Beginn des Herbstfeldzuges. Katzbach, Dresden, Kulm, Großbeeren, Dennewitz. 479
schlug das Korps des Marschalls Macdonald, das Napoleon zurückgelassen hatte,
in der Schlacht an der Katzbach am 26. August so gründlich, daß es auf dem
Rückzuge fast in Auflösung geriet.
Inzwischen hatte die böhmische Armee mit 180 000 Mann einen Vorstoß
gegen Dresden gemacht, das Napoleons Hauptstützpunkt war; aber sobald man
sichere Kunde davon hatte, daß Napoleon zurückgekehrt sei und daß man ihn selbst
mit der Hauptmacht vor sich habe, wurde der Plan, Dresden zu erobern, aufgegeben,
um eine Hauptschlacht zu vermeiden, am 26. August. Indessen, was
nur ein Rückzugsgefecht hatte werden sollen, entwickelte sich durch das energische
Zugreifen Napoleons am 27. August dann doch zu einer großen Schlacht, in der
Napoleon mit seinen 120 000 Mann einen entschiedenen Sieg erfocht, der den
Verbündeten allein an Gefangenen 13 000 Mann kostete und sie zwang, über die
Pässe des Erzgebirges nach Böhmen zurückzugehen. Zum Glück für die Verbündeten
wurde der moralische Eindruck dieser Niederlage dadurch abgeschwächt,
daß das Korps des Marschalls Vandamme, das der weichenden Armee in den
Rücken geschickt war, um sie abzuschneiden, am 29. und 30. August bei Kulm und
Nollendorf vernichtend geschlagen und fast völlig aufgerieben wurde. Hier hat
General Kleist, dessen Generalstabschef Grolman war, mit dem preußischen
Korps den Sieg entschieden. Immerhin hatte Napoleon durch die Schlacht bei
Dresden seine Stellung in Sachsen siegreich behauptet, und die geschlagene böhmische
Armee wagte lange nicht aus den Pässen des Erzgebirges hervorzukommen,
um in energischer Angriffsbewegung vorwärts zu gehen.
Gegen die Nordarmee sind zwei Offensivvorstöße mit dem Ziele der Einnahme
Berlins von Napoleon angeordnet worden. Beide sind abgeschlagen
worden von dem preußischen Korps unter Bülow, dessen Genecralstabschef Boyen
war. Am 23. August wurde der Marschall Oudinot von Bülow bei Großbeeren
geschlagen, während Bernadotte selbst an dem Kampfe nicht teilnahm und erst
vorrückte, nachdem seine Befürchtungen wegen eines Flankenangriffs von Magdeburg
her durch die Niederlage beschwichtigt waren, die ein von dort entsandtes
französisches Korps am 27. August bei Hagelberg durch eine preußische Landwehrdivision
erlitten hatte. Der zweite Vorstoß endete am 6. September mit
der Niederlage des Marschalls Ney bei Dennewitz durch Bülow und Tauentzien;
auch diesen Sieg haben in der Hauptsache die Preußen erfochten, während
Bernadotte mit russischen und schwedischen Truppen erst gegen Abend eingreifen
konnte, als der Feind bereits im Abzug begriffen war.
Napoleon selbst stand mit der Hauptmacht unbezwungen bei Dresden in
einer die Elblinie beherrschenden Stellung und bereit, im gegebenen Moment
wieder zu einem Offensivstoß vorzubrechen. Für die Verbündeten handelte es
sich nun darum, daß die drei Armeen mit dem konzentrischen Angriff ernst
machten und sich in Verbindung miteinander setzten, um ihm näher auf den
Leib zu rücken. Im Hauptquartier der böhmischen Armee entstand der Plan, daß
Blücher mit dem größten Teil seiner Armee links abmarschieren und die Verbindung
mit eben dieser Hauptarmee gewinnen sollte. Aber König Friedrich
Wilhelm III. stellte seinem erfolgreichen Feldherrn die Entscheidung frei; und
ein Plan Gneisenaus, den Blücher unterstützte, und der schließlich auch im Hauptquartier
der großen Armee angenommen wurde, führte zu einer ganz anderen
Bewegung, die dem Feldzuge die eigentlich entscheidende Wendung gegeben hat.