Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neunter Jahrgang. 1868. (9)

Preußen  und  der  norddeutsche  Bund.  55

meiner  Regierung  und  der  Landesvertretung  gelöst  oder  einer  baldigen  Lösung
entgegengeführt  worden  sind.  Ich  danke  Ihnen  für  die  Bereitwilligkeit,  mit
welcher  von  beiden  Häusern  des  Landtages  dem  Mehraufwande,  welchen  ich
zur  Aufrechterhaltung  der  Würde  der  Krone  in  Anspruch  genommen  habe,
die  Zustimmung  ertheilt  worden  ist.  Durch  den  Staatshaushalts-Etat  und
andere  von  Ihnen  gutgeheißene  Finanzgesetze  sind  meiner  Regierung  die
Mittel  gewährt,  die  Verwaltung  der  erweiterten  Monarchie  in  allen  Zweigen
ersprießlich  fortzuführen  und  mannichfache  außerordentliche  Bedürfnisse,  sowie
berechtigte  Wünsche  der  neuerworbenen  Lande  zu  befriedigen.  Meine  Regierung
  wird  es  als  ihre  Aufgabe  ansehen,  diese  Mittel  mit  Umsicht  und  Sparsamkeit
  zu  verwenden.  Die  zur  Linderung  des  Nothstandes  in  Ostpreußen
mit  Ihrer  Zustimmung  getroffenen  Anordnungen,  werden,  wie  ich  zuversichtlich
  hoffen  darf,  im  Vereine  mit  den  allseitigen  Erweisen  der  öffentlichen
Wohlthätigkeit  und  unter  der  bewährten  Fürsorge  meiner  Behörden  genügen,
um  die  nächsten  Gefahren  von  der  schwer  betroffenen  Provinz  abzuwenden.
Die  mit  Ihnen  vereinbarten  weiteren  Maßregeln  werden  dazu  beitragen,  jene
Landestheile  mehr  und  mehr  mit  dem  vaterländischen  Gesammtverkehre  in
Verbindung  zu  setzen  und  einer  hoffnungsvollen  Entwickelung  entgegen  zu
führen.  Eine  Reihe  wichtiger  Gesetzvorlagen  von  allgemeiner  oder  provinzieller
  Bedeutung  hat  Ihre  Zustimmung  erhalten.  In  Betreff  der  von  mir
erstrebten  Fortbildung  der  Verwaltungseinrichtungen  haben  in  dieser
Sitzungsperiode  nur  vorläufige  Erörterungen  innerhalb  der  Landesvertretung
stattfinden  können;  die  hierbei  geäußerten  Auffassungen  und  Wünsche  werden
bei  den  im  Gange  befindlichen  legislatorischen  Vorarbeiten  eingehende  Beachtung
  finden.  Durch  die  Bewilligung  des  Provinzialfonds  für  Hannover
haben  Sie  nicht  bloß  die  Rücksichten  der  Billigkeit  und  des  Wohlwollens,
von  welchen  meine  Entschließungen  den  neugewonnenen  Provinzen  gegenüber
geleitet  werden,  Ihre  Zustimmung  ertheilt,  sondern  zugleich  thatsächlich
den  Boden  betreten,  auf  welchem  nach  der  Absicht  meiner  Regierung  auch  für
alle  anderen  Provinzen  eine  erfolgreiche  Selbstverwaltung  erwachsen  soll.
Mit  Befriedigung  erkenne  ich  es  an,  daß  Sie  denjenigen  politischen  Gesichtspunkten
  und  Erwägungen  beigetreten  sind,  von  welchen  meine  Regierung  bei
dem  Abschlusse  der  Ausgleichungsverträge  mit  den  früheren  Landesherren  von
Hannover  und  Nassau  ausgegangen  ist.  Sie  haben  dadurch  auch  Ihrerseits
dazu  beigetragen,  den  neuen  Verhältnissen  eine  feste  Grundlage  zu  geben  und
ihre  friedliche  und  ruhige  Entwickelung  zu  sichern.  Meine  Regierung  ist  in
ihren  auswärtigen  Beziehungen  unausgesetzt  bestrebt  gewesen,  ihren  Einfluß
für  die  Erhaltung  und  Befestigung  des  europäischen  Friedens  zu  verwerthen,
  und  ich  kann  mit  Genugthuung  bekunden,  daß  diese  Bestrebungen,
da  sie  von  Seiten  der  auswärtigen  Regierungen  in  freundschaftlicher  und
wohlwollender  Gesinnung  getheilt  werden,  die  Bürgschaft  des  Erfolges  in  sich
tragen.  Ich  darf  daher  die  Zuversicht  aussprechen,  daß  das  fester  begründete
allgemeine  Vertrauen  für  die  Entwickelung  der  geistigen  und  materiellen
Güter  und  des  Wohlstandes  der  Nation  die  erwünschten  Früchte  tragen  werde.“

29.  Febr.  (Weimar).  Der  Landtag  erklärt  sich  mit  25  gegen  5  Stimmen
für  Abschaffung  der  Todesstrafe,  beschließt  völlige  Sicherung  der
Redefreiheit  für  seine  Mitglieder  und  beseitigt  die  bundestäglichen
Vereinsgesetze.

2.  März.  (Zollverein).  Erster  Zusammentritt  des  Zollbundesraths
zu  Berlin  unter  dem  Präsidium  des  nordd.  Bundeskanzlers.

2.3.    (Weimar).  Der  Landtag  beschließt,  in  Anerkennung  der  Dringlichkeit

  einer  durchgreifenden  Besoldungserhöhung  der  Staatsdiener,