Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1881. (15)

Uebersicht  der  Ertignisse  des  Jahres  1867.  493

machte.  Unter  dem  20.  Februar  wandte  er  sich  durch  eine  Depesche  Lurem—
.  .  ....  .  burg.
seines  Gesandten  in  Paris  an  die  französische  Regierung,  um
Holland  als  von  Preußen  bedroht  zu  schildern,  indem  dieses  „sich  auf
eine  gewisse  Nacegemeinschaft  und  auf  die  geographische  Lage
der  Niederlande  stützen  könnte,  um  eine  exceptionelle  Stellung  zu
denselben  zu  wünschen  und  cine  intime  Allianz  herbeizuführen,  deren
Resultat  die  Vervollständigung  seines  Handels=  und  Militärsystems
besonders  vom  maritimen  Standpunkt  wäre“  und  zu  wissen  wünschte,
was  Frankreich  in  einem  solchen  Falle  zu  thun  gedächte.  Frankreich
  verstand  den  Wink  und  ging  schon  unter  dem  28.  Februar
darauf  ein,  indem  es  seinen  Gesandten  im  Haag  beauftragte,  die
Räumung  der  Festung  Luxemburg  von  Seite  Preußens  zu  betreiben,
und  die  förmliche  Abtretung  des  Großherzogthums  an  Frankreich  anzuregen.
  Im  Grunde  mochte  sich  Deutschland  über  den  dergestalt
eingeleiteten  Handel  nicht  wundern,  obgleich  der  König  von  Holland
einem  deutschen  Fürstengeschlechte  entstammt  und  der  Enkel  großer
Ahnen  ist.  Holland  hat  sich  seit  der  Gründung  des  deutschen
Bundes  und  obgleich  sein  König  als  Großherzog  von  Luxemburg  ein
Glied  desselben  war,  gegen  Deutschland  von  jeher  und  zumal  in
der  Rheinzollfrage  durchaus  feindselig  erwiesen  und  nicht  ohne  Grund
mochte  ihm  jetzt  der  Gedanke  aufdämmern,  daß  die  Lage  eine  total
andere  geworden  sei  und  daß  Preußen  an  der  Spitze  des  norddeutschen
  Bundes  und  getragen  von  einer  activen  öffentlichen  Meinung
eine  ähnliche  Haltung  fortan  vielleicht  nicht  ebenso  geduldig  hinnehmen
  würde,  wie  sie  der  alte  Bundestag,  der  sich  um  die  öffentliche
  Meinung  gar  nicht  kümmerte,  hingenommen  hatte;  überdieß
brauchte  der  König  Geld  und  war  vielleicht  von  seiner  nächsten  Umgebung
  aufgestachelt  worden,  Preußen  diese  Schwierigkeit  zwischen  die
Füße  zu  werfen.  So  kam  denn  schon  unter  dem  20.  oder  21.  März
ein  Einverständniß  zwischen  Frankreich  und  Holland  zu  Stande,  durch
welches  das  Ländchen  Luxemburg  mit  sammt  der  Festung,  natürlich
gegen  Entschädigung,  durch  einen  förmlichen  Vertrag  an  Frankreich
abgetreten  werden  sollte,  der  nur  noch  der  Natification  beider  Souveräne
  bedurfte.  Daß  Preußen  nicht  ohne  weiteres  darein  willigen
und  die  Festung  räumen  werde,  daß  es  dieß  mit  Rücksicht  auf  die
Lage  der  Dinge  in  Deutschland  überhaupt  nicht  leicht  könne,  lag  auf
der  Hand,  wobei  es  ganz  dahin  gestellt  bleiben  mag,  ob  die  Festung