Metadata : Blätter für Rechtsawendung. LXII. Band. (62)

4  Oberstrichterliche  Entscheidungen.

erhobene  Klage  schon  um  deswillen  nicht  begründet  sei,
weil  in  dem  Kaufvertrage  ausdrücklich  vereinbart  wurde,
daß  für  die  Freiheit  von  Grunddienstbarkeiten  den
Käufern  keine  Gewährschaft  gewährt  würde,  fragliches
Verbot  sei  eine  Grunddienstbarkeit  und  deshalb  könne
Klägerin  eine  Entschädigung  nicht  verlangen.

Wenn  man  im  Hinblicke  auf  die  Bestimmungen  des
Bayr.  LR.,  welches  als  Servitut  jedes  Recht  erklärt:
„dessen  man  sich  zu  eigenem  Besten  und  Vortheil  auf
fremdem  Gut  zu  erfreuen  hat“  (Anm.  zu  Bayr.  LR.
Thl.  II  Cap.  7  §  1),  auch  zugeben  kann,  daß  das  Verbot
eines  Gewerbebetriebes,  welches  dem  Nachbarn  aus  irgend
einem  Grunde  schädlich  oder  lästig  ist,  Gegenstand  eines
Sevitutvertrages  verbunden  mit  der  Einschreibung  in  den
öffentlichen  Büchern  sein  kann,  so  ist  doch  außer  Zweifel,
daß  gegebenen  Falles  keine  Servitut  constituirt  und  als
Reallast  im  Hypothekenbuche  eingetragen  wurde,  daß
vielmehr  eine  persönliche  Beschränkung  pactirt  wurde,
die  als  Dispositionsbeschränkung  in  der  II.  Rubrik
des  Hypothekenbuches  eingeschrieben  worden  ist.  Eine
Entbindung  von  der  Gewährschaft  für  Freiheit  von
Grunddienstbarkeiten  berechtigt  übrigens  einen  Verkäufer
keineswegs,  ihm  bekannte  Dienstbarkeiten  dolose  zu
verschweigen.  Eine  dem  Verkäufer  bekannte,  den  Werth
des  Kaufobjectes  erheblich  mindernde  Grunddienstbarkeit
muß  der  Verkäufer  dem  Käufer  ebensogut  kundgeben,  als
eine  Dispositionsbeschränkung.  Eine  Vertragsbestimmung
zum  Schutze  einer  dolosen  Handlung  ist  unsittlich  und
soweit  sie  diesen  Zweck  verfolgt  ungültig.

Die  Behauptung  der  Revidenten,  daß  Klägerin  schon
deshalb  einen  Entschädigungsanspruch  nicht  erheben  könne,
weil  sie  es  culpose  unterlassen  habe,  das  Hypothekenbuch
einzusehen,  aus  welchem  sie  die  Beschränkung  hätte  entnehmen
  können,  ist  unrichtig.  Zunächst  ist  hervorzuheben,
daß  damals  die  Klägerin  gar  kein  Recht  hatte,  das