I. Europa. 769 50. Portugal.
kann das Vorrecht des Königs nur auf vorherigen Antrag einer der gesetzgebenden
Körperschaften ausgeübt werden.
8. Er gewährt in dringenden Fällen Amnestie, und zwar so, wie es Menschlichkeit
und Staatswohl anraten.
Kapitel II Die vollziehende Gewalt.
Art. 75. Der König ist der Chef der vollziehenden Gewalt und übt sie unmittelbar
durch seinen Staatsminister aus. Ihre besonderen Befugnisse sind:
1. Alle vier Jahre die neuen allgemeinen Cortes in der seit Bestehen der Legislaturperiode
gewöhnlichen Weise im Königreich Portugal zum 2. März und in den
Kolonien ein Jahr vorher zusammenzurufen,
2. die Bischöfe zu ernennen und die geistlichen Pfründe zu bestimmen,
3. die Behörden zu ernennen,
4. die zivilen und politischen Ämter vorzusehen. Die Befehlshaber der Landund
Seemächte zu ernennen und abzusetzen, wenn es das Staatswohl fordert,
6. die Gesandten und sonstigen politischen und Handelsagenten zu ernennen,
7. die politischen Geschäfte mit den andern Nationen zu erledigen,
8. Verteidigungs-, Angriffs, Schutz- und Handelsbündnisse abzuschließen
und deren Abschluß zur Kenntnis der allgemeinen Cortes zu bringen, wenn es Staatsinteresse
und Sicherheit gestatten. Wenn die zur Friedenszeit abgeschlossenen Verträge
eine Abtretung oder einen Wechsel des Gebietes des Königreichs betreffen
oder sich auf Besitzungen beziehen, über die der König zu Recht verfügen kann, dann
brauchen sie nur dann ratifiziert werden, wenn die allgemeinen Cortes sie angenommen
haben,
9. er erklärt Krieg und schließt Frieden und macht dabei der Versammlung
diejenigen Mitteilungen, welche im Interesse der Staatssicherheit zu machen sind.
10. er gewährt die Naturalisationsurkunden in der vom Gesetz vorgeschriebenen
Form,
11. er erteilt Titel, Ehrenämter, militärische Auszeichnungen, Belohnungen
für die dem Staate geleisteten Dienste, wobei er die Geldentschädigungen zur Gewährung
den Körperschaften unterbreitet, es sei denn, daß es sich um solche handelt,
die schon von Gesetzes wegen festgelegt oder bestimmt sind,
12. er erläßt Entscheidungen, Aufträge und die für die entsprechende Ausführung
der Gesetze nötigen Befehle,
13. er entscheidet über die Verwendung des von den Cortes für die verschiedenen
Zweige der öffentlichen Verwaltung gewährten Fonds,
14. er gewährt oder verweigert das Placet (Beneplacito) bezüglich der Konzilienbeschlüsse
oder apostolische Briefe oder sonstigen kirchlichen Beschlüsse,
wenn sie nicht der Verfassung widerstreiten unter dem Vorbehalt der voraufgegangenen
Genehmigung der Cortes, wenn diese Beschlüsse allgemeine Bestimmungen
enthalten,
15. er sorgt für alles, was sich auf die innere und äußere Sicherheit des Staates
bezieht, wobei er sich streng an die Verfassung hält.
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