440. Peutsches Reicz. Nov. 9.,
der Person Sr. Maj. geschehen müsse, wurde ferner erörtert, welchen Aufenthalt
der Kaiser zu wählen habe, im Falle die Entwicklung der Dinge ihn
zwingen sollte, ins Ausland zu gehen, mit dem Ergebnis, Holland in Vorschlag
zu bringen. ·
Etwa um 4 Uhr begaben sich die Teilnehmer der Besprechung mit
Ausnahme des Grafen Schulenburg, der in sein Standquartier zurückkehrte,
wieder zu Sr. Maj. Generaloberst v. Plessen und Admiral Scheer waren
anwesend. Der Kaiser äußerte sich erneut gegen den Gewaltakt des Reichskanzlers
und blieb dabei, daß er sich nur bereit erklärt habe, auf die Kaiserkrone
zu verzichten. Der Generalfeldmarschall berichtete hierauf über das
Ergebnis der stattgehabten Besprechung und trug vor, daß militärische Kräfte
zur Niederwerfung der Revolution nicht zur Verfügung ständen. Sodann
berichtete er über den vom Staatssekretär gemachten Vorschlag eines nicht
zu veröffentlichenden Protestes. S. Maj. war hiermit einverstanden. S. Maj.
äußerte, daß nunmehr der Generalfeldmarschall den Oberbefehl übernehmen
und das Heer in die Heimat zurückführen müsse. Es wurde endlich
die Frage des Aufenthaltsortes Sr. Maj. erörtert. Für die Beurteilung dieser
Frage waren folgende Erwägungen maßgebend: Gegen die Möglichkeit, beim
Heere zu bleiben, sprachen, und zwar infolge der weiteren Entwicklung der
Dinge in noch verstärktem Maße, die am Vormittag vorgetragenen Gründe.
Der Weg in die Heimat war infolge der Besetzung der Rheinübergänge
durch die Aufständigen versperrt. Da der Abschluß des Waffenstillstandes
unmittelbar bevorstand und die zu diesem Zweck entsandte deutsche Kommission
bereits am 7. Nov. die französische Linie überschritten hatte, so
wäre auch für jeden Truppenteil, zu dem sich S. Maj. am 9. Nov. begeben
hätte, nicht mehr der Kampf mit dem Feinde, sondern nur der sofortige
Rückmarsch nach der Heimat in Frage gekommen. Unter diesen Umständen
wurde vom Generalfeldmarschall auf Grund der vorhergegangenen Beratungen
und in Uebereinstimmung mit der Auffassung des Vertreters des.
Auswärtigen Amtes, Herrn v. Hintze, sowie der sonst anwesenden Ratgeber
als äußerster Ausweg der Uebertritt in das neutrale Ausland bezeichnet
und hierfür Holland als am geeignetsten genannt. Zu einem bestimmten
Entschluß kam es jedoch noch nicht. S. Maj. entschied nur, daß er sich für
die Nacht in den auf dem Bahnhof in Spa stehenden Hofzug begeben wolle,
in welchem ein Teil seiner Umgebung bereits wohnte. Staatssekrelär v. Hintze
wies auf die Notwendigkeit hin, für den Fall, daß die Reise nach Holland
beschlossen werden würde, schon jetzt die vorbereitenden Maßnahmen zu
treffen. Er wurde von Sr. Maj. beauftragt, die erforderlichen Schritte zu
tun, und trat demgemäß mit den deutschen Vertretern in Belgien und Holland
in Verbindung. Der Generalfeldmarschall verließ den Kaiser um 5 Uhr
nicht mit dem Gefühl dauernder Trennung, sondern in der festen Ueberzeugung,
seinen Kaiserlichen und Königlichen Herrn am nächsten Tage wiederzusehen
und seine endgültigen Befehle entgegenzunehmen Gegen 7⅛¼ Uhr
kam Generaloberst v. Plessen zum Generalfeldmarschall in dessen Geschäftsgebäude
und teilte ihm mit, daß S. Mas. sich inzwischen entschlossen habe,
dem Vortrage am Nachmittage entsprechend nunmehr nach Holland abzureisen;
Generaloberst v. Plessen verabschiedete sich vom Generalfeldmarschall
in bewegten Worten; auf die Frage des Feldmarschalls, ob er noch zum
Kaiser eilen könne, glaubte Herr v. Plessen davon abraten zu sollen. Im
Hofzug regte Generaloberst v. Plessen nochmals an, die Abreise aufzugeben,
und S. Maj. genehmigte das. Die Nachricht hiervon wurde der Obersten
Heeresleitung mitgeteilt, und der Generalfeldmarschall erfuhr von der am
10. Nov. früh erfolgten Abfahrt erst, nachdem sie ausgeführt war. Als dem
Staatssekretär v. Hintze gemeldet wurde, daß S. Maj. beschlossen habe, noch