Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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die  Haut  heiß  an,  so  kann  die  Hebamme  vermuthen,  daß  das  Kind
Fieber  habe.  Auch  athmet  es  alsdann  gewoͤhnlich  sehr  hastig,  oder
unregelmäßig.

K.  389.

3.  Bei  jeder  ernsten  Erkrankung  leidet  die  Ernährung  des
Kindes,  und  oft  sehr  schnell;  sein  Gesicht  verfällt,  es  nimmt  nicht
zu,  magert  vielmehr  ab.  Gewöhnlich  sind  daneben  deutliche  Zeichen
gestörter  Verdauung  vorhanden.

Leidet  das  Kind  an  Verstopfung,  erfolgen  die  Ausleerungen
seltener,  als  sonst,  kaum  einmal  in  24  Stunden,  sind  sie  trockener
und  härter,  muß  das  Kind  sich  dabei  quälen  und  mit  Anstrengung
prefssen,  so  kann  die  Hebamme  vorläufig  versuchen,  durch  ein  Klystier
von  Kamillenthee  mit  etwas  Oel  und  Zucker  Erleichterung  zu  verschaffen,
  auch  wohl  dem  Kinde,  um  den  Abgang  der  Blähungen  zu
befördern,  einige  Theelöffel  voll  Kamillenthee  einflößen,  bis  der  Arzt
weitere  Verordnungen  trifft.  Dauert  die  Verstopfung  länger,  so  wird
der  Leib  des  Kindes  hart,  ausgerrieben,  heiß,  das  Kind  hat  Leibweh
und  zieht  dabei  die  Beine  stark  in  die  Höhe.  Alsdann  ist  mit  der
Herbeirufung  eines  Arztes  keinen  Augenblick  zu  säumen.

S.  390.

Oder  das  Kind  hat  Durchfall,  die  Ausleerungen  erfolgen
häufiger,  sind  dünner,  wässriger  oder  schleimiger  und  meistens  auch
von  übler  Farbe,  grünlich  weißlich,  bisweilen  gehackten  Eiern  gleich.
Auch  hierbei  hat  das  Kind  oft  Leibweh,  wie  bei  Verstopfung.  Die
Gefahr  ist  meistens  größer,  weil  durch  den  Verlust  von  Säften  die
Kräfte  des  Kindes  schneller  erschöpft  werden.  Die  Hebamme  muß
daher  sogleich  einen  Arzt  rusen.  Inzwischen  lege  sie  dem  Kinde  bei
lebhafteren  Schmerzensäußerungen  ein  in  recht  warmen  Kamillenthee
getauchtes  und  sorgfältig  wieder  ausgerungenes  Flanelltuch  um  den
Leib.  Besonders  ab  suche  sie  zu  ermitteln,  ob  etwa  in  der  Ernährung
  des  Kindes  Fehler  begangen  werden,  die  sie  abstellen  kann;
ob  vielleicht  die  Säugende  Schreck,  Aerger  oder  Angst  gehabt  habe;
oder  ob  sie  unzuträgliche,  schwer  verdauliche  Kost  genieße,  oder,
wenn  das  Kind  ohne  Mutter=  oder  Ammenmilch  aufgefüttert  wird,