Beutsches Reich. (Oktober 6.) 855
einsetzt, eine Bewegung, die im ganzen Volke den ganzen Betrug offenbart,
der durch eine nichtdeutsche Presse hervorgerufen worden ist. Genau wie
die Northcliffe-Presse das Ausland mit verlogenen Schlagworten über die
wahre Gesinnung Deutschlands versieht, hat jahrelang eine deutsche Presse,
die der Northeliffe-Presse würdig an der Seite steht, mit demselben Sprachschatz
den deutschen Michel an der Nase herumzuführen und den Blick von
den Dingen abzulenken versucht, die seinen Zorn erregen mußten. Man
fürchtet, daß der Furor teutonicus durch die Vaterlandspartei wieder aufgeweckt
werden könnte. Am 4. Aug. wurde diesen internationalen Machenschaften
der plutokratisch-internationalen Presse auf einmal der Boden
entzogen, und dieser Furor war erwacht. Die Arbeiterschaft befreite sich
auf einmal von dem Einfluß, den die Führer auf sie ausübten. Das hat
sich leider geändert. Der Bogen ist aber überspannt worden, und die
Gegenwirkung entstand in der Volksseele. Keine einzige Partei hat bei der
Gründung der Vaterlandspartei mitgearbeitet. Ich begreife die Sorge der
internationalen Geldsackpolitiker über dieses Aufflackern des Deutschtums
in der Vaterlandspartei. Es ist in einer Weise gegen das nationale Empfinden
eine Agitation betrieben worden, daß es die höchste Zeit war, daß etwas dagegen
geschieht. Keiner von ihnen hat doch einmal den Verzichtsfrieden in
seinen Konsequenzen klar dargelegt. Mit einer solchen Vogelstraußpolitik
werden wir unserem Volke nicht helfen. Wir sind überzeugt, ehe man uns
den Gegenbeweis erbringt, daß ein solcher Friede Not und Elend über unser
Volk bringen muß. Deshalb ist es kein Schlagwort, wenn wir ihn einen
Hungerfrieden nennen. Es geht in diesem Kampfe um Sein oder Nichtsein.
Es muß sich zeigen, ob wir oder England obsiegen. Deshalb muß die
Sache durchgefochten werden. Es ist ein bitteres Unrecht am deutschen
Volke, wenn man ihm Friedenshoffnungen vorgaukelt und ihm sagt, wir
könnten einen Frieden haben, wenn wir nur nicht diese Ueberannexionisten
hätten. Einen solchen Frieden können wir nicht haben, wenn wir nicht
durchgehalten haben. Im vorigen Jahre reiste Scheidemann gewissermaßen
als Karallerie im Lande umher. In diesem Jahre ist es Erzberger,
der gewissermaßen als Artillerist diese Kampfestätigkeit im Lande
weiter fortsetzt und große Beunruhigung im Lande hervorgerufen hat.
Später soll dann die Reichtagsmehrheit als Infanterie kommen. Die
Reden Erzbergers mußten im Volke eine große Beunruhigung hervorrufen,
gegen die einzuschreiten sich Generalfeldmarschall von Hindenburg
genötigt gesehen hat. Sie behaupten nun, daß die Agitation der Vaterlandspartei
und der Alldeutschen sich gegen die Reichstagsmehrheit und
die bekannte Reichstagsresolution richtet. Woraus besteht denn die
Mehrheit vom 19. Juli? Diese Mehrheit ist hervorgegangen aus den
Wahlen von 1912, die unter dem Zeichen der Finanzreformhetze stand.
Die fortschrittlichen Mitglieder dieser Mehrheit sind alle, Mann für Mann,
auf Krücken von rechts her in den Reichstag gekommen. Können Herren
wie Graf Praschma und Scheidemann wirklich eine kompakte Mehrheit bilden?
Diese Mehrheit ist eine Seifenblase, die vor jedem Hauch zerplatzt. Die
Resolutionspolitik, die diese Mehrheit getrieben hat, hat ihr Ansehen im
Volke wahrlich nicht gehoben; unendlich viele Tausende an der Front, nicht
etwa nur Offiziere, denken über diese Mehrheit nicht anders; unendlich viele
sähen es lieber, wenn die Mitglieder dieser Mehrheit doch einmal 4 oder
6 Wochen im Schützengraben zubrächten und dort die wahre Stimmung
des Heeres kennen lernen würden. Diese Stimmung sollten die Herren
von der sog. Mehrheit nicht unterschätzen. Gerade jetzt wieder stehen unsere
Feldgrauen im heißesten Toben der Flandernschlacht, da sollte man ihnen
nicht die Stimmung durch solche Anklagen erschweren, wie sie die Inter-