Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1895. (29)

—  110  —

XXI.

Petroleum,  rohes  und  gereinigtes,  Petroleumnaphta  und
Destillate  aus  Petroleum  und  Petroleumnaphta,  sofern  diese
Stoffe  bei  17,5  Grad  Celsius  ein  spezifisches  Gewicht  von  weniger
als  0,780  und  mehr  als  O,680  haben  (Benzin,  Ligroin  und  Putzöl),
sowie  Lösungen  von  Kautschuck  oder  Guttapercha,  die  vorwiegend  aus  Petroleumnaphta-  bestehen,
unterliegen  nachstehenden  Bestimmungen:

1.  Diese  Gegenstände  dürfen,  sofern  nicht  besonders  dazu  konstruirte
  Wagen  (Bassinwagen)  zur  Verwendung  kommen,  nur
befördert  werden:

entweder
a)  in  besonders  guten,  dauerhaften  Fässern,
oder
b)  in  dichten  widerstandsfähigen  Metallgefässen,
oder
c)  in  Gefässen  aus  Glas  oder  Steinzeug;  in  diesem  Falle  jedoch
unter  Beachtung  folgender  Vorschriften:

aa)  Werden  mehrere  Gefässe  in  einem  Frachtstück  vereinigt,
  so  müssen  dieselben  in  starke  Holzkisten  mit
Stroh,  Heu,  Kleie,  Sägemehl,  Infusorienerde  oder
anderen  lockeren  Stoffen  fest  verpackt  sein.
bb)  Bei  Einzelverpackung  ist  die  Versendung  der  Gefässe
in  soliden,  mit  einer  gut  befestigten  Schutzdecke,  sowie
mit  Handhaben  versehenen  und  mit  hinreichendem
Verpackungsmaterial  eingefütterten  Körben  oder  Kübeln
zulüssig;  die  Schutzdecke  muss,  falls  sie  aus  Stroh,
Rohr,  Schilf  oder  ähnlichem  Material  besteht,  mit
Lehm-  oder  Kalkmilch  oder  einem  gleichartigen  Stoffe
unter  Zusatz  von  Wasserglas  getränkt  sein.  Das  Bruttogewicht
  des  einzelnen  Kollo  darf  40  Kilogramm  nicht
übersteigen.
2.  Während  des  Transportes  etwa  schadhaft  gewordene  Gefässe
werden  sofort  ausgeladen  und  mit  dem  noch  vorhandenen  Inhalte
  für  Rechnung  des  Absenders  bestmöglich  verkauft.

3.  Die  Beförderung  geschieht  nur  auf  offenen  Wagen.  Auf  eine
Abfertigung  im  Zollansageverfahren,  welche  eine  feste  Bedeckung
und  Plombirung  der  Wagendecke  erforderlich  machen  würde,
wird  die  Beförderung  nicht  übernommen.

4.  Die  Bestimmungen  der  vorstehenden  Ziffer  3  gelten  auch  für  die
Fässer  und  sonstigen  Gefässe,  in  welchen  diese  Stoffe
befördert  worden  sind.  Derartige  Gefässe  sind  stets  als
solche  zu  deklariren.