Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Mitte  Mai  1916  aber  verstand  ich  ihn  nicht  mehr,  weil  er  seinem  Oberbefehlshaber
  gegenüber  heute  das  vertrat,  was  er  gestern  nicht  verant—
worten  zu  können  glaubte.  Seine  Unterredung  mit  dem  Chef  des  General—
stabes  hatte  als  Ergebnis  den  weiteren  Angriff,  die  weitere  Zermürbung
unserer  besten  Truppen  gegen  immer  stärkeren  Widerstand  im  feindlichen
Festungsbereich.

Unter  diesem  Mißverhältnis  habe  ich  naturgemäß  schwer  gelitten,
mußte  aber  angesichts  des  vom  Leiter  der  Gesamtoperationen  dem  General
v.  Anobelsdorf  entgegengebrachten  rückhaltlosen  Vertrauens  meine  persön—
lichen  Empfindungen  soldatisch  zurückstellen.

Gegenangriffe  der  Franzosen  auf  dem  Cstufer  Ende  Wai.

Als  nächstes  Angriffsziel  stand  und  also  das  Thiaumont-Swischenwerk
vor  Augen!  Seine  Gewinnung  sollte  ein  Hrüfstein  sein  für  die  Möglichkeit,
  den  Enderfolg  doch  noch  an  die  deutschen  Fahnen  zu  fesseln.  Mein
Thef  fuhr  zu  persönlicher  Rücksprache  zum  Führer  der  Angriffegruppe
Ost  und  dieser,  General  v.  Cochow,  reichte  in  seiner  gar  nicht  hoch  genug
anzuerkennenden  Gewissenhaftigkeit  einen  auf  klarer  Beurteilung  der  Lage
aufgebauten,  bis  in  alle  Hinzelbeiten  sorgsam  durchdachten  Angriffsentwurf
ein.  Seitens  des  Oberkommandos  und  der  Gruppe  wurden  in  Verbindung
mit  den  Generalen  der  Jußartillerte  und  den  Führern  der  Minenwerfer—
verbände  die  eingehendsten  Vorbereitungen  getroffen,  um  dae  Sturmreifschießen
  für  den  Infanterieangriff  mit  allen  verwendungefähigen  Ralibern.
so  wirkungevoll  wie  irgend  möglich  zu  gestalten.  Auf  diesen  Grundlagen
fanden  dann  in  den  Gefechteoständen  der  beteiligten  Generalkommandos
des  VII.  R.  R.  und  X.  R.  R.  die  weiteren  Besprechungen  zur  Durchführung
des  Angriffs  statt.  Auch  diese  Rommandobehörden  reichten  dann  ihre
Befehlsentwürfe  an  mein  Oberkommando  zur  Nachprüfung  ein.  Dem
X.  R.  R.  wurde  auch  dae  bisher  noch  zurückgehaltene  dritte  Regiment  der
Garde-Z.  D.  zur  Derfügung  gestellt.

Am  16.  Mai  erschien  General  v.  Jalkenhapn  persönlich  bei  mir  im
Oberkommando  zu  längerer  Besprechung  der  weiteren  Operationen  an
meiner  Front.  Dabei  ergab  sich  die  vollständige  Einhelligkeit  der  Auffassung
  zwischen  ihm  und  General  v.  Rnobelsdorf.  Unter  Zusage  neuer
Rräfte  für  das  Ostufer  der  Maas  sollte  der  geplante  Angriff  als  Auftakt

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