238 Ersßbritannien. (März 19.— April 6.)
19. März. (Dartford.) Selborne über die Lage in Südafrika.
Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl von Selborne, hält
auf der Jahresversammlung der National-konservativen Liga in Dartford
eine Rede über die Verhältnisse in Südafrika und sagt, daß die Regierung
in erster Linie gewillt sei, die Verpflichtungen, welche sie in der Londoner
Konvention übernommen habe, zu respektieren, aber daß sie der Ansicht sei,
daß in gleicher Weise die Rechte Englands respektiert werden müßten. Die
ganze Politik der Regierung ließe sich dahin zusammenfassen, und sie wünsche
es Transvaal wie der ganzen Welt bekannt zu machen, daß in Süd-Afrika
die Königin die vorherrschende Macht habe und behalten müsse.
29. März. (Unterhaus.) Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen,
Curzon, charakterisiert die Lage auf Kreta folgendermaßen:
Am 7. Märzgseieine Depesche des Admirals eingelaufen, die besagte, daß
infolge wiederholter Angriffe der Aufständischen, deren Geschütze sich nunmehr
auf vorgeschobenen Posten, die Kanea beherrschen, befänden, die Admirale
beschlossen hätten, die Aufständischen als Feinde zu behandeln und baldige
weitere Truppensendungen von ihren Regierungen zu verlangen, um der
Stadt einen wirksameren Schutz gewähren zu können. Einem weiteren
Vorschreiten der Aufständischen müsse Einhalt gethan werden. Es herrscht
große Beunruhigung in der Stadt Kanea, woselbst die Flüchtlinge bereits
durch Hungersnot und Krankheiten bedroht seien. Am selben Tage habe
der Admiral gemeldet, es werde berichtet, daß Oberst Vassos die Warnung
der Admirale erhalten und durch den Befehl zur Einnahme des Blockhauses
erwidert habe. Am 28. März sei eine weitere Meldung des Admirals
eingelaufen, daß die Insurgenten im Verfolge des gegen das Blockhaus
von Malaxa errungenen Erfolges einen Angriff auf ein stark verschanztes
Fort unternehmen, das die Türken rückwärts von der Sudaspitze
besetzt hielten, und daß der allgemeine Zustand auf Kreta der sei, daß
Oberst Vassos offenen Krieg gegen die Großmächte erklärt habe.
4. April. (Southport.) Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen,
Curzon, entwickelt die Notwendigkeit für England im
europäischen Konzert zu bleiben und die Integrität der Türkei
gegen einseitige Bedrohungen zu schützen.
5. April. Das Unterhaus verwirft mit 227 gegen 186
Stimmen einen Antrag auf Einführung des Achtstundentages für
die Bergarbeiter.
6. April. (Unterhaus.) Debatte über die Einfuhr von
Lebensmitteln und Zollfragen.
Seton Karr lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Abhängigkeit
Englands von der fremden Einfuhr der Lebensbedürfnisse und
die hieraus möglicherweise entstehenden Folgen. Er befürwortet die Einführung
eines Zolles auf Weizen sowie die Errichtung staatlicher Getreidespeicher.
— Der Erste Lord des Schatzes Balfour erklärt, alle Redner
billigten den Antrag Seton-Karrs; über die Abhilfsmittel gingen die Ansichten
weit auseinander; einige wollten Schutzzölle, andere seien absolut
dagegen. Die Schutzzölle würden vom Volke nicht gebilligt. Die Ein-