32 Das DeuTsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Februar 11.)
Spekulationspapiere. Mit großen Ermahnungen den Banken gegenüber
ist nichts getan. Schöne allgemeine Grundsätze nützen auch nichts.
Abg. Hahn (K.): Wir müssen der Zulassung ausländischer Papiere
Schranken ziehen und das können wir vielleicht auch durch den Ausbau
der Talonsteuer. Weiter werden wir in Zukunft die Tätigkeit der Emissionsfirmen
sehr kritisch beleuchten müssen.
11. Februar. (Berlin.) Der Professorenstreit im Landesökonomiekollegium.
Prof. Sering leitet seinen Vortrag über „Die Bearbeitung der Landarbeiterfragen
durch die Landwirtschaftskammern und das Landesökonomiekollegium“
durch eine persönliche Bemerkung ein, in der er auf die Grundlosigkeit
der im Professorenstreit gegen ihn erhobenen Beschuldigungen eingeht.
11. Februar. (Preußen.) Der Eisenbahnminister lehnt die
Petition des „Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen männischen Vereins“
vom 14. Oktober 1909 (I) um billigere Tarife für den Transport
oberschlesischer Kohle, besonders Gaskohle, bezugs Zurückdrängung
der englischen Konkurrenz glatt ab.
11. Februar. Ein Vorschlag zur Bauernkolonisation in der
Ostmark.
Nachdem die Ansiedlungskommission vier Güter des Herzogs v. Sachsen-Koburg-Gotha
erworben hat, macht ein Oberstleutnant in der „Wochenschrift
des deutschen Bauernbundes“ noch auf folgende zur Enteignung passende Besitzungen
in Posen aufmerksam: Fürst v. Thurn und Taxis 48.000 Morgen
Land und 82.000 Morgen Wald; Prinz Heinrich v. Preußen 16.000 Morgen:
Prinz Friedrich Leopold v. Preußen 20.000 Morgen; die Erben des Hakatisten
Kennemann 56.000 Morgen.
11. Februar. Regierung und Strafprozeßreform.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: „Die zweite Lesung
der Strafprozeßreform im Plenum füllte fünf Sitzungen aus, aber nur ein
Teil des Entwurfs zur Aenderung des Gerichtsverfassungsgesetzes ist erledigt
worden. Die Beratung des Restes und der Strafprozeßordnung wird erst
nach Erledigung des Etats fortgesetzt und sicher nicht vor Mai zu Ende
geführt werden. Es ist dringend zu wünschen, daß der Reichstag bei der
dritten Lesung eine andere Stellung einnimmt. Denn daß speziell in der
Frage der Mitwirkung von Laienrichtern in der Berufungeinstanz ein Nachgeben
der verbündeten Regierungen ausgeschlossen ist, darüber kann nach
dem Gange der bisherigen Verhandlungen kein Zweifel bestehen.“
11. Februgr. (Bremen.) Zurückweichen der deutschen
Flagge.
Aus der Rede des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg bei der
Schaffermahlzeit: Schritt für Schritt sehen wir draußen die Deutschen zurückweichen.
Manch ernster Deutscher sieht sorgenvoll, wie hier und da die
deutsche Flagge dem Union Jack oder dem Sternenbanner oder gar dem
gelben Drachen Platz macht. Das ist ein ernstes Wort! Aber hier darf es
wohl einmal von jemand ausgesprochen werden, der ein warmes Herz hat
für deutschen Handel und deutsche Seefahrt. Möchte von hier aus, von
den Mitgliedern des Hauses Seefahrt der Ruf erschallen, ehe es zu spät
ist: alle Mann an Deck! Schließt Euch alle zusammen, die Ihr ein Interesse