Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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I.  Der  Schluß  vom  transzendentalen  Begriff  des  Subjekts,  der
nichts  Mannigfaltiges  enthält,  auf  die  in  jeder  Beziehung  mögliche
Einheit  desselben;  d.  h.  der  Schluß  vom  Übersinnlichen  des  Menschen
auf  die  menschliche  Seele.  —  Diesen  dialektischen  Schluß  nennt  Kant
den  transzendentalen  Paralogismus,  d.  h.Falschheit  des  Schlusses  der
Form  nach.  Und  da  die  Form  in  Raum  und  Zeit  besteht,  so  kommt
der  Trugschluß  davon,  daß  man  die  subjektive  Zutat  von  Raum  und
Zeit  als  objektiv  zu  der  Erkenntnis  nimmt.

II.  Der  Schluß  vom  transzendentalen  Begriff  der  in  jeder  Beziehung
  möglichen  Totalität  der  Bedingungen  zu  einer  gegebenen  Erscheinung;
  d.  h.  der  Schluß  der  Welt  als  der  in  jeder  Beziehung  möglichen
  Einheit  als  Ganzes  in  bezug  auf  die  Bedingungen  der  Erscheinungen.
  —  Den  Zustand  der  Vernunft  bei  diesem  dialektischen
Schluß  nennt  Kant  die  Antinomie  der  reinen  Vernunft,  d.  h.  das
Widersprechende  derselben.

III.  Der  Schluß,  der  davon  ausgeht,  daß  von  der  Totalität  der
Bedingungen  gegebener  Gegenstände  überhaupt  gedacht  werden  kann,
und  der  dabei  auf  die  absolute  synthetische  Einheit  aller  Bedingungen
der  Möglichkeit  eines  Wesens  kommt,  das  nach  seinem  bloßen  transzendentalen
  Begriff  nicht  erkannt  werden  kann.  D.  h.  der  Schluß,  der
auf  das  Wesen  aller  Wesen,  auf  Gott  kommt,  und  von  dessen  unbedingter
  Notwendigkeit  man  sich  ebenfalls  keinen  Begriff  machen  kann.
Mit  anderen  Worten:  Der  Schluß  auf  Gott  als  der  absoluten  Einheit
aller  Gegenstände  des  reinen  Denkens  überhaupt.  Diesen  Vernunftschluß
  nennt  Kant  das  Ideal  der  reinen  Vernunft.

Die  Idee  der  Seele  hat  ihren  Ursprung  in  unserem  geistigen  Ich,
das  sich  durch  das  „ich  denke“  äußert  und  dem  unser  Körper  nur  ein
mittelbares  Ojekt  der  Erkenntnis  ist.  D.  h.  das  „ich  denke"“  ist  ein
Gegenstand  des  inneren  Sinnes,  während  der  Körper  ein  solcher  des
äußern  ist.  Wenn  man  von  dem  „ich  denke“  oder  noch  besser  „ich
existiere  denkend“  nicht  nur  auf  die  Möglichkeit,  sondern  auf  die  Wirklichkeit
  einer  Seele  schließen  will,  so  kann  dieses  nur  vermittelst  der
Kategorien  des  Verstandes  geschehen.

Alle  Gegenstände  sind  Subjekt  und  Prädikat.  Das  Prädikat  sind
die  Akzidenzen;  werden  diese  abgesondert,  so  bleibt  als  eigentliches
Subjekt  die  Substanz  als  das  Ding  an  sich  übrig.  Da  das  Eigentümliche
  unseres  Verstandes  aber  darin  besteht,  nur  durch  Begriffe,  d.  h.
vermittelst  der  Prädikate  oder  Akzidenzen  zu  denken,  wobei  das  absolute
Subjekt  jederzeit  fehlen  muß,  so  können  wir  das  Ding  an  sich  nie  für
ein  letztes  Subjekt  halten.  .

Nun  könnte  man  annehmen,  daß  wir  in  unserem  Ichbewußtsein,
d.  h.  in  unserem  geistigen  Ich  das  Substanziale  des  letzten  Subjekts,