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Die süddeutschen Staaten.
Leben und Weben, eine gesunde Rührigkeit hervorgewachsen. Was der Stadt
gehörte, was ihr Rath seit alten Zeiten verwaltete und in Zeiten der Schwächung
verlor, ist wieder in die Hände Derer zurückgegeben, denen es gehört
und die es mit tiefgreifender Einsicht, mit Liebe und mit Aufopferung für's
allgemeine Wohl pflegen. Aus dem Zustande der Bildungsanstalten des Volkes,
welcher mehr und mehr schien sich dahin zu richten, die Spaltung confessioneller
Unterschiede schroffer auszubilden, ist ein Zustand der Schule geworden
und wird sich weiter noch blühender bilden, der die christliche Liebe
und Duldung über menschliche Nebenabsichten stellt, der eine tüchtige Bildung
in allen Theilen des Wissens und Könnens fern von aller Störung durch
confessionelle Hetzereien als das Wichtigste anerkennt, was wir unsern Kindern,
der Zukunft unserer Gemeinde geben können. Wir wollen keine Spaltungen,
wir wollen Frieden haben, wir wollen kein Zurückgehen in dunkle Zeiten
roher, fanatisirter, ungerechter Jahrhunderte, wir wollen den Fortschritt. Wir
haben dieselbe Absicht, dasselbe Streben bewegt uns, dem unser verdienter
Bürgermeister so thatkräftigen Ausdruck gab. Wir sprechen öffentlich unsern
warmen Dank für sein unbeirrtes, jeder Einschüchterung unzugängliches Vorgehen
aus. Wir stehen zu ihm, wir haben die Verbesserungen und Bestrebungen,
welche ihm den Tadel der kirchlichen Behörde zugezogen, mitberathen und mitgelebt
und mitgefühlt, und keine Schreckmittel solcher Art können uns ängstigen
und uns abhalten, die Bahn des Fortschritts und der freien Bestimmung zur
Durchführung des als gut Erkannten zu gehen.“
Die vom Pfarramt in Konstanz aus der Maßregel der Curie gezogene
Consequenz, daß der Bürgermeister nun nicht mehr Mitglied der katholischen
Stiftungscommission sein könne, wird vom Ministerium ohne Verzug für gesetzwidrig
erklärt und der Bürgermeister angewiesen, den zweiten Schlüssel zur
Depositenkasse zu behalten und nöthigenfalls das Schloß der Kiste abändern
zu lassen.
Die Sache macht bei den städtischen Collegien überall in Baden, da sie in
ganz ähnlicher Lage sind, wie diejenige von Konstanz, gewaltiges Aufsehen,
und eine Reihe derselben richtet unter dem Vorgange des Gemeinderaths
und Bürgerausschusses von Mannheim Zustimmungsadressen an den Excommunicirten.
15. Jan. (Württemberg.) In einer Versammlung der Zollparlaments-
abgeordneten wird ein Antrag auf Niederlegung der Mandate und
auf Appel an das württ. Volk abgelehnt.
- „ (Bayern.) Der von der Regierung ausgearbeitete erste Entwurf
zur Umgestaltung der Reichsrathskammer wird zurückgenommen, um
vom Ministerium des Innern umgearbeitet und bald gänzlich fallen
gelassen zu werden.
Der Wortlaut oder eine authentische Analyse des Entwurfs ist nicht bekannt
geworden. In einem nordd. Blatte wurde dagegen eine Analyse mitgetheilt,
der wenigstens weder officiell noch officiös widersprochen worden ist.
Demgemäß sollte nach jenem ersten Entwurf die Umgestaltung der Kammer
durch sechs verschiedene Gesetzentwürfe bewerkstelligt werden, von welchen die
ersten drei die bereits bestehenden Kategorien der erblichen Reichsrathswürde
ihres exklusiven Charakters zu entkleiden bestimmt waren, der vierte die gleichfalls
bereits bestehende Kategorie der vom König zu ernennenden Pairs behandelte,
und der fünfte eine neue Kategorie einführen wollte, während der sechste
mehr reglementärer Natur war.
Der erste dieser Gesetzentwürfe habe sich mit der Abänderung des (Begriffs
des) Fideicommisses beschäftigt, und verfügt, daß das Recht, Fideicommisse
zu gründen, nicht mehr ausschließlich dem Adel zustehen sollte, sondern daß