Vortrag des Lyrischen. 217
Giftig.)
Thusnelden wolltest du die Haare scheren,
Und deiner Kaiserin zum Schmuck nach Rom sie senden?
Doch zu der wilden Bärin hat man dich
Verräter hingelockt und eingesperrt.
Ach wie die Borsten, Liebster, schwarz und starr
Der Livia, deiner Kaiserin, werden stehen,
Wenn sie um ihren Nacken niederfallen.
Statthalter von Cheruska grüß' ich dich,
Das ist der mind'ste Lohn, du treuer Knecht,
Der dich für die Gefälligkeit erwartet!
Grxonisch.)
In Euch, Mylord, erkenn' ich meinen Meister,
Denn solchen Sieg, als Eure Redekunst
Erfocht, hat meine nie davon getragen. —
Die Königin hättet Ihr nach Fotheringhay
Geführt? Nicht doch! Ihr habt die Königin
Nicht hingeführt, die Königin war es,
Die so gefällig war Euch hinzuführen! —
Die edle Person,
Die Ihr die Königin dort spielen ließet!
Der herrliche Triumph, den Ihr der arglos
Vertrauenden bereitet!
Das also ist die Großmut und die Milde,
Die Euch im Staatsrat plötzlich angewandelt?
Darum ist diese Stuart ein so schwacher,
Verachtenswerter Feind, daß es der Müh
Nicht lohnt mit ihrem Blut sich zu beflecken!
Ein feiner Plan! Fein zugespitzt! Nur schade —
Zu fein geschärfet daß die Spitze brach! —
Ihr werdet doch mit der Hochzeit nicht so eilen daß man sich
noch ein Kleid kann dazu sticken lassen?
Daß er die Sachen gestohlen hat kann man gerade nicht sagen,
sondern als wir von Nürnberg weggingen ist er uns nur damit nicht
nachgekommen. Es war sonst ein ganzer Mensch, er konnte frisieren,
parlieren und scharmieren. —
Er ist auf der Festung, der Jäger! Freilich jagt er da nicht, er
karrt — aber nur auf drei Jahre. Er machte ein kleines Komplott
unter des Herren Compagnie und wollte sechs Mann durch die Vorposten
bringen. Ist aber sonst ein tüchtiger Kerl! Ein Jäger, der
fünfzig Meilen in der Runde durch Wälder und Moräste alle Schleiswege
kennt. Und schießen kann er!