Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

884  Mereinigte  Siasten  van  Merdemeriha  und  Kanabu.  (April  5.)

der  Note  des  deutschen  Staatssekretärs  Dr.  Zimmermann  (s.  S.  872)  biete
er  die  Errichtung  von  U.  Bootstationen  in  Mexiko  an  und  schließe  mit  der
Aufforderung  an  die  deutschen  Reservisten  in  Amerika,  Wasfen  und  Munition
  an  Mexiko  zu  überweisen.  Die  Note  habe  am  Schlusse  folgende  W0#
enthalten:  „Trefft  Vorkehrungen  für  einen  Angriff  längs  der  ganzen
Grenze!“  —  Der  demokr.  Führer  Kitchin  macht  der  Kriegsbill  Opvosibcn.
indem  er  betont,  daß  kein  Lebensinteresse  Amerikas  angetastet  werde  urd
daß  kein  Einfall  in  amerik.  Gebiet  drohe.  Sind  wir  denn  auch.  fragt  er,
sicher,  daß  der  Beweggrund  in  den  Attentaten  auf  das  Leben  amerik.  Büger
und  nicht  vielmehr  in  der  Vernichtung  amerik.  Waren  beruht?  (Der  Redner
wird  stürmisch  unterbrochen.)  —  Gardener  (Massachusetts)  versichert,  deß
die  Ver.  St.  nicht  in  den  Krieg  eintreten  würden  wegen  der  Ermordurg
von  200  Amerikanern,  sondern  um  für  die  Menschen=  und  Bürgerreckte
zu  kämpfen.  —  Auch  die  Republ.  Cooper  und  Stafford  (Wisconsin)  und
Britten  (Illinois)  sprechen  sich  gegen  die  Kriegserklärung  aus.  Cooper
wirft  die  Frage  auf:  Würden  die  engl.  Minen  in  der  Nordsee  nicht  das
Leben  von  Amerikanern  vernichten?  Flood  entgegnet:  Bis  heute  hat  England
  niemals  eins  von  unsern  Schiffen  versenkt  oder  das  Leben  eines
Amerikaners  vernichtet.  Cooper  führt  in  seiner  (in  der.  Presse  nur  lückenhaft
  wiedergegebenen)  Rede  weiter  aus:  Ich  bin  ein  Pazifist  genaonnt  worden
und  dabei  habe  ich  für  alle  Kriegsbereitschaftsgesetze  gestimmt.  Diese  Lügenkampagne
  hat  keinen  Sinn  für  die  Wahrheit.  Kanada  gestattet  seinen
Frauen  nicht,  auf  bewaffneten  Schiffen  zu  reisen,  und  so  sollten  wir  es  cuch
machen.  Jeder  Pazifist  in  diesem  Lande  weiß,  daß  ich  kein  Pazifist  in  dem
Sinne  bin,  in  welchem  dies  Wort  gebraucht  wird.  Bin  ich  deshalb  kein
Amerikaner,  weil  ich  nicht  in  den  Krieg  gegen  eine  Nation  ziehen  will.
welche  4000  Meilen  entfernt  wohnt,  und  weil  England  und  Teutschland
unsere  Rechte  verletzt  haben?  Auch  London  (Soz.)  spricht  sich  gegen  den
Beschlußantrag  aus  und  erklärt  ihn  für  völlig  ungerechtfertigt.

Am  5.  April  morgens  3  Uhr  wird,  nachdem  100  Redner  gesprocher
haben,  der  Beschlußantrag,  wodurch  der  Kriegszustand  mit  Deutschl.  erkiärt
wird,  mit  373  gegen  50  (darunter  Miß  Rankin)  Stimmen  angenommen.

Sofort  nach  Annahme  der  Kriegsresolution  durch  den  Kongreß  wird
angeordnet,  die  deutschen  Schiffe  in  amerik.  Häfen  zu  beschlagnahmen.  (Die
Begrüßung  der  Ver.  Staaten  durch  die  Ententemächte  s.  S.  280  f.,  284  ff.,  400  ff.

5.  April.  Gompers  an  die  deutschen  Arbeiter.

Der  Führer  des  amerik.  Arbeiterbundes  Gompers  richtet  an  den  Vorsitzenden
  der  Generalkommission  der  deutschen  Gewerkschaften  C.  Legien
ein  Telegramm,  in  dem  es  u.  a.  heißt:  Es  sind  vielleicht  die  letzten
Worte,  die  die  Arbeiterorganisationen  unfrer  beiden  Länder  wechseln,  ede
der  Kriegs  zustand,  der  noch  Jahre  dauern  kann,  unsern  friedlichen  und
brüderlichen  Beziehungen  ein  Ende  macht.  Die  Ver.  Staaten  haben  die
Pflicht,  ihre  Bürger  gegen  die  ungerechtfertigte  Vernichtung  ihrer  Existenz
zu  schützen.  Wir  tun  unser  möglichstes,  um  zu  vermeiden,  daß  der  Krieg
tatsächlich  erklärt  wird.  Wir  haben  auch  das  Recht,  von  den  deutschen  Arbeitern
  zu  verlangen,  daß  sie  alles  tun,  um  von  ihrer  Regierung  eine  sofortige
  und  befriedigende  Erklärung  zu  erhalten,  die  der  ganzen  Welt  die
Anteilnahme  Amerikas  am  Kriege  erspart.

Das  Telegramm  wird  seltsamerweise  zunächst  in  der  franz.  Presse
veröffentlicht  und  kommt  erst  nach-Abbruch  des  Kabelverkehrs  nach  Deutschland,
  so  daß  es  nicht  mehr  beantwortet  werden  kann.  In  der  „Soz.  Part.=Korr.“
  weist  C.  Legien  darauf  hin,  daß  die  Ver.  St.  das  Recht  hatten.
ihren  Verkehr  mit  Deutschland  gegen  die  völkerrechtswidrige  Blockade  Eng-