326 Veutsches Reich. (März 20.—21.)
allen Richtungen der Windrose zusammengeholt war, in Abteilungen gegKlicdert
werden mußte usw.; und hinter allem stand die Hetzpeitsche des
rieges, es durfte kein Monat, keine Woche verloren werden. Da war schließlich
auch ein falscher Entschluß besser als gar keiner. Die Tätigkeit der
Kriegsgesellschaften, namentlich soweit sie auf dem Gebiete der Ernährung
tätig waren, ist ja zum Teil scharf kritisiert worden; die Kritik war nütz
lich, manche Anregung ist daraus gezogen worden. Dem einen Vorwurf,
daß bei ihnen mit großer Verschwendung gearbeitet worden sei, möchte ich
hier entgegentreten. Ich kann versichern, daß sie mit Unkosten arbeiten, die
an sich doch recht gering sind, es ist in der gesamten Aufmachung ihrer
Geschäftstätigkeit sparsam verfahren worden; daß gelegentlich höhere Gehälter
gezahlt werden müssen, hängt auch mit den Kriegsnöten zusammen. (Widerspruch.)
Ich weiß, daß hier die Grenze überschritten werden kann, im großen
ganzen aber haben sie sich innerhalb dieser Grenzen gehalten. Die Gesellschaften
sind darauf angewiesen, in engstem Zusammenhang mit den höchsten
Reichsbehörden und Reichsstellen zu arbeiten. Es kommt hinzu, daß die
Räume für die Unterbringung oder Erweiterung der Gesellschaften einer
Reihe von Anforderungen entsprechen müssen; Telephone müssen da sein,
tunlichst in jedem Zimmer, die lassen sich jetzt nicht so leicht beschaffen, es
fehlt an Arbeitskräften und Material. Das läßt erklärlich erscheinen, weshalb
die Mietung von Hotels bevorzugt wird. Ebenso ist die Lage im Zentrum
für die Geschäftsführung das Zweckmäßigste. Selbstverständlich werde ich bei
allen Gesellschaften auf sparsamste Wirtschaft hinwirken; ich verkenne keinen
Augenblick, daß wir in Not sind, und ich werde froh sein, wenn der Tag
kommen wird, wo sich die letzte Kriegsgesellschaft auflöst. Manches Nützliche
wird auch bei ihnen mit in die Friedenszeit übernommen werden können.
Was nun die Beschwerden über die Erschwerung der Ausfuhr
betrifft, so haben wir alles getan, um die Ausfuhr nach Kräften aufrecht
zu erhalten, wir stehen hier aber vor Schwierigkeiten, die sich nicht aus
der Welt schaffen lassen, vor der Schwierigkeit der Material- und der
Arbeitskräftebeschaffung. Freilassen können wir die Ausfuhr aus militärischen
und aus Gründen der inneren Wirtschaft nicht. Darum der große,
allerdings recht schwerfällig arbeitende Apparat; die Ausfuhr eines so großen
Landes wie Deutschland läßt sich nicht ohne Härten und Schwierigkeiten
kontrollieren und reglementieren. Bei der Einfuhr müssen wir darauf halten,
daß die hineinkommenden Waren auch von uns bezahlt werden können.
Der Kurs der Mark an sich ist für uns die geringste Sorge, die Hauptsache
ist, daß wir alles, was wir aus dem neutralen Auslande brauchen,
auch in ausländischen Zahlungsmitteln bezahlen können. Auch bezüglich der
Devisenregelung bei der Reichsbank verkenne ich nicht die schwere Beeinträchtigung
der privaten Geschäfte, aber auch hier stehen wir eben vor einer Kriegsnotwendigkeit.
Ich tue, was ich kann, die Organisation zu verbessern, aber
den Stein der Weisen werden wir da nicht finden.
Herr v. Brockhausen meinte, diese Schwierigkeiten würden nicht in
dem Maße bestanden haben, wenn wir rechtzeitig für eine wirtschaftliche
Mobilmachung gesorgt hätten; er meinte, wir hätten
die Zustände, die eingetreten sind, nicht für möglich gehalten, wir hätten
es für ausgeschlossen gehalten, daß Deutschland so abgeschlossen werden
könnte, und er hat mich selbst dafür zitiert. Er hat aber selbst hinzugefügt,
daß das schon etwas lange her ist. Es ist richtig, an die Zustände, die der
Krieg jetzt herbeigeführt hat, hat an den maßgebenden Stellen des Reiches
wohl kaum jemand gedacht. Aber selbst wenn uns jemand vor drei Jahren
vorausgesagt hätte, daß die Dinge so kommen, hätten die wenigsten von
Ihnen, hätte vielleicht keiner eine solche Entwicklung für möglich gehalten,