Full text : 180 deutsche Musteraufsätze.

e)  Baken:  Zeichen  für  gefährliche  Sandbänke,

d)  Bojen  oder  Tonnen:  Schwimmende  Hohlkörper,  Abzeichen
derselben.  «

Ausführung:

Die  Nordsee  ist  ein  von  den  Schiffern  sehr  gefürchtetes  Meer.
Die  vielen  ausgedehnten  Schlamm=  und  Sandbänke,  die  bei  der
Ebbe  entblößt  daliegen,  zur  Flutzeit  aber  ein  Tummelplatz  der
wilden  Wogen  werden,  sind  der  Schiffahrt  sehr  aschrlich,  Jedes
Zahr  geht  hier  eine  größere  Zahl  von  Schiffen  durch  Sturm  und

trandung  zugrunde.  Früher  waren  die  Schiffbrüchigen  fast
rettungslos  dem  Tode  preisgegeben.  Jetzt  sind  an  der  ganzen
Küste  umfassende  Einrichtungen  getroffen,  durch  die  ein  Stranden
des  Schiffes  nach  Möglichkeit  verhindert  wird.  Diesem  Zwecke  dienen
die  sogenannten  Seezeichen.  1

Die  Seezeichen  sollen  dem  Schiffer  teils  den  richtigen  Weg  zeigen,
teils  ihn  auf  gefährliche  Stellen  im  Meere  aufmerksam  machen.  Die
wichtigsten  unter  ihnen  sind  die  Leuchttürme,  die  Leuchtschiffe,  die
Baken  und  die  schwimmenden  Tonnen  oder  Bojen.

Am  deutschen  Meeresstrande  gibt  es  nicht  weniger  als  140  Leuchttürme,
  davon  etwa  100  an  der  Nordseeküste.  ir  finden  solche
überall  an  den  Mündungen  der  schiffbaren  Flüsse,  wie  der  Ems,
der  Weser,  der  Elbe  und  der  Eider,  sowie  auf  vielen  der  Friesischen
Inseln,  z.  B.  auf  Borkum,  Norderney,  Neuwerk  (vor  der  Elbmündung),
  Sylt  und  Helgoland.  Es  sind  feste,  meist  aus  Steinen  oder
Eisen  erbaute  Türme  von  20—40  oder  auch  noch  mehr  Meter  Höhe.
Auf  einer  Wendeltreppe,  die  im  Lern  angebracht  ist,  steigt  man
hinauf.  In  ihrem  höchsten  Teile  sind  mächtige  Lampen  angebracht,
deren  Licht  bei  Nacht  durch  dahinterstehende  Hohlspiegel  weit  auf
das  Meer  hinaus  geworfen  wird.  Statt  der  früher  gebräuchlichen
Ol=  und  Petroleumlampen  verwendet  man  jetzt  meist  elektrisches
Licht.  Die  euchtfeuer  der  Türme  künden  dem  Schiffer  an,  daß  er
sich  in  der  Nähe  des  Landes  befindet  und  also  auf  der  Hut  sein  muß;
sie  zeigen  ihm  aber  auch  an,  an  welcher  Stelle  der  Küste  er  angekommen
  ist.  Jeder  Turm  einer  Küstenstrecke  hat  nämlich  ein  besonderes
  Licht,  wodurch  er  sofort  erkennbar  wird.

An  gefährlichen  Stellen,  wo  keine  Leuchttürme  erbaut  werden
können,  hat  man  eiserne  Leucht=  oder  Feuerschiffe  mit  schweren
Ketten  verankert.  Diese  Schiffe  haben  gewöhnlich  1—3  Masten,
deren  jeder  mit  einer  festen  oder  drehbaren  Leuchte  versehen  ist,
und  finden  besonders  an  Flußmündungen  Verwendung.  In  und  vor
der  Mündung  der  Elbe  liegen  ihrer  sechs,  ebensoviele  vor  der  Wesermündung
  und  dem  Jadebusen,  vor  der  Eidermündung  zwei.  Wie
auf  jedem  Leuchtturme,  so  ist  auch  auf  jedem  Feuerschiffe  ein  Wächter,
dem  die  Unterhaltung  des  Feuers  obliegt.  Da  bei  starkem  Regenwetter
oder  dichtem  Nebel  Leuchtfeuer  nur  auf  kurze  Entfernungen  zu  sehen
sind,  so  werden  auf  manchen  Leuchttürmen,  besonders  aber  auf  den
Feuerschiffen,  auch  hörbare  Warnungszeichen  gegeben,  und  zwar  durch
weithin  tönende  Nebelhörner  oder  Dampfpfeifen  oder  auch  durch
große  Metallbecken,  die  mit  hölzernen  Klöppeln  geschlagen  werden.