Full text: Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer Beziehung.

II. 6. Bekämpfung der Krankheiten. 121 
Insgesamt starben in den ıo deutschen Staaten, welche seit 1892 
an der Todesursachenstatistik beteiligt sind 1), von je 100000 Lebenden an Tu- 
berkulose 
1ER 2 22 2.2.2592 139 222222202 
183 . 2... 2605 100 22.2020. 2242 
184 20 DA 101 22.2.0. dl 
185 on 247.4 10 2. 2147 
1896 nn 237,2 108 . 208.4 
‘ 0) . . ® . 1904 oe 08.  [ .. 2 a . 
1898 . 2... 2188 PB 
Wie .die erstere der vorstehenden Zusammenstellungen zeigt und wie durch an- 
derweitige Statistiken ‚übereinstimmend erhärtet wird, beginnt ein steter Rückgang 
der Tuberkulosesterblichkeit gegen Ende der 8oer Jahre des vorigen Jahrhun- 
derts. Zeitlich schliesst sich diese Abnahme an zwei Ereignisse von einschneidend- 
ster Bedeutung für die Tuberkülosebekämpfung an: Die Entdeckun g des Tu-. 
berkelbazillus durch den damaligen Regierungsrat im Kaiserlichen Gesund- 
heitsamte, Dr. Robert Koch und die Einführung der Krankenversicherungs- 
gesetzgebung im Deutschen Reiche, 
Die der Reichsverwaltung im Kampfe gegen die Tuberkulose zufallenden 
Aufgaben sind von vornherein insofern begrenzte, als die praktische Durchfüh- 
rung ‘der Tuberkulosebekämpfung in erster Linie den einzelnen Bundesstaaten ob- 
liegt. Soweit es indes möglich war, ist die Reichsverwaltung bemüht'gewesen, gegen- 
über dieser verheerenden Seuche nicht allein anregend und fördernd, sondern möglichst 
auch schaffend vorzugehen. 
Als gegen die Mitte des letzten Jahrzehnts jene späterhin unter dem Namen der 
deutschen Heilstättenbewegung so. ausserordentlich volkstümlich gewordenen Be- 
strebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose allmählich festere Gestaltung ge- 
wonnen hatten, entbot am 2ı. Oktober 1895 der damalige Reichskanzler Fürst zu 
Hohenlohe-Schillingsfürst zufolge einer vom Gesundheitsamte ausgegangenen An- 
regung die in Betracht kommenden Persönlichkeiten zu sich zwecks Beratung, 
in welcher Weise der Ausbreitung der Lungentuberkulose durch Förderung der 
Heilstättenfürsorge und anderweitige Massregeln entgegen gearbeitet werden könne, 
Diese Verhandlungen führten zu dem Entschluss, auf dem Wege der Vereinigung 
aller im Deutschen Reiche auf die Begründung von Heilstätten gerichteten Bestre- 
bungen eine planmässige Besetzung des Reichsgebiets mit Lungenheilstätten her- 
beizuführen. Den Ehrenvorsitz des auf solche Weise gegründeten Deutschen 
Zentralkomitees zur Errichtung vonHeilstättenfürLungenkranke 
(jetzt Deutsches Zentral-Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose) übernahm der 
Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, den Vorsitz der damalige Staats- 
sekretär des Innern, Staatsminister Dr. von Bötticher, nach deren Ausscheiden aus 
dem Staatsdienst der Reichskanzler Fürst von Bülow und der Staatssekretär des 
Innern Staatsminister Dr, Graf von Posadowsky-Wehner an ihre Stelle traten. 
Eine zu Beginn des Jahres 1896 im Gesundheitsamte bearbeitete, den ın 'Be- 
tracht kommenden Staats- und Verwaltungsbehörden, den Reichs- und Landtags- 
abgeordneten zugestellte Denkschrift legte die gesundheitliche und soziale Be- 
deutung der Heilstättenfürsorge dar, welche selbst bei mässig gespannten Erwar- 
tungen voraussichtlich nicht ohne grossen volkswirtschaftlichen Nutzen bleiben 
würde, j , 
Dem von seiten des Deutschen Zentralkomitees im Frühjahr 1899 nach Berlin 
berufenen und unter starker Beteiligung des Auslands erfolgreich verlaufenen 
Kongresse zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit 
wurde in den Räumen des Reichstagsgebäudes gastliche Aufnahme gewährt. Des- 
gleichen wurden dem von dem genannten Komitee im Jahre 1903 geschaffenen 
1) Vgl. auch.S. 58.