Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

1315

hat  den  vorzug,  er  fürt  das  regiment,  nenes  ipæum  est
principatus  Maaler.  —  vorzüglich,  durch  Vorzüge
ausgezeichnet,  hervorragend:  vorzügliche  menschen,  listungen;
  vorzugliche  talente  Goethe  DuW.  2;  den
vorzuglichsten  rang  Schiller  10,  5;  als  Adv.,  —  besonders:
  ein  vorzüglich  leichteinniges,  lüderliches  weibsstuek
  Lessing  Dram.  36;  du  hast  recht,  vorzuglich
weil  ich  musz  Goethe  Fan

Vulkaͤn,  in.  seuerspeiender

vorzüglich  —  Wachholder.

I.
ben-  übertragen  von  dem

Wachs  —  wachsen.  1310

Namen  des  Gottes  und  seiner  Wertstatt,  zusolge  Adelungs
  Zengnis  nach  dem  Vorgang  der  Franzosen,  von
ihm  als  ungeschickt  bemängelt,  aber  bald  allgemein  geworden:
  tdas  Glück)  versenkt  ein  stolzes  land  ..  in
schlünde  der  vulkonen  Lichtwer  172:  gewitter,  erdbeben,
  vulkane  Schiller  4,  295;  in  Bildern:  secin
inveres  gleicht  cinem  vulksne;  man  erlaubt  sich  (bei
einem  Feste  im  Palais  Royal  unter  Karl  X)  zu  gesleben,
dasz  man  auf  einem  vulcan  jubelc  Goethe  46,  195.

W.

W.,  der  Laut  und  sein  Zeichen,  ws  genanut.  —
Waare,  s.  ware.

Wabe,  k.  Zellenscheibe  der  Bienen;  ahd.  waba  neben
dem  Masc.  wabo,  mhd.  ciu  wabe  und  der  waben,  zu
dem  Verbum  weben  gehörig:  gleich  wie  die  imben  in
den  waben  ir  aus-  und  einflug  stätigs  haben  Wickram
Loßb.  G  26;  weggewerfener  bienenkorb  ohne  wabe#n
Keller  Nachl.  285.

Wach,  im  Wachen  begriffen,  munter;  erst  uhd.  nach
dem  Verbum  vachen  gebildet:  wach,  munter,  éveillé
Rädlein  1022;  wach  sein,  werden,  bleiben,  sich  wach
hatten  (Freiligrath  1,  70);  mich  .  vach  zu  kriegen
Moltre  6,  79;  frei:  ea  warden  immer  neue  bedenken
wach  Häusser  d.  Gesch.  3,  57;  vatergefuble  wachzurusen
  Heyse  Par.  2,  319;  wit  wachem  bewusztsein
Treitschke5,  21;  substantivisch  dem  wachen  Uhland  53.

Wache,  k.,  ahd.  wacha,  mhd.  wache.,  altnord.  vaka,
Zustand  des  Wachens;  befonders  Wort  des  Sicherheitsund
  Kriegswesens:  wache  halten,  stehen:  die  wache
Übernebmen,  auf  wache  zichen;  Gesamtheit  der  Wache
haltenden  Personen:  wache  ablösen;  ich  will  nach  der
wache  schicken  Gellert  Loos  5,  5;  Einzelner  aus
solcher  Gesamtheit:  dort  steht  eine  wache:  die  wachen
sprechen  ihr  gebet  Schiller  Karl.  5,  9;  Ort,  Gebäude
für  solche  Wache:  er  wurde  in  die  wache  getracht  und
dort  gefangen  gehalten.  Dazu  wachhabender  olfizicr;
Nebensorm  wacht  (s.  d.).  —  wachen,  munter,  ohne
Schlaf  sein;  gemeingermanisches  Wort,  ahd.  wachên.
mhd.  wachen.  alts.  wakön,  altengl.  wacian,  altnord.
vaka,  im  Goth.  vertreten  durch  gleichbed.  starkformiges
vakan,  das  auch  altengl.  als  wacan  in  der  Bed.  erstehen
  vorkommt;  wahrscheinlich  urverwandt  zu  lat.
vigil  munter,  vegôre  frisch,  krästig  sein,  gehörig;  als
bloßer  Gegensatz  zu  schlafen:  der  kranke  schlief  bis
jetzt,  aber  nun  wacht  er;  dea  min  weinder  schade
wachet,  80  jener  släfet  oder  lachet,  der  nie  gwan
sende  ser  Schweiz.  Minnes.  190,  19;  gewöbnlich  seit
Alters  in  der  schärseren  Bed.  des  Munterfeins  mit  Aufmerken,
  wachen  zur  Sicherung,  Spähung:  wachet  und
betet  Marc.  13,  33;  die  rache  wacht  Stolberg  1,  49;
wachen  bei  einem,  etwas;  öber  einen:  wil  ich  uber  sie
wachen.  zu  bawen  und  zu  pflanzen  Jer.  31,  28;  sollte
cin  commissar  über  dic  ausführung  wachen  Ranke

wegholdern  Hiob  30,  1;  später  nur  Masc.;  dazu  wachholderbecre,
  sast  (als  Heilmittel  Gellert  das  Band  3),
FStrauch,  u.  a.

Wachs,  n.  Stoss  der  Bienenwabe;  altes  gemeingermanisckes
  Wort  dunller  Herkunft.  goth.  nicht  bezeugt,
altnord.  vax,  altengl.  weabs,  altsächf.  ahd.  mhd.  wahs;
gern  in  Vergleichen:  gelb,  weisz,  bleich,  weich  wie
wachs;  stüdie  und  wälder,  wie  wachs  im  ofen  zerschmolzen
  Schiller  Räub.  5,  1;  auf  besondere  Erzeugnisse
  übertragen:  bart-,  schuh-,  siegelwachs;  auf
ein  Mineral,  erdwachs.  —  Zusammensetzungen:  wachsbleich
  H  ö¾lö  se  4,  35.  —  Wachsfigur,  k.  Figur  aus  Wachs.
—  Wach#lerze,  k.  Kerze  aus  Wachs.  —.  Wachsleinwand,
  k.  Leinwand  mit  wachsartigem  lberzuge.  —
Wachslicht,  n.  Wachskerze  Garg.  91.—  Wachsstock,  m.  mit
Wachs  umzogener  Dochtsaden,  der  in  eine  Form  gewickelt
  ist.  —  Wachstuch,  n.  Wachsleinwand.

Wachsam,  gern,  leicht,  aufmerksam  wachend;  Wort
des  17.  Ih.:  der  hund  ist  gar  wachsam,  alte  leute  sind
wachsam,  hutb  wachsam  und  halb  schläfrig  Stieler;
auf  die  eintretenden  passagiers  ein  wachsames  auge  zu
haben  Schiller  Fiesko  2,  15.  —  Wachsamkeit,  f.  wachsame
  Art:  verdoppelte  wachsamkeit  Schrist.  1,  66.

Wachsen,  größer  werden,  zunehmen;  gemeingermanisches
  startes  Verbum,  goth.  vahsjan,  altnord.  vaxa.
altengl.  weaxan,  altsächf.  ahd.  wahsan,  mhd.  wabsen.
in  Urverwandtschaft  zu  sanskr.  vaksh.  uksh,  groß,  stark
werden,  griech  abrein  mehren,  nähren,  stärken;  die
starke  Form  des  Wortes  bis  jietzt  geblieben.  Im  eigentlichen
  Sinne  von  allen  Naturwesen:  der  mensch,
das  tier  wächst;  hanre,  nügel,  bruste  (Hes.  16,  7)
wuchscn;  bäume,  Pflanzen,  fruchte,  auch  erde,  felscn,
gcesteinc,  kristalic  wachsen;  in  die  höhce,.  breite  wachscn,
krumm,  gerade  gewachsen  sein;  in  älterer  Spr.  ein
Cewachaener  (—  Erwachfener)  Herold  Ee  115b;  und
warest  nu  gewachsen  Hes.  16,  7;  von  der  Fähigkeit  zu
wachsen:  diesc  pflanze  wächst  nur  in  unscrer  gegend;
30  Zuter  wein  wächst  nicht  uberall;  auch  —  sich  erzeugen:
  da  wuchsen  wurme  drinnen  2.  Mos.  16,  20;
es  wuchsen  auch  maden  nus  dem  verlluchten  leibe
2.  Macc.  9,  9;  in  mancherlei  Bildern,  Vergleichen,  sprichwörtlichen
  Reden:  ungluck.  nagel  und  haar  wachsen
„durchs  ganze  jabr  Simrock  2190;  wir  wollen  uns  hier-Päpste

  2,  56;  uber  einem:  ich  will  uber  dir  wachen  uber  keine  grauen  haare  wachsen  lassen  (nicht  sorgen)
Schiller  Kab.  1,4;  sic  wachet  über  deiner  ruh  Gotter  Keller  Nachl.  82;  einem  an  das  herz  gewachsen  scin,
1,  173;  nach  etwas:  wachen  nach  reicbthum  verzehret  sehr  geliebt  werden;  cincm  unternehmen  gewachsen  scin,
den  leib  Sir.  31,1;  refl.:  (die  Sterne)  wachen  sich  nicht  besähigt  sein,  es  zu  leiten;  er  zeigte  sich  anch  jetzt

mude  43,  11.

der  lage  gewachsen  Nante  Päpste  1,  82;  von  Gegnern,

Wachhbolder,  m.  Name  der  Strauchart  Jni#e###,  ineinander  wachsen,  in  Feindseligkeiten  geraten:  wic

abd.  wecholder,  wechulder,  wechelter,  wechalter,  mhd.
wecholter,  mit  mancherlei  landschafttichen  Nebenformen
und  Umdentungen,  die  sich  auch  uhd.  fortsetzen  dunkler
  Herkunst;  bei  Luther  nach  mhd.  Weise  noch  als
Fem.:  setzet  sich  unter  eine  wacholdern  1.  Kön.  19,  1;

man  in  gucter  ninigkeit  die  zwon  knig  bebalten  möcht
das  si  nit  in  ninunder  wuechsen  Aventin  2,  118;
über  den  kopf  wachsen,  übermächtig  werden:  Ver  kunde
ist  mir  ubern  kopf  gewuchsen  Grabbe  1,  270;  die
geschüfte  wachsen  ihm  uber  den  kopf,  u.  a.  —  in  sreiem