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Nr. 159.
Rede des Herrn Ministerpräsidenten Rene Viviani, gehalten in
der Deputiertenkammer am 4. August 1914.
(Journal officiel vom 5. August 1914.)
Herr Ministerpräsident Rene Viviani: Meine Herren, der
deutsche Botschafter hat gestern Paris verlassen, nachdem er
uns den Kriegszustand angekündigt hatte.
Die Regierung schuldet dem Parlamente den wahrheitsgetreuen
Bericht über die Begebenheiten, die in weniger als
zelın Tagen den europäischen Krieg entfesseit und das friedliebende
und starke Frankreich gezwungen haben, seine Grenze
gegen einen Ueberfall zu verteidigen, dessen wohlberechnete
Plötzlichkeit die gehässige Ungerechtigkeit hervorhebt.
Dieser Ueberfall, den nichts zu entschuldigen vermag und
der begonnen hat, bevor ihn eine Kriegserklärung uns angekündigt
hatte, ist der letzte Akt eines Planes, von dessen Ursache
und Zweck ich vor unsrer Demokratie und vor der zivilisierten
Meinung zeugen werde.
Im Anschluss an das abscheuliche Verbrechen, das dem
Erzherzog-Thronfolger und der Herzogin von Hohenberg das
Leben gekostet hat, sind zwischen dem Wiener und dem Belgrader
Kabinett Schwierigkeiten entstanden.
Die meisten Mächte sind davon bis Freitag den 24. Juli
nur halbamtlich unterrichtet worden, an welchem Tage ihnen
die Öösterreichisch-ungarischen Botschafter ein Rundschreiben
zugestellt haben, welches in der Presse veröffentlicht wurde.
Dieses Rundschreiben sollte dazu dienen, ein am Vorabend
vom österreichisch-ungarischen Gesandten in Beigrad an Serbien
gerichtetes Ultimatum zu erklären und zu rechtfertigen.
Indem es die Mitschuld zahlreicher serbischer Untertanen
und Vereinigungen am Verbrechen von Serajewo darlegte, gab
dieses Ultimatum zu verstehen, dass sogar die offiziellen serbischen
Behörden jenem nicht fremd seien. Es verlangte bis
Sonnabend den 25. Juli, abend 6 Uhr, von Serbien eine Antwort.
Die verlangten Genugtuungen, oder wenigstens mehrere von
ihnen, verletzten unbestreitbar die Hoheitsrechte eines selbständigen
Staates. Trotz ihres übertriebenen Charakters erklärte