rrieges  und  die  Augst  Englands.

Das  Kriegsund

  Friedensprogramm  Wilsons  und  seine  Neutralitätsheuchelei.  —  Die  Bearbeitung  Chinas  durch  die

entente.  —  Die  amerikanische  Hochfinanz  im  Dienste  der  Feinde  Deutschlands  —  Die  Metzer  Festungswerke.  —  Einstellung
des  Bierbrauereibetriebes  in  Norddentschland?

#  lriensint
WIB.  Großes  Hauptauarkter,  den
Mätz,  vormittags.  Amtsich.
Westlicher  Kriegsschanplaon.

An  der  Scarpe.  beidersent?  von  Ancre  und
mume,  in  der  Champagune  und  auf  dem  Os

er  der  Maas  herrschte  gestern  rege  Artillerie.
taleit.  Mehrfach  kam  es  auch  zu  Gesechten  #vo#n
slärungsabteilungen  mit  der  Grabenbesat:

na.  Abends  griffen  die  Franzosen  an  der
Idostfront  von  Verdun  unsere  neuen  Stellun-:

  am  Caurierres-Walde  an.  Sie  sind  durch
runer  abgewiesen  u###rden.

F#ilares  Wetter  begünstigte  die  Flieger  in  Er
bliung  ihrer  Aufgabe.  In  zahlreichen  Luft
pfen  s.  nd  15  feindliche  Flugzeuge  abgeschos
worden.  Wir  haben  durch  gegnerische  Einirkung

  ein  Flugzeug  verloren.

Oestlicher  Kriegsschanplao.
Zurschen  Ostsee  und  dem  Schuarzen  Meerr
bei  nacklassender  Kälte  in  einzelnen  Abschnitzu
  das  Feuer  lebhafter  geworden.  Die  Tärig-=I
  der  Infanterie  blieb  noch  gering.
Mazedonischen  Front.
Zweschen  Wardar  und  Doiran-See  und  in
1*  Struma-Niederung  schiugen  un#ere  Posten
g  Irtöße  englischer  Kompagnien  zurück.
Der  erste  Generalquartiermeister:
Ludendorff.
2
Amerilanische  Probe  Schiffe.
Lugano,  7.  März.  „Secolo“  meldet:  Die
waffneten  Munfstionsdampfer  „St.  Louis“,
.t.Paul“  und  „Neuyork"  werden  dieser  Takihre
  Reise  nach  Europa  antreten.

 

Wilsons  Heuchelel.

Am  5.  März  begann  Wilsons  zweite  Präsiitschaftsperiode.
  Er  leitete  sie  auf  den  Kapiin
  Washington  mit  einer  Antrittsrede  ein,
dem  ihm  aber  der  Senat,  dessen  begislatur.
riode  tags  zuvor  abpelaufen  war,  das  Kon
#t  verdorben  hatte.  Dort  gab  es  nämlich  Obiktion
  gegen  die  Vollmachten,  welche  Wilsons
EFriegspokitlt  erteilt  werden  sollten,  und  die
bstimmung  darũber  mußzte  unterbleiben.
Diese  Tatsache  stellte  Wilson  seiner  Ankritts.
d#  voran.  Und  er  mußte  dann  gar  viele  Vert(il#hrasen
  abrwendch,  um#  e#e#
*1  „der  Senat  der  Unionstaaten  weiter  nichts
1.  als  eine  gesetzgebende  Körperschaft,  die  nicht
audeln  kann,  auch  wenn  ihre  Mehrheit  zum
Vandeln  bereit  ist,  weil  eine  kleine  Gruppe  tvilisstatler
  Männer  die  große  erung  der
aniousstaaten  hilflos  gemacht  hat.“  Wh  will
r  abhelfen,  indem  der  Senat  so  geändert  wird,
#i  er  handekn  kann.  Mit  anderen  Worten:
Finderhe  iten  soll  mundtot  gemacht  werden.

*

Der  Senat  soli  ser  ne  Geschäftsordnung  so  än- 



Die  vlamische  Abordnung  in  Verlin.

 

 

 

dern,  das  Wilfen  seiner  Kriegspolitil  die  Züu
gel  schießen  lassen  lann.  Nun  der  neue  i#Senat  ist
ebenfalls  am  5.  März  zusammengetreten.  Er
wird  zu  zeigen  haben,  inw  iefern  er  Wilson  zu
Willen  sein  will.  In  jeiner  Zusammense  zung
unterscheidet  er  sich  nicht  riel  von  dem  Senat,
der  am  4.  März  zu  bestehen  aufgehort  Hat.

Wilson  bat  dann  um  die  Ermachtigung,  eine
Enlztung  zu  veröffentlichen,  die  besagt,  daß
die  Lage  dadurch  noch  ernster  geworden  ist.  alrman
  amnahm.  daß  man  enldeckle,  daß  der  Pra
sment  zwar  auf  Grund  der  allgemeinen  versaf:
sungsmaßigen  Vollmachten  viel  von  dem  tun
lann,  wofür  er  vom  Kongreß  die  Vollmacht  er
langte,  daß  aber  gewisse  alte,  unwiderrufliche
Bestimmungen  beflehen,  die  praltisch  unüberwindliche
  Hindernisse  bilden  und  die  Vollmacht
zunichte  machen  können.  Das  erwähnte  alte  Ge
setz  wurde  im  Jahre  1819  angenommen,  um  den
Widerstand  amerikanischer  Handelsschisse  gegen
Kaperschiffe  ron  Privatversonen  zu  regeln.  Ausgeschlossen
  seien  aber  Schifse,  die  von  „einem
staatlichen  bewafsnelen  Schiff“  einer  Nation,
die  mit  den  Unionstaaten  in  Freundschaft  iit,
angegrissen  würden.  In  technischem  Sinne  in:
aber  Deutschland  nicht  im  Kriege  mit  den  Union
staalen.  die  Unterseeboote  sind  aber  „bewaff
nete  staatliche  Schisse“  Deutschlands.

Was  Wilson  in  seiner  Antrittsrede  zunächst
weiler  sagte,  ist  eine  große  Neutralitälsheuchelei.
Er  glaubte  sagen  zu  dürfen:  „Obwohl  wir
zur  See  enstlichste  Unbill  erlitten,  wünschten
wir  nicht.  Böses  mit  Bösem  zu  vergelicn#  und
als  zuletzt  Nie  uns  angetanen  Beleidigungeimmer
  unertraglicher  waren,  haben  wir  uns  den
noch  stels  vor  Augen  gehalten,  daß  wir  unsere
Forderungen  nicht  nur  in  unserem  cigenen,  sondern
  ebenso  sehr  im  Interesse  der  Allgemein
heit  aufstellten,  1  nämlich:  Gerechte  Behandlung,
Recht  und  Freiheit  des  Lebens,  sowie  Schutz
gegenüber  b  tierem  Unrecht.  In  diesem  Geiste
stärkie  sich  in  uns  immer  mehr  und  quehr  das
Bewußtsein,  dass  die  Nolle,  die  wir  zu  spielen
wünschten,  nur  diejenige  von  Verteidigern  und
Förderern  des  Friedens  sein  könnte.  Wir  sehen
uns  nunmehr  aber  in  Zwangslage,  für  die  Verwirktichung
  unserer  Wünsche  und  für  eine  gemisse
Mindestserderung  von  Necht  und  Freiheil  han.
delnd  einzutreten.  Wir  sind  und  miteinander

 

einig  in  der  Frage  der  bewassucten  Neutralital
  wir  nollen  dal#  nicht  vergessen,  daß  es
besondere  Umstände  waren,  die  uns  zur  Verteidigung
  unserer  Rechte  durch  die  Tat  zwangen
und  die  uns  auch  zu  noch  unmt  ittelbarerer  Teilnahme
  an  dem  großen  Kampfe  zwingen  könnlen
  “

Im  weiteren  Verlaufe  seiner  Nede  erllärte
Wüson:  „In  die  Auffassung  dessen,  was  wir
als  unser  ziel  bezeichnen,  wird  nichts  eime  Aen.
derung  bringen  lonnen.  Wir  wünschen  weder  Ereberungen,

  noch  Vorteile.  Wir  wollen  nichts  auf

Kosten  anderer  Bölker  erreichen,  wir  stehen  aber
nicht  länger  außerhalb  des  Krieges.  Die  tragischen
  Ereignisse  eines  dreifigmonatlichen  Kamp-"es
  auf  Leben  und  Tod  haben  uns  zu  Weltbürgern
  gemacht.  Kein  Zuruck  ist  möglich!  Unsere
eigene  Wohlfahrt  als  Nation  steht  auf  dem
Spiel.  Für  foigende  Bedingungen  wollen  wir
eintreten:  Alle  Nationen  mussen  das  gleiche
Interesse  an  de.  Aurechterhaitung  der  Wel:
friedens  haben  2  in  gleichem  Masee  die  Ver
antwortung  tre  Gon.  Für  die  volttische  Unabhän
Kigkeit  der  freien  Völler  werden  wir  eintre
ten.  Die  Regierungen  müssen  alle  ihre  Macht
vollkommenheit  rechtlich  aus  der  Zustimmung
ihrer  Völker  herleiten.  Die  Meere  müssen  frei
und  sicher  sein  zum  Nutzen  aller  Nationen  auf
Grund  von  Rechtsabkommen,  die  durch  gemeinschaftliche
  lleberlegungen  aller  Staatsleitungen
geschafsen  wurden.  Die  Rustungen  der  Nationen
müssen  auf  ein  Mindep##ran  beschränkt  werden,
das  zur  Aufrechterhaltung  der  inneren  Ruhe
und  Ordnung  nötig  i#ll.  Es  muß  die  (Pflicht  eines
ieden  Staates  sein,  dafür  zu  sorgen,  daß  alle
suick  welche  eiwa  von  seinen  eigenen  Bürgern
  auogeben  zu  dem  Zuwecke.  Revolutionen
in  einem  anvderen  Staate  anzuzetteln  oder  zu
ndersiühen,  streng  und  lrastig  unterdrückt  wer
en.“

Hierzu  nur  ein  paar  Worte:  Nie  ist  das  Kapitok
  in  Washington  dure  eine  Rede  so  schimpf:
lich  entweiht  worden  une  #urk  diese,  deren
Urheber  in  jedem  se'rer  Sätze  den  Ampruch  erhebt,
  fuür  den  geiente  i  ind  redlichien  unter
ben  Staatsmounnern  gehalien  zu  werden  und
sich  doch  in  jedem  Wort  al#  einen  der  ungerechtesten
  und  untedlichiten  Menschen  ossenbart,  die
jemals  an  der  Spitze  großer  Staalen  gestanden

 

haben.  Und  wenn  er  sugt,  daß  e  nichts  gibt,
mas  diese  seine  Gedanken  oder  Absichten  ändern
  lönne,  so  schallt  ihm  uber  den  Czean  won
Millionen  Stimmen  die  Antwort  entgegen:  Keine
  Drohung  mit  bewassueten  Schiffen,  leine
Kriegserklärung  wird  dem  #merikanischen  Handel
  unser  Sperrgeblei  m.ee  öffnen!  Genau
an  dem  Tage,  an  dem  Jame:  Monrve  vor  hundert
  Jahren  Präs'dent  der  Vereinigten  Staaten
  wurde,  hat  sein  Nachiolger  Wilson  das
Allen##uck,  das  eimn  Jahrhundertlang  der  Angelpunkt
  der  auswartigen  Polmil  Amerikas  war,
die  sog.  Neontoe  D  octrin,  zerrissen.
Wilfon  vor  dem  Slgatssireich.

Die  Lage  in  den  Veleigten  Slaaten  ist
nun  d  verworren  als  dembar.  Das  Wisson'sche
Gewaltmittel  der  „Enkthullut  “  der  deutschen
Blãne  bezũalich  Mexitos  und  Japan  *  nur  im
Umerhaus  seine  Wiriung  getan  und  ihm  die
—*  mmung  zu  seinen  Vorsc  lagen  gesichert.  Im
Se#:  der  eine  andere  Geschaftsp#rdnung  be-#61.
  1#die  Session  ohne  emen  Beschluß  zu
Ende  gegangen.  ur  Rechreguliigkeit  gehört
aber,  wie  überal!  auf  der  Welt,  ein  übereinstimmender
  Veichlun  beider,  S##  (fer.  Wilson
hinkt  allo  qduf  eineml  Bein  ur  dem  Repräsentantenhaus.
  Seine  Lage  inm  nicht  angenehm:
Nimmt  er  die  Tatsachen  h##.  wic  sie  find,  #/
lat  er  eine  Niederlage  zu  backen,  willeer  ##ein  parlamentarisches
  Gluck  k##rgieren,  so  nimmt  er
nicht  nur  jede  Verantwortunn  für  alles  Kommende
  aueschliellich  auf  seine  Schultern,  sondern
lunden  auch  sormell  auf  Grund  eines  Staatsstreidee8Und
  dain  scheim  er,  der  Demakrat,
nich  “vd  Lust  zu  haden,  wie  ja  Khon  nus  seikient
  Plau  berrorgebt,  dem  wü#erspanstigen
Senat  eine  neue,  fur  Wislsons  Zwecke  günstigere
  Gesch  fisordnu  ng  gewalisom  aufzupiropsen.
In  einem  anderen  Land  tonnten  solche  Experimente
  nicht  ohne  die  schmersten  innerpolitischen
Erschütterungen  vorübergehen.

Meuter  meldel  lic  zu:  Iu  der  am  Sametag
verosffentlichien  Erlr#mg  selli  Wilson  dem  Lande
  mu,  es  lönne  sein,  daß  er  Gnangels  Ermächtigung
  rom  Kongreß  nicht  die  Vollmacht  haben
werde,  die  Handelsichisse  zu  bemoffnen  oder  andere
  Maßregeln  z.i  ergreifen.  um  der  Unterseebdolsgefahr
  u  benennen.  Der  Präsident  erllärt,
  es  wurde  eine  cuier  ordentliche  Session
des  Kengre'see  erforderlich  sein.  um  ihm  die
Ermäck  tigung  u  geben,  aber  cse  wäre  zrecklos,
  eine  außerordenilidie  Session  einzuberufen,
soiange  der  Scnat  unter  der  gegenwärtigen  Geschdftsordnung
  arbeite.  die  es  einer  kleinen  Minderheit
  ermogliche.,  die  rberwaltigende  Mehrheil
  im  Schuch  zu  hallen.  Der  Präsident  schlage
deshalb  ror,  cine  außerordentliche  Session  des
Scnan  fur  heute  einzuberusen,  um  die  Geschäftsordnung
  abzuändern  und  für  die  Mittet
zu  sorgen.  um  d.  Land  vor  einer  Katastrophe
zu  bewahren.

Aenderung  der  Gesaste

   

ednung

ver  Senats.

Washi  un.  zn,  6.  Marz.  (Reuler.)  Der
amerilanische  Senat  wurde  für  heute  111  Uhr
einberusen.  Einer  der  auf  der  Tagesordnung.
slehenden  Punkte  wird  die  Einführung  eines
neuen  Punktes  in  der  Geschäftsordnung  sein,
we  durch  die  Schließung  der  dehatten  ermög
licht  wmd  8  enalbren  n  hezu  schon
ihre  Zusiimmung  gegeben.