410 0. Die Sprache der Schule und ihr Verhälmis zur Volkssprache.
von Unwissenheit ansähen, so werde auch dieses äußerst selten von
ihnen verlangt. In den Schulen aber werde kein dänisches Wort
gelesen oder geschrieben. Die Prediger in der Karrharde und auch
der in Uberg verständen, mit Ausnahme von Humptrup und Stedesand,
alle dänisch und hätten auch ihres Wissens bald alle dänisch gepredigt.
Ihnen werde es also nicht sehr schwer fallen können, auf
dänisch zu unterrichten und auch in dieser Sprache alle sonstigen Amtsgeschäfte
zu verrichten. Allein dieses sei in bezug auf die Schullehrer
nicht der Fall; mit Ausnahme weniger verständen sie nicht so viel
Dänisch, um darin unterrichten zu können. Selbst unter den an den
dänischen Schulen stehenden Lehrern besänden sich, sie müßten es, wiewohl
höchst ungern, gestehen, mehrere, deren Kenntnisse in der däuischen
Sprache nur dürftig seien; mancher sonst gewiß nicht ungeschickte Schulmann
unter ihnen sei kaum imstande, einen ordentlichen korrekten dänischen
Brief zu schreiben. Dieses wie jenes sei aber ganz natürlich: denn
einerseits werde an den Bildungsanstalten künftiger Lehrer in Toudern
und Kiel der Unterricht auf deutsch erteilt; im Tondernschen
Seminar erhielten die Zöglinge freilich einige Anleitung zur dänischen
Sprachkenntnis, aber bei weitem nicht hinlänglich, um in dieser Sprache
zu unterrichten, wenn der Zögling selbst kein geborener Däne sei;
in Kiel dagegen bekümmere man sich wenigstens bis dahin um die
dänische Sprache wohl gar nicht. Andererseits legten sich solche Zöglinge,
die künftig Schullehrer sein wollten, aber keine seminaristische
Bildung erhielten und in deutschen Gemeinden geboren seien, gar
nicht auf die dänische Sprache, und die aus den dänischen Gemeinden
behandelten ihre Muttersprache als Stiefkind und zögen ihr die deutsche
vor; sie sähen diese als die Hauptsprache an, weil in ihr bisher alle
gerichtlichen Verhandlungen geschähen, alle obrigkeitlichen Befehle usw.
ausgefertigt würden und in allen vornehmeren gesellschaftlichen Kreisen,
selbst in den Häusern ihrer Prediger, der auf dem Lande wohnenden
königl. Beamten, ja im Hanse eines jeden, der mehr als ein gewöhnlicher
Bauersmann sein wolle, immer deutsch gesprochen werde. Außerdem
wähne wohl mancher, die dänische Sprache schon hinlänglich zu
verstehen, weil er sie in der dort herrschenden Mundart verständlich
sprechen könne, daher bekümmere man sich wenig um eine richtigere
und gründlichere Kenntnis. Solle aber diese Sprache dem allerhöch-