Metadata : Die deutsche und die brandenburgisch-preußische Geschichte. Zweiter Teil: Preußisch-deutsche Geschichte bis zum Tode Friedrichs des Großen. (2)

Friedrich  II.  Albrecht  Achilles.  21

nötigte  1)  und  einen  Landfrieden  gebot,  so  war  er  doch  im
Reiche  viel  zu  sehr  beschäftigt,  als  daß  er  in  den  Marken  einen
dauernden  Frieden  hätte  durchsetzen  können.  Er  wurde  nämlich
1.  nach  dem  Konstanzer  Konzil  von  Sigismund  zum  Reichsverweser
  ernannt  als  solcher  hatte  er  bei  der  häufigen  Abwesenheit
  des  Kaisers  im  Reiche  viel  Zeit  und  Mühe  aufzuwenden;  er
zog  2.  dreimal  gegen  die  Hussiten  zu  Felde,  die  ihn  dafür  in
der  Mark  heimsuchten;  er  suchte  3.  das  Kurfürstentum  Sachsen-Wittenberg,
  das  1422  durch  das  Aussterben  der  dortigen
Askanier  erledigt  war,  für  sich  zu  gewinnen;  Sigismund  aber,  schon
lange  eifersüchtig  auf  die  Erfolge  Friedrichs  I.,  übertrug  Sachsen
vielmehr  auf  Friedrich  den  Streitbaren  von  Thüringen
und  Meißen  (aus  dem  Hause  Wettin  bei  Halle).  Nach  Sigismunds
  Tode  (1437)  standen  sich  zum  erstenmal  ein  Hohenzoller
und  ein  Habsburger  bei  der  Kaiserwahl  gegenüber;  aber  die
Fürsten  entschieden  sich  nicht  für  einen  der  Söhne  Friedrichs  I.,
sondern  für  Albrecht  II.,  den  Schwiegersohn  Sigismunds,  der  zugleich
  Erbe  der  luxemburgischen  Hausmacht  war.

Friedrich  II.  der  Eisenzahn  1440—1470.  [Demütigung
der  Landstände.  Rückkauf  der  Neumark  1455.]
Friedrich  II.,  der  zweite  Sohn  des  vorigen  Kurfürsten,  beschränkte
  seine  Tätigkeit  fast  ganz  auf  die  Marken,  in  denen  die
einzelnen  Landstände  wieder  zu  trotziger  Macht  emporgekommen
waren.  Es  erregte  daher  weithin  Aufsehen,  als  er  die  Doppelstadt
Berlin-Kölln  an  der  Spree  durch  Anlegung  einer  Burg2)
zur  Unterwerfung  brachte;  die  widerspenstige  Mannschaft  (d.  i.
der  ritterliche  Adel)  suchte  er  durch  die  Stiftung  des  Schwanenordenss)
  wenigstens  einigermaßen  zu  bändigen.  —  Im  Jahre
1455  kaufte  er  die  Neumark  (§  7)  vom  Deutschen  Ritterorden  zurück.

Albrecht  Achilles  1470—1486.  [Die  dispositio  Achil-16a.]
  Albrecht,  wegen  seiner  kühnen,  in  den  gesetzlosen  Zeiten
Friedrichs  III.  oft  bewährten  Tapferkeit  Achilles  beigenannt,
war  ein  jüngerer  Bruder  Friedrichs  II.  und  vereinigte  allen

1)  Johann  v.  Quitzow  hatte  sich  zunächst  gerühmt,  er  werde  kein  Schloß
herausgeben,  und  wenn  es  ein  ganzes  Jahr  Burggrafen  vom  Himmel  regnete.

2)  Das  ist  der  Anfang  des  heutigen  Berliner  Schlosses.

3)  Der  Mittelpunkt  dieses  Ordens,  der  für  adlige  Mitglieder  bestimmt
war  und  eine  fromme  Gesinnung  verbreiten  sollte,  war  die  Marienkirche
  in  Brandenburg.