Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Nassau.

oder  N.-Oranischen  Linie,  die  Lande
auf  dem  rechten  Ufer  erhielt.  Von  Walrams
  Söhnen  wurde  der  ältere,  Diether,
  1300  Erzbischof  von  Trier,  der  jüngere,
  Adolf,  Graf  von  N.,  1292  auf  den
deutschen  Thron  erhoben  (s.  Adolf  1).
In  der  Folge  teilte  sich  die  Walramsche
Hauptlinie  1355  in  die  alte  Idsteiner,
  welche  1605  erlosch,  und  die  alte
Weilburger  Linie.  Der  Stifter  der
letztern,  Johann  I.,  wurde  1366  in  den
Reichsfürstenstand  erhoben,  worauf  aber
seine  Nachkommen  verzichteten.  1442
zweigte  sich  von  der  alten  Weilburger  Linie
  die  Linie  Alt-Saarbrücken  ab,
welche  1574  erlosch.  Unter  Philipp  III.
(1523—59)  und  seinem  Nachfolger  Albrecht
  wurde  die  Reformation  in  N.  eingeführt.
  Die  Söhne  Ludwigs  II.,  der
wieder  alle  Besitzungen  des  Walramschen
Zweigs  vereinigt  hatte,  begründeten  1627
die  Linien  Neu-Saarbrücken,  Neu-Idstein
  und  Neu-Weilburg.  Die
Linie  Neu-Saarbrücken,  welche  1721  die
Hesihungen  von  Neu-Idstein  erbte,  teilte
sich  1659  in  die  Zweige  N.-Ottweiler,
N.-Saarbrücken  und  N.-Usingen.
Während  die  beiden  erstern  schon  1728,
resp.  1723  erloschen,  bestand  die  Linie  N.-Usingen,
  die  gleich  N.-Weilburg  1688  in
den  Fürstenstand  erhoben  war,  weiter,
verlor  aber  durch  den  Frieden  von  Lüneville
  1801  das  Gebiet  von  Saarbrücken.
Als  Entschädigung  erhielt  a"  1803  zahlreiche
  Besitzungen  der  Erzstifter  Mainz
und  Köln,  ferner  der  Pfalz  und  von  Hessen
  sowie  einige  Abteien.  Hürs  Friedrich
August  (seit  1803)  von  N.-Usingen  trat
mit  seinem  Vetter  Friedrich  Wilhelm  von
N.-Weilburg  dem  Rheinbund  und  nach
der  Auflösung  desselben  dem  Deutschen
Bund  bei  und  erhielt  1815  gegen  Abtretung
  nehrer  Amter  die  oranisch-beutschen
  Be  liungen  Dietz,  Dillenburg  u.  a.
Schon  1806  war  N.  zu  einem  unteilbaren
Herzogtum  erklärt  worden  und  kam,
als  die  Linie  N.-Usingen  1816  mit  Herzog
Friedrich  August  erlosch,  an  den  Herzog
Wilzelm  von  N.Weilburg,  den  Sohn
des  oben  genannten  Friedrich  Wilhelm.
Die  Ottonische  Linie  zerfiel  1290
in  die  Zweige  N.-Dillenburg  und  Alt-Deutsche

  Geschichte.

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Hadamar.  Während  letztere  1394  erlosch,
  hatte  sich  von  N.-Dillenburg  1343
die  Nebenlinie  N.-Beilstein  auf  dem
Westerwald  abgetrennt,  welche  1561  ausstarb.
  An  N.-Dillenburg  fielen  im  15.
Jahrh.  ausgedehnte  Besitzungen  in  den
Niederlanden,  und  hier  ward  1475  eine
Nebenlinie  Pründtt.  Graf  Wilhelm  der
Reiche  von  N.-Dillenburg  (1516—59)
führte  die  Reformation  in  seinem  Land
ein  und  nahm  den  Titel  Graf  von  N.=Katzenellnbogen
  an.  Sein  Neffe  Renatus
  erbte  1530  zu  den  niederländischen
Besitzungen  das  Fürstentum  Orange  in
Südfrankreich  und  hinterließ  es,  als  er
1544  kinderlos  starb,  seinem  Vetter  Wilhelm
  I.,  dem  Verschwiegenen,  dem  Sohn
Wilhelms  des  Reichen.  Wilhelm  I.  begründete
  die  alte  Linie  N.-Oranien,
welche  die  Erbstatthalterschaft  in  den  Niederlanden
  erwarb,  1688  auf  den  englischen
  Thron  kam,  aber  1702  erlosch.  1606
trennten  sich  von  N.-Dillenburg  die  Linien
N.-Siegen,  N.-Dietz  und  Neu-Hadamar
  ab.  Die  erstere  starb  1743  aus,
Neu-Hadamar  1711,  N.-Dillenburg  selbst
1739,  und  es  blieb  die  Linie  N.-Dietz
(Neu-Oranien  )allein  übrig.  Dieselbe
erhielt  1654  die  reichs  fürstliche  Würde
und  erbte  1702  nach  dem  Aussterben  der
alten  Linie  N.-Oranien  alle  Besitzungen
derselben  mit  Ausnahme  von  Orange,
Mörs,  Lingen,  Neuenburg  und  Valengin,
  welche  dem  König  Friedrich  I.  von
Preußen  zufielen.  Doch  ward  das  Fürstentum
  Orange  1713  an  Frankreich  abgetreten.


Wilhelm  IV.  Karl  Heinrich  Friso  vereinigte
  1743  alle  N.=  tonsschen  Lande
und  erhielt  1748  die  Erbstatthalterwürde
der  Vereinigten  Niederlande.  Sein  Sohn
Wilhelm  V.  legte  dieselbe,  da  die  Niederlande
  von  den  Franzosen  besetzt  waren,
  1795  nieder  und  erhielt  im  Frieden
  von  Lüneville  die  Abteien  Fulda  und
Korvei  zur  Entschädigung.  1  verlor
dessen  *  Wilhelm  die  Abteien
und  sogar  seine  nassauischen  Stammlande,
da  er  den  Eintritt  in  den  Rheinbund  ablehnte;
  er  wardaber  1815  als  Wilhelm  I.
zum  König  der  Niederlande  erhoben
und  für  die  in  Deutschland  verlornen

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