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An Mannigfaltigkeit der Bodengestalt und an Größe der Hauptwasserader
wird das Neckargebiet vom Mainland übertroffen. Allerdings bleibt dieses hin-
sichtlich der Gunst der klimatischen Verhältnisse, der Vielseitigkeit des Erwerbslebens
und der Dichtigkeit der Besiedelung hinter jenem zurück.
Der Main entsteht aus dem Weißen Main, der vom Fichtelgebirge, und dem
Roten Main, der vom Fränkischen Jura kommt. Bei Kulmbach vereinigen sich die
beiden Quellflüsse; aber erst bei Bamberg, wo der Main die Regnitz empfängt, wird
er schiffbar. Von hier zweigt auch der Ludwigs-Donau-Mainkanal nach Süden
hin ab, der zuerst die Regnitz begleitet, dann bei Neumarkt in der Oberpfalz den
Jura auf niedriger Wasserscheide überquert, bei Dietfurt in die Altmühl mündet:
und so Rhein und Donau verbindet. Seine künftige Bedeutung hängt davon ab,
ob es gelingen wird, ihn zu einer Straße für die Großschiffahrt auszubauen.
Außer dem Maingrund, der sich in stark wechselnder Breite längs des viel-
gewundenen Hauptflusses von Osten nach Westen hin erstreckt, gehören diesem Ab-
schnitte des Schwäbisch-Fränkischen Stufenlandes im Süden der Taubergrund,
das vorwiegend von Ackern und Wiesen überdeckte Hügelland der Frankenhöhe,
der waldumhüllte Steigerwald (bis zu 500 m hoch) und die breite, vielfach sandige
Ebene der Regnitz an. Nördlich des Mains erheben sich die Haßberge, und
der zweite große Mainbogen umspannt das tiefgefurchte Sandstein-Plateau des
Spessart (600 m) mit seinem rauhen Klima, seinen wildreichen Wäldern und seiner
spärlichen Besiedelung. — Die gebirgigen Teile des Gebietes sind fast überall mit
Wald bestanden. Das Maintal weist breite Wiesengründe und fruchtbares Acker-
gelände auf, in denen, oft hinter Obsthainen halb versteckt, zahlreiche wohlhabende
Ortschaften verstreut sind. Berühmt sind die unterfränkischen Weine, die zum Teil
ebenbürtig neben denen des Rheingaues stehen. Wo Klima und Bodenbeschaffen-
heit den Obst- und Weinbau nicht ermöglichen, da wird neben dem Anbau von Ge-
treide und Futterpflanzen die Gärtnerei (bei Bamberg und Nürnberg), die Hopfen-
kultur (bei Spalt, längs der Pegnitz und der Aisch) und der Tabakbau (um Nürnberg
und Fürth) in ausgedehntem Maße betrieben. Und selbst die ärmlichsten Sand-
striche sind oft mit unsäglichem Fleiße mit Hafer und Kartoffeln bestellt oder mit
ausgedehnten Föhrenbeständen bedeckt.
An nutzbaren Mineralien ist das Mainland arm. Außer den Sandsteinbrüchen,
die man da und dort zerstreut findet, sind nur die Gipsgruben an der Aisch, die Ton-
lager bei Klingenberg und die Basaltbrüche am Rhöngebirge erwähnenswert. Umso
eifriger wandten sich die zahlreichen Bewohner des Gebietes dem Handel und den
Gewerben zu. So betreibt man am Obermain und im Vogtlande die Herstellung
von Weiß- und Wollwaren, bei Lichtenfels die Korbflechterei, in der Nürnberger
Gegend die Metallindustrie.
Unter den Gebirgen, die das Schwäbisch-Fränkische Stufenland umgrenzen,
nimmt das Gebiet des Deutschen Jura den breitesten Raum ein. Als ein
Gürtel von Plateauhöhen, deren breiter Scheitel öfters ausgewitterte Steinruinen
von seltsamen Formen trägt, zieht er in einem gewaltigen Bogen vom Rheindurch-
bruch bei Schaffhausen bis zum oberen Main hin. Gegen Süden und Osten geht
er allmählich in die vorgelagerten Hochflächen über, während er sich gegen das viel
tiefer gelegene Neckar- und Maingebiet hin in steilen Stufen hinabsenkt. Scharf
eingeschnittene, meist schmale Quertäler zerlegen das Gebirge in eine Reihe von