Contents : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

301  scheiteln  —  Schelle.

vertical:  gestirne  die  .  in  scheitelrechter  bahn  zerschmeiternd
  sich  beruhren  Schiller  Karl.  1,  2;  einen
mörser  scheitelrecht  richten  Adelung.

Scheiteln,  einen  Scheitel  machen:  scheitclen,  sfun-Fere
  comas  Schottel;  Aschenhrödel  soll  mir  gleich
dus  hnar  scheitein  Grabbe  1,  16;  stirn,  uher  der  sie
die  hnnre  schr  sauber  gescheitelt  hatte  Eichendorff
Taugen.  127;  refl.:  mitten  auf  dem  kopfe  scheiteln
sich  lie  baare  von  selbst  Campe.

Scheiten,  in  Scheite  hauen,  spalten;  mhd.  schiten
als  starkes  Verbum,  fpäter  mit  schwachen  Formen:
dissindere  von  einander  klicben  o.  schyten  Dies.;
holz  scheiten.  ligna  consficere  Maaler;  oberdeulsch
noch  lebend;  von  der  Arbeit  des  Spechtes:  die  spechte
scheiteten  eintönig  im  wald  Heyse  1,  246;  schwäbisches
Sprichwort:  ist  ein  gueter  mensch,  läszt  holz  auf  sich
scheiten  Schmeller.  —  scheitern,  in  älterer  Spr.
Scheiter  machen,  spalten:  scheidern,  scheitern,  na
sindere,  scindere  Frisch  (aus  Quellen  des  16.  JU.);
scheiteren  secare,  dissccare  Schottel;  half  den  kolern
holz  scheitern  und  tragen  Wickram  Goldf.  T  32;
übertragen  in  zerscheitern  —  zertrümmern,  vernichten:
wird  ju  zuscheittern  Mattb.  24,  10;  ich  wil  deine  rosse
und  reuter  2zerscheitern  Jer.  51,  21;  —  in  jüngerer
Spr.  passiv,  —  in  Stücke  gehen,  zertrümmert  werden
(nach  der  Fügung  zu  scheitern  gehen,  vgl.  unter  scheit,
herausgebildet),  zuerst  bei  Stieler,  vom  Schiff:  das
schiln  scheitert,  nouis  naufragium  facit,  dann  auch
persönlich,  in  gleichem  Sinne:  er  hat  gesebeidtert.
naris  illi  in  mari  comfracka  est  Steinbach;  seit
18.  Ih.  die  alleinige  Bed.  des  Verbums:  verirret  sich
das  kranke  schiff  und  scheitert  Uz  l,  96;  ich  machte
eine  fahrt  nach  Ostindien  mit,  mein  schiff  scheiterte
an  klippen  Schiller  Räub.  3,  2;  vielfach  übertragen,
von  Personen:  indesz  ich  scheitre,  wo  ich  mich  vermasz
  Grillparzer  7,  64;  deklamazion  ist  immer  die
erste  klippe,  woran  unsere  mehreste  schunspicler  scheitern
  gehen  Schiller  2,  347;  mit  dinglichem  Subj.:
die  verborgenen  klippen  .  .  un  denen  dic  stolze  vernunft
  schon  gescheitert  hat  1,  31;  der  anschlag,  das
vorhuben  ist  gescheitert  Adelung;  vor  diesen  wiüllen
zuerst  scheiterten  die  angriffe  der  Spanier  Ranke
Päpste  2,  70;  woran  scheiterten  diese  unterhandlungen?
Bismarck  Red.  3,  129;  im  fubstantiven  Inf.:  es  käme
zum  scheitern  der  verhandlungen  38.

Schel,  j.  scheel.

Schelfe,  f.  Hülse,  düinne  Schale  an  Früchten;  ahd.
seclira.  mhd.  schelte.  Weiterbildung  zu  schale  (.  d.),
in  nächster  Beziehung  zu  mund.  schelver.  abgeblättertes
Stück,  vielleicht  auch  in  Verwandtschaft  zu  schilf;  qusquiliac
  schelf  neben  schelfet  und  scheift  Dief.;  kesko
de  pomo  ein  sehelf  o.  ein  duppen  ebd.;  schelfe,  nukamen,
  was  abgeschelet  ist  Schottel;  schelfe  unb
schilfe,  corler,  piutamen  Stieler;  man  tritt  den
Wahren  kern,  und  süttigt  sich  an  schelsen  Günther
504;  jetzt  noch  landschaftlich,  befonders  von  Obst--,
Nuß-,  Kartoffelschalen;  felten  von  Krebfen:  die  krebsz
essen,  welche  von  wenig  speis  wegen  vil  schelfen  und
kruspien  muchen  Frölich  Stob.  416.  —  schelfen,
Schale  abziehen  Stieler  (neben  schilfen);  dafür
scheljern,  refl.,  sich  in  Blättern  oder  Schalen  absondern:
die  ham  sehellert  sich  Adelung.

Schellack,  m.  Lack  in  Form  von  dünner  Schale,  Lack
in  dünnen  Täselchen:  schalenlnck,  schellluck,  als  Art
des  Gummilacks  Jacobsson.

Schelle,  1.  schallendes,  klingendes  Gerät,  ahd.  scella,
mhd.  schelle;  in  verschiedener  Ansbildung  des  Begriffs;
I)  kleine  Glocke,  Klingel:  eanpanula,  nola,  tintinnabului
  schellc.  schell,  schal,  schcelle.  schel  Dief.;  im
Mittelalter  häufig  als  Musikinstrument,  Zierde  an
Kleidern  und  Rüstzeug:  dich  lobent  diu  psalteria,  die
schellun  unt  diu  organa  Minnes.  2,  360-;  da  der  ermel

302

an  daz  mnoder  güt,  alumhe  und  umbe  was  din  nũt
behangen  wol  mit  schellen  Helmbrecht  213;  da  die  engel
singen  nova  cuntien  und  dy  schellen  klingen  in
regis  eurin  Wackernagel  Kirchenl.  2,  1845;  biblifch
au  der  Tracht  des  Hohenpriesters  2.  Mos.  28,  33  ff.;
später  noch  am  Schlitten,  schlittenschelle;  auf  der
haido  klingelt  seinc  schelle  Lenau  162;  zur  Narrentracht
  berabgekommen:  eines  schellenbehangenen  narren
Goethe  Du  W.  8;  daher  in  Auspiclungen:  dieses
stolzes  schellen  Hagedorn  Horaz  106;  reiszt  eueh  dic
augen  aus  ..  und  laszt  sic  als  schellen  an  eure  mutze
nühen  Geibel  7,  121;  bei  Musikspiel:  spielete  ..  mit
hurfen  und  psaltern  und  panken  und  schellen  und
cimbeln  2.  Sam.  6,  5;  jetzt  noch  im  schellenbaum  (l.  d.);
im  Vergleich:  so  were  ich  ein  donend  erz  oder  eine
klingende  schelle  1.  Cor.  13,1;  beim  Gottesdienst:  es
duftet  der  weibrauch,  das  schellchen  klingt  Leuthold
Ged.  120;  fonst  eine  kleine  Glocke  vertretend,  auf  Türmen
zur  Angabe  der  Zeit,  an  Haustüren:  die  schelle  zichen,
Einlaß  begehrend;  Klingel  für  Bediente:  Beaumarchnis
zieht  die  schelle.  ein  bedienter  bringt  die  schokolade
Goethe  Clavigo  2;  Tieren  umgehängt:  allem  vich
banden  die  Suddeutschen  tönende  schellen  um  den  hols
Freytag  Bild.  1,  305;  wührend  die  kuhe  und  die
külber  mit  ihren  schellen  lustig  glöckelten  Rosegger
Waldheim.  1,  237;  silbern  soll  dein  (eines  Staares)
schellchen  secin,  und  am  schwarzen  hälschen  klingen
Weiße  kom.  Op.  3,  210;  sprichwörtlich  nach  einer  Fabel:
wer  hängt  der  katze  die  schelle  an?  (unternimmt  eine
gefährliche  Sache);  —  in  verfänglichem  Bilde,  für  Hoden
Zimm.  Chron.  1,  125.  2)  in  Ubertragungen;  nach  der
Form,  schellen  im  deutschen  Kartenspiel:  schellen  smelen,
keine  schellen  ia  der  kurte  haben;  in  Spielerkreisen
dafür  auch  als  Neutr.  (nach  grun,  rot):  das  schellen;
kein  schellen  haben;  dazu  schellendaus.  -könig,  -oher,
#unter,  Zehn,  -nenn  u.  s.  w.;  —  klatschender  Schlag,
vgl.  waulschelle;  gab  ihm  eine  derbe  schelle  Lichtwer
Fab.  3,  4;  —  Eisenfessel  besonderer  umschließender  Form
für  Hände  oder  Füße,  unterschieden  in  fusz-  und  handschellen;
  einem  gelangenen  die  schellen  anlegen;  nach
der  Ahnlichkeit  auch  haltendes  Glied  für  die  Teile  einer
Dachrinne  oder  eines  Regenrohrs,  ein  rohr  mit  riner
schelle  befestigen;  —  in  älterer  Spr.,  jetzt  noch  landschaftlich,
  Schelte  für  ein  altes  Weib:  die  thurhuterin,
welche  auch  eine  alte  schelle  war  B.  d.  Liebe  210.
3)  schelle  in  Pflanzennamen,  vgl.  küchenschelle;  auch
Name  von  Schneckenarten.  —  Zusammensetzungen:
Schelleubanm,  m.  Name  eines  ausländischen  Baumes,
cerbera;  eines  Musilinstrumentes,  aus  einem  Gerüste
mit  Glöckchen  bestehend:  der  schellenbaumtrüger  botindet
  sich  stets  vor  der  mitte  der  hoboisten  Erx.  Regl.
172.  —  Schellengelänte,  n.  Gelänte  von  Schellen  dei
einem  Schlitten.  —  Schellenkappe,  k.  Kappe  eines
Narren  mit  Schellen:  narr  mit  der  schellenkappe
(beim  Maskenfest)  Freytag  Erinn.  171.  —  Schellenschlitten,
  m.  Schlitten  mit  Schellen.

Schellen,  1)  starkes  Verbum,  zum  Teil  bis  heule  erhalten,
  vgl.  unter  schullen  und  zerschellen.  2)  Ableitung
  zu  schellc.  mit  der  Schelle  ein  Zeichen  geben,
klingeln:  ich  schälle,  sonitu  quasso  Steinbach;  als
des  sanctus  worte  kamen,  da  schellt  er  dreimul  bei
dem  namen  Schiller  Gang  nach  d.  Eisenb.;  es  schellt.
jemand  an  der  thur  Adelung;  er  schellt..  Daniel
kommt  Schiller  Ränb.  1,2;  von  einer  besondern  Art
des  Gläserklingens:  sie  (die  Zecher)  hören  uuf  zu  sebellen
Freiligrath  1,  73;  —  als  Schelle  oder  durch  eine
Schelle  tönen:  es  schellt  drauszen.  es  hat  eben  geschellt;
  denn  niemand  will.  dasz  ihm  die  kuppc  schellt
(sich  als  Narr  kundgeben)  Seume  Ged.  33.

Schellfisch,  m.  der  Fisch  gack#ur  acglefinus  in  der

dordjee;  Lehnwort  aus  altn.  skelfiskr.,  dän.  Fkalfisk.
Schalenfisch.  —  Schellheugst,  m.  Sprunghengst:  ver-Schellenbaum

  —  Schellhengst.