Full text: Von Potsdam nach Doorn.

Eines anderen Faktors erster Ordnung ist man sich in Deutschland erst 
sehr spät und auch dann zunächst nicht in vollem Umfang bewußt geworden: 
die führende Rolle, die gerade auch in dieser Frage das Judentum damals 
schon spielte; nicht anders wie heute: 
Für den Juden, in seiner Haupteigenschaft als Händler, Zwischenhändler, 
Spekulant und Geldverleiher, ist das Geschäft um so besser und vielseitiger, 
je mehr die Vermittlung des Güterverkehrs an sich für ihn abwirft. Der inter- 
nationale Jude verdiente mehr an einer Getreidemenge, die aus Argentinien 
oder auch aus Rußland nach Deutschland verkauft wurde, als wenn die 
gleiche Getreidemenge auf deutschem Acker wuchs. Ähnlich ging es mit allen 
Einfuhrprodukten oder Fabrikaten. Schützten aber Zölle den deutschen 
Getreidebau oder die Produkte deutscher Arbeit gegen das Eindringen aus- 
ländischer Konkurrenz, so waren die Zwischengewinne, die dem Zwischen- 
händler in die Tasche fließen, viel geringer, ebenso wie seıne Spekulations- 
möglichkeiten. Je größer das jüdische Geschäft, desto mehr wuchs die natio- 
nale Gefahr, daß die Wirtschaft eines Volkes die Füße vom heimischen 
Boden verliert und mit der Zeit immer ausschließlicher zum jüdisch ge- 
führten Handelsgeschäft auf internationalem ‚Boden‘ wurde. Später, in der 
Novemberrepublik, hat sich dieser Prozeß in fürchterlicher Anschaulich- 
keit bis beinahe zum Untergang der deutschen Wirtschaft abgespielt. 
* 
Wilhelm II. sprach in den neunziger Jahren das an sich richtige Wort: 
die Welt stehe im Zeichen des Verkehrs, und begeisterte sich in unmittel- 
barer Folgerung für das Wort: Weltwirtschaft. Er machte aber nicht den 
Unterschied: daß Deutschland sich zwar selbstverständlich aus der Welt- 
wirtschaft nicht heraushalten dürfe, noch könne, daß aber unter der deut- 
schen Verflechtung in die Weltwirtschaft die deutsche Heimatwirtschaft 
unter keinen Umständen Schaden haben dürfe. Diese Verkennung mußten 
die Landwirtschaft und der gewerbliche Mittelstand büßen. 
So wurde Caprivis ‚„rettende Tat‘ zur Ursache einer schweren und langen 
Krisis der Landwirtschaft und des Mittelstandes. Unvermeidlich wirkte sich 
diese Krise auch politisch aus: in verzweifelter, verbitterter Stimmung des 
Landvolks, nicht nur gegen den Reichskanzler, sondern auch gegen den 
Kaiser. Dieser seinerseits gab wiederholt seinem Zorn in stärksten Worten 
darüber Ausdruck, daß die Gutsbesitzer und Bauern und die sie vertretenden 
Politiker die Richtigkeit der kaiserlichen Politik nicht, wie es guten mon- 
archischen Untertanen zukomme, priesen und zufrieden und dankbar die 
rettende Ta: des Kunzlers anerkannten -ondern eine heftige, dauernde Agi- 
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