Full text: Bayerisches Realienbuch.

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Wörnißz, Altmühl und Pegnitz; hier endlich werden auch die meisten Mineralschätze des 
Gebirges verwertet, so im Schwabenjura die Olschiefer bei Reutlingen, die Eisenerze 
bei Aalen, im Frankenjura die berühmten Lithographieschiefer bei Soluhofen und 
die Eisenerze bei Amberg und bei Hollfeld. " 
Den Kern der oberfränkischen Bergwelt bildet das Fichtelgebirge. Vier 
der stattlichsten deutschen Mittelgebirge schließen sich ihm an: Erzgebirge, Böhmer- 
wald, Jura und Frankenwald. Vier Flüsse entspringen auf ihm: Main, Saale, Eger 
und Naab. Vier Volksstämme stoßen hier zusammen: Bayern, Franken, Sachsen 
und Böhmen. Es hat die Gestalt eines nach Nordosten geöffneten Hufeisens. Die 
Hauptmassen des Gebirges liegen im Westen, wo Ochsenkopf und Schneeberg 
eine Höhe von mehr als 1000 m erreichen. Dem Böhmerwald ist das Fichtelgebirge 
sowohl nach seinem landschaftlichen Aussehen als nach seiner wirtschaftlichen 
Bedeutung nahe verwandt. Auch hier besteht der Boden aus Granit und 
Gneis: auch hier ist das Klima 
rauh und der Wasserreichte 
infolge der reichen Niederschläge 
bedeutend. Ausgedehnte Wall 
dungen, die dem Gebirge seinen 
Namen gegeben haben, bedecken 
seine kuppelförmigen Höhen und 
geben Anlaß zu einer umfang- 
reichen Holzindustrie. An Mine- 
ralien werden Granit und Syenit 
sowie Porzellanerde (bei Selb) 
und etwas Eisenerz gewonnen. 
Daneben betreibt die Bevölkerung 
des Fichtelgebirges als Haus- 
industrie in weiten Bezirken die 
Leinenweberei, die Stickerei und Aus dem Fichtelgebirge. 
die Kunst des Klöppelns. Der 
Ackerbau ist wegen der Ungunst der Bodenverhältnisse sehr wenig ergiebig und 
erzeugt nur Hafer, Kartoffeln und Flachs. 
  
  
Der Frankenwald schließt sich dem Fichtelgebirge gegen Nordwesten hin an. 
Er gehört nur teilweise zu Bayern und bildet ein Tonschiefergebirge mit vielen 
parallel streichenden Zügen, deren Scheitelflächen sich plateauartig verbreitern. 
Der Holzreichtum des Gebietes bildet die Grundlage für die Flößerei, die namentlich 
in den gegen den Maingrund hin aufgeschlossenen Tälern schwunghaft betrieben 
wird. Daneben blüht die Fabrikation von Schiefertafeln und Griffeln, zu denen 
die zahlreichen Schieferbrüche (namentlich bei Lehesten und Gräfenthal) das 
Material liefern. 
Den Mittelpunkt des Handels im gesamten Frankenlande bildet Nürnberg 
(310 T.), der Kreuzungspunkt der Wege vom Main nach Böhmen, von den Rhein- 
landen nach Wien, vom Fichtelgebirge und dem Frankenwalde zur Donau. Nürn- 
berger Spielwaren, Bleistifte, Farben, Blech--, Leder- und Zuckerwaren haben 
Weltruf. Ebenso blüht dort die Fabrikation von Blattmetall, Eisenbahnwagen,