Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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Anfangsbestandes  vermehrt,  während  die  Bevölkerung  des  Reiches  in  dieser  Zeit  nur
um  etwa  3,2%  zugenommen  hat.

Der  Gesammtzugang  an  Geisteskranken  in  den  Irrenanstalten  belief  sich  während
des  dreijährigen  Zeitraumes  auf  60  509,  d.  i.  jährlich  etwa  423  auf  1  Million  Einwohner;
  diese  Verhältnißziffer  erhöht  sich  auf  564,  wenn  man  die  den  allgemeinen
Krankenhäusern  zugegangenen  20  174  Geisteskranken  mit  in  Rechnung  zieht.

2.  Die  einzelnen  Krankheitsformen.

Was  die  in  den  Frrenanstalten  beobachteten  Krankheitsformen  betrifft,  so  litten
von  den  60  509  zugegangenen  Geisteskranken:

39293  an  einfacher  Seelenstörung,
7984  „  paralytischer  Seelenstörung,
4421  „  Seelenstörung  mit  Epilepsie,
4376  „  Immbeeillität,  rc.

4435  „  delirium  potatorum.

Bei  den  beiden  Geschlechtern  zeigte  sich  bezüglich  der  Häufigkeit  der  einzelnen
Krankheitsformen  der  Unterschied,  daß  beim  weiblichen  Geschlecht  die  einfachen  Seelenstörungen
  weitaus  am  häufigsten  waren,  während  Fälle  von  paralytischer  Seelenstörung
und  von  Säuferwahnsinn  mehr  beim  männlichen  als  beim  weiblichen  Geschlecht  vorkamen.
Es  litten  von  je  100  den  Anstalten  zugegangenen

a)  männlichen  b)  weiblichen  Personen

an  einfacher  Seelenstörung  53,.2  80.0
„  paralhytischer  Seelenstörung  19,2  5,5
„  Seelenstörung  mit  Epilepsie  7.5  7,0
„Inmbbecillität,  Idiotie  2c.  7.7  6.7
„  delirium  potatorum  12,4  0,

Der  Säuferwahnsinn,  das  „delirium  potatorum“  ist  am  häufigsten  in
Bremen  und  Schleswig-Holstein,  demnächst  in  Berlin,  West=  und  Ostpreußen  als  Krankheitsform
  eingetragen,  am  seltensten  u.  a.  in  Hamburg  und  Westfalen.  Von  je  100  den
Irrenanstalten  zugegangenen  männlichen  Geisteskranken  litten  an  Säuferwahnsinn:

(über  10%)  (unter  5%)

in  Bremen  4347  in  Baden  .  .  .  450
„  Schleswig-Holstein  36,6  „  Sachsen-Weimar  47
„  Berlin.  30,5  „  Rheinprovringz  .  4,6
„  Westprenssen  26,0  „Bayern.  .  .  441
„Ostpreußen  .  .  20),5  „  Württemberg  30
„  Mecklenburg-Strelitz  15  „  Provinz  Sachsen  366
„  Schlesien  129%  „  Pommern  .  .  .  202
„  Posen  1188  „:  Hessen-Nassau.  20
„Hannover.  .  .  1144  „  Mecklenburg-Schwerin  1.,0
„  Königreich  Sachsen  10,36  „  Westfalen  090

„  Hamburg  000

Im  Großherzogthum  Hessen  litt  von  den  296  männlichen  Geisteskranken  nach  den
vorliegenden  Ausweisen  Niemand  an  Säuferwahnsinn,  ebensowenig  im  Herzogthum
Braunschweig;  in  einigen  kleineren  Anstalten,  welche  vorstehend  nicht  aufgeführt  sind,
kamen  nur  vereingelte  Fälle  zur  Beobachtung.