Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1881. (15)

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(Nr.  1442.)  Gesetz,  betreffend  die  Bezeichnung  des  Raumgehaltes  der  Schankgefäße.  Vom
20.  Juli  1881.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Deutscher  Kaiser,  König

von  Preußen  rc.

verordnen  im  Namen  des  Reichs,  nach  erfolgter  Zustimmung  des  Bundesraths
und  des  Reichstags,  was  folgt:

§.  1.

Schankgefäße  (Gläser,  Krüge,  Flaschen  rc.),  welche  zur  Verabreichung  von
Wein,  Obstwein,  Most  oder  Bier  in  Gast-  und  Schankwirthschaften  dienen,
müssen  mit  einem  bei  der  Aufstellung  des  Gefäßes  auf  einer  horizontalen  Ebene
den  Sollinhalt  begrenzenden  Strich  (Füllstrich)  und  in  der  Nähe  des  Strichs
mit  der  Bezeichnung  des  Sollinhalts  nach  Litermaaß  versehen  sein.  Der  Bezeichnung
des  Sollinhalts  bedarf  es  nicht,  wenn  derselbe  ein  Liter  oder  ein  halbes  Liter
beträgt.

Der  Strich  und  die  Bezeichnung  müssen  durch  Schnitt,  Schliff,  Brand
oder  Aetzung  äußerlich  und  in  leicht  erkennbarer  Weise  angebracht  sein.

Zugelassen  sind  nur  Schankgefäße,  deren  Sollinhalt  einem  Liter  oder  einer
Maaßgröße  entspricht,  welche  vom  Liter  aufwärts  durch  Stufen  von  ½  Liter,  vom
Liter  abwärts  durch  Stufen  von  Zehntheilen  des  Liters  gebildet  wird.  Außerdem
sind  zugelassen  Gefäße,  deren  Sollinhalt  ¼  Liter  beträgt.

§.  2.
Der  Abstand  des  Füllstrichs  von  dem  oberen  Rande  der  Schankgefäße  muß
a)  bei  Gefäßen  mit  verengtem  Halse,  auf  dem  letzteren  angebracht,  zwischen
2  und  6  Centimeter,
b)  bei  anderen  Gefäßen  zwischen  1  und  3  Centimeter
betragen.

Der  Maximalbetrag  dieses  Abstands  kann  durch  die  zuständige  höhere  Verwaltungsbehörde
  hinsichtlich  solcher  Schankgefäße,  in  welchen  eine  ihrer  Natur
nach  stark  schäumende  Flüssigkeit  verabreicht  wird,  über  die  vorstehend  bezeichneten
Grenzen  hinaus  festgestellt  werden.

§.  3.
Der  durch  den  Füllstrich  begrenzte  Raumgehalt  eines  Schankgefäßes  darf
a)  bei  Gefäßen  mit  verengtem  Halse  höchstens  ½%
b)  bei  anderen  Gefäßen  höchstens  0,3 %
geringer  sein  als  der  Sollinhalt.