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beschadet des Verkehrs hätte bestehen bleiben können. Hamburg, das
sich ja ın dieser Beziehung vor allen auszeichnet, hat auch nicht einen
einzigen alten Bau von Schönheit oder gar monumentaler Bedeutung,
nachdem das letzte gotische Haus, das sich in der Altstadt am „Neß“
erhalten hatte, im Jahre 1880 gesunken ist!). Schon mancher kunstverständige
Einwohner Hamburgs mag den in gewisser Weise unhistorischen
Sinn seiner Vaterstadt beklagt haben, in welchem diese in
einem völligen Gegensatz steht zu Städten wie Goslar oder Rothenburg
a. d. Tauber, die alle Spuren der Vergangenheit sorgfältig wahren,
„in denen es kein Fleckchen giebt, das nicht Poesie haucht, in denen
jeder Stein, jede Thür, jeder Erker und jede Wetterfahne etwas zu
erzählen hat“. Nur da, wo die Verkehrsbedingungen im alten Hamburg
bis heute im wesentlichen dieselben geblieben sind, an den Fleets, in
denen heute gerade so der Kleinverkehr herrscht, wie vor Jahrhunderten,
finden wir in den alten Handelshäusern im ganzen wenig würdige Zeugen
einer grauen Vergangenheit. Auch Bremen hat nur sehr vereinzelte
Reste mittelalterlicher Baukunst, wie den schönen Renaissancebau des
Rathauses und die Stufengiebel des Korn- und Essighauses. Ebenso
haben Kiel, Stettin und Königsberg im ganzen ein modernes Gewand
angezogen. Der Mangel an alten Bauten in der letzteren Stadt mag mit
veranlaßt sein durch die große Anzahl der Brände, von denen Königsberg
heimgesucht wurde.
Dagegen finden wir in Lübeck, Danzig, Rostock und Stralsund
noch reichlich wertvolle Ueberreste aus ihrer mittelalterlichen Glanzperiode,
und diese bestehen nicht nur in den öffentlichen Bauten, in
den Kirchen und Rathäusern, in den Innungshäusern und Thorbauten,
sondern es zeugen auch schöne Patrizierhäuser von dem Reichtum und
Kunstsinn ihrer Erbauer und Bewohner. Jetzt werden diese Ueberreste
der alten Zeit als Kostbarkeiten geschätzt, und nachdem sie die gefährliche
Periode der letzten Jahrzehnte überstanden haben, in der so
vieles Alte dem Neuen geopfert wurde, dürfte ihnen noch eine lange
Dauer bevorstehen.
Ja, man sucht sogar häufig den alten individuellen Charakter der
Stadt wieder zu verstärken, indem man die alte Bauweise bei den entstehenden
Neubauten zur Anwendung bringt, wobei man natürlich mit
dieser die neuzeitlichen Anforderungen an Hygiene und Komfort zu
verbinden sucht. Besonders aufgefallen ist uns diese Thatsache in
Rostock und Danzig.
Wenn man die Hauptunterschiede zwischen diesem mittelalterlichen
und dem neuzeitlichen Wohnhaus angeben soll, so sind es etwa folgende:
Das alte Haus hat eine geringe Breite, dafür aber große Höhe,
besonders ein sehr hohes und steiles Dach; in den meisten Fällen
(wenigstens in den hier betrachteten Städten) wendet es der Straße
eine Giebelseite zu, die reich verziert ist. Die hohen Giebel lassen
jedes Haus als eine Sonderexistenz, als ein Individuum erscheinen. Das
moderne Wohnhaus zeigt größere Breitenentwicklung und geringere
Höhe. Als Front ist fast immer eine Flankenseite ausgebildet. Nicht
!) Melhop, Histor. Topographie Hamburgs, 8.159.