Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1878. (69)

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Wahlberechtigt  sind  alle  männlichen  volljährigen  Mitglieder  der  Gemeinde,
welche  mindestens  ein  Jahr  in  der  Gemeinde  wohnen,  zu  den  Kirchenlasten  oder
direkten  Staatssteuern  beitragen  und  weder  unter  Pflegschaft,  noch  im  Hause
und  Brode  Anderer  stehen.  Personen,  welche  wegen  Besitzes  von  Orden  und
Ehrenzeichen,  mit  denen  Steuerfreiheit  verbunden  ist,  von  der  Steuer  befreit
sind,  bleiben  dessenungeachtet  wahlberechtigt.

.  9.

Ausgeschlossen  von  Ausübung  des  Wahlrechts  sind  diejenigen:

1)  wocche  durch  Verachtung  des  Wortes  Gottes  oder  unehrbaren  Lebenswandel
  ein  öffentliches,  durch  nachhaltige  Besserung  noch  nicht  gefühntes
Aergerniß  gegeben  haben;

2)  welche  nicht  im  Besitze  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  sich  befinden;

3)  welche  wegen  eines  Verbrechens  oder  wegen  eines  Vergehens,  das  die
Aberkennung  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  nach  sich  ziehen  kann,  in
Untersuchung  sich  befinden;

4)  welche  wegen  Verletzung  besonderer  kirchlicher  Pflichten  nach  Vorschrift
  eines  Kirchengesetzes  des  Wahlrechts  verlustig  erklärt  worden  sind;

5)  über  deren  Vermögen  ein  noch  unbeendeter  Konkurs  schwebt;

6)  welche  in  dem  letzten  Jahre  vor  der  Wahl  aus  Armenmitteln  der
bürgerlichen  Gemeinde  unterstützt  worden  sind,  oder  in  diesem  Zeitraum
  Unvermögens  halber  Erlaß  der  Kirchensteuern  oder,  wo  solche
nicht  bestehen,  Befreiung  von  den  Gemeindesteuern  genossen  haben.

K.  10.

Wählbar  sind  die  wahlberechtigten  Mitglieder  der  Gemeinde,  welche  über
30  Jahre  alt  und  sittlich  unbescholten  sind,  auch  nicht  durch  Fernhaltung  von
dem  öffentlichen  Gottesdienste  und  dem  heiligen  Abendmahle  die  Bethätigung
ihrer  kirchlichen  Gemeinschaft  in  anhaltender  Weise  unterlassen  haben.

Vater  und  Sohn,  sowie  Brüder,  dürfen  nicht  zugleich  Gemeindevertreter
sein.  Ebenso  kann  der  Vater,  Sein  oder  Bruder  eines  Aeltesten  nicht  zum
Gemeindevertreter  gewählt  werden.  Sind  Verwandte  der  bezeichneten  Art  gleichgeiig
  zu  Gemeindevertretern  gewählt,  so  wird  der  ältere  allein  zugelassen,  sofern
ieser  nicht  etwa  die  Wahl  ablehnt.

Mindestens  zueei  Drittel  der  Gemeindevertreter  müssen  aus  solchen  Gemeindemitgliedern
  bestehen,  welche  zu  den  Kirchenumlagen,  sofern  solche  erforderlich
  sind,  beizutragen  haben.

K.  11.

Die  Wahl  der  Gemeindevertreter  wird  durch  den  Kirchenvorstand  geleitet,
welcher  zu  seiner  Unterstüfung  bei  der  Wahlhandlung  auch  andere  Mitglieder
der  Gemeinde  hinzuziehen  kann.

Die  Kommission,  welche  die  Wahlhandlung  leitet,  muß  aus  mindestens
drei  Personen  bestehen  und  mindestens  eine  derselben  muß  dem  Kirchenvorstande
angehören,  wo  möglich  ein  Geistlicher  der  Gemeinde  sein.