Full text : Die Weltgeschichte. Dritter Theil. Die neue Zeit. (3)

256  Englische  Revolution.  Zeitalter  Ludwigs  XIV.  at.

Achtzehntes  Kapitel.
England  von  1714  bis  1775.  Die  Berrschast  über  die  Meere  errungen.

Während  der  Kämpfe  auf  dem  Festlande,  welche  mehr  als  die
erste  Hälfte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  ausfüllen,  wußte  England
aus  seiner  insularischen  Lage  den  größten  Vortheil  zu  ziehen;  unangreifbar
  für  die  großen  Landheere  der  festländischen  Mächte  mischte  es  sich
in  deren  Kämpfe  nur,  um  keine  derselben  zu  einer  entschiedenen  Uebermacht
  gelangen  zu  lassen,  und  nahm  sich  als  Lohn  Kolonieen  oder  europäische
  Plätze  wie  Gibraltar  und  Minorka,  die  Schlüssel  des  mittelländischen
  Meeres.  Die  Herrschaft  über  die  Meere,  die  Ausdehnung  seiner
Besitzungen  in  den  anderen  Erdtheilen,  der  Welthandel  wurden  die  Ziele
der  englischen  Staatsmänner,  von  der  Nation  begriffen  und  mit  ebenso
ruhiger  als  kühner  Entschlossenheit  verfolgt.

Georg  I.  (1714—1727),  der  erste  König  aus  dem  Hause  Hannover,
  überwand  die  Aufstände  der  Anhänger  des  Hauses  Stuart  mit
leichter  Mühe  und  nahm  1717  an  dem  Kriege  Theil,  welchen  der  spanische
  Minister  Alberoni  wegen  Sardinien  und  Neapel  mit  Oesterreich
angefangen  hatte;  obwohl  England  keine  Eroberungen  machte,  so  befestigte
  die  Flotte  ihr  unter  Elisabeth  und  Kromwell  gewonnenes  Uebergewicht
  durch  neue  Siege  über  die  spanische  Seemacht.  Als  Kurfürst  von
Hannover  mischte  er  sich  zuletzt  in  den  großen  nordischen  Krieg  und  gewann
  Bremen  und  Verden  den  Schweden  ab,  was  aber  den  Engländern
  nicht  besonders  lieb  war;  denn  sie  fürchteten,  die  königliche  Dynastie
könnte  über  den  Interessen  Hannovers  die  englischen  vergessen.

Sein  Sohn  Georg  II.  (1727—1760)  ergriff  1739  gegen  Spanien
die  Waffen  für  den  beanstandeten  Assientotraktat  und  erzwang  die  Haltung
  desselben.  Er  unterstützte  Maria  Theresia  gegen  ihre  verbündeten
Feinde  und  gewann  1743  die  Schlacht  bei  Dettingen;  sein  Sohn,  der
Herzog  von  Kumberland,  verlor  zwar  die  Schlacht  bei  Fontenoi  gegen
den  Marschall  von  Sachsen,  gewann  aber  dafür  die  von  Kulloden  gegen
den  Prätendeuten  (siehe  oben  Seite  218),  durch  welche  die  letzte  Hoffnung
  der  Stuarte  begraben  wurde.  Die  Streitigkeiten  mit  den  Franzosen
  wegen  der  Gränzen  in  Nordamerika  bewogen  ihn  zum  Bündnisse
mit  Friedrich  II.  von  Preußen  und  zur  Theiluahme  an  dem  siebenjährigen
Kriege;  er  starb  aber  vor  dem  Ende  desselben  1760.

Sein  Enkel  und  Nachfolger  Georg  III.  (1760—1820)  erbte  diesen
Krieg  und  beendigte  ihn  nach  manchem  Wecksel  glücklich;  im  Frieden
von  Paris  (1763)  gewann  England  Kanada,  das  Kap  Breton,  und
von  Spanien,  welches  auf  Frankreichs  Seite  getreten  war,  die  Inseln
St.  Vincent,  Dominika,  Tabago,  sowie  die  Halbinsel  Florida.  Um  diese