Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1895. (29)

a.  Ausbruch  der  Seuche.

—  388  —

Dem  Führer  einer  nach  §.  104  abgesperrten  Treibherde  ist  auf  seinen
Antrag  eine  Bescheinigung  darüber  auszustellen,  daß  die  angeordneten  Schutzmaßregeln
  wieder  aufgehoben  sind.

G.  Beschälseuche  der  Pferde  und  Bläschenausschlag  der  Pferde  und  des  Rindviehes.

I.  Beschälseuche  der  Pferde.

§.  110.

Ist  der  Ausbruch  der  Beschälseuche  oder  ein  Verdacht  der  Seuche  (§.  1
Absatz  2  des  Gesetzes)  festgestellt  (§.  12  des  Gesetzes),  so  ist  von  der  Polizeibehörde
  und  dem  beamteten  Thierarzte  (§.  2  Absatz  3  des  Gesetzes)  möglichst  zu
ermitteln,  welche  Pferde  mit  den  erkrankten  oder  der  Seuche  verdächtigen  Pferden
innerhalb  der  letzten  sechs  Monate  in  geschlechtliche  Berührung  gekommen  sind.

Von  dem  Ergebnisse  dieser  Ermittelungen  ist,  soweit  erforderlich,  den  betheiligten
  anderen  Polizeibehörden  Mittheilung  zu  machen.

§.  111.

Die  Polizeibehörde  hat  den  Ausbruch  der  Beschälkrankheit  auf  ortsübliche
Weise  und  durch  Bekanntmachung  in  dem  für  amtliche  Publikationen  bestimmten
Blatte  (Kreis-,  Amtsblatt  u.  s.  w.)  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

§.  112.

Die  an  der  Beschälseuche  erkrankten  oder  der  Seuche  verdächtigen  Hengste
und  Stuten,  desgleichen  diejenigen  Pferde,  welche  innerhalb  der  letzten  sechs
Monate  nachweislich  mit  erkrankten  oder  der  Seuche  verdächtigen  Hengsten  oder
Stuten  begattet  worden  sind,  müssen  von  der  ferneren  Begattung  (siehe  §.  114)
ausgeschlossen  werden.

Ein  Wechsel  des  Standortes  (Gehöftes)  dieser  Pferde  darf  ohne  vorgängige
Anzeige  bei  der  Polizeibehörde  nicht  stattfinden.

Anderweite  Beschränkungen  in  der  Benutzung  der  Pferde  sind  den  Besitzern
nicht  aufzuerlegen.

Wenn  der  leitende  Polizeibeamte  bei  der  Untersuchung  nicht  zugegen  ist,
so  hat  der  beamtete  Thierarzt  die  sofortige  Einsperrung  und  Absonderung  der
erkrankten  und  verdächtigen  Thiere  bis  zum  polizeilichen  Einschreiten  anzuordnen.
Die  getroffenen  Anordnungen  sind  dem  Besitzer  der  Thiere  oder  dessen  Vertreter
entweder  zu  Protokoll  oder  durch  schriftliche  Verfügung  zu  eröffnen,  auch  hat  der
beamtete  Thierarzt  davon  der  Polizeibehörde  sofort  Anzeige  zu  machen.

§.  113.

Tritt  die  Beschälseuche  in  einem  Bezirke  in  größerer  Ausdehnung  auf,  so
kann  die  Zulassung  der  Pferde  zur  Begattung  in  dem  gefährdeten  Bezirke  für