Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1895. (29)

Erste  Regierungshandlungen  Friedrichs  II.  im  Innern.  295

eintretende  Landesfürst  die  eingerissenen  Beschwerden  heben,  die  Privilegien
  des  Landes  versichern  sollte.

König  Friedrich  Wilhelm  J  hat  es  bei  einer  vorläufigen  Assecuration,
  die  er  Anfangs  gab,  allezeit  bewenden  lassen:  nach  dem
Huldigungslandtage  hat  er  nie  wieder  einen  anderen  versammelt.  Da
alle  landständischen  Rechte  hauptsächlich  von  Geldbewilligungen  ausgegangen
  sind,  er  aber  von  Preußen  nicht  allein  nichts  empfing,
sondern  es  nur  durch  Anwendung  der  ansehnlichsten  anderweiten  Mittel
vor  dem  drohenden  Verfall  zu  schützen  vermochte,  so  fand  er  sich  nicht
veranlaßt  dazu:  das  zu  der  inneren  Bewegung  der  städtischen  Verfassung
  unentbehrliche  Institut  der  Landräthe  hat  er  als  unnütz  betrachtet
  und  in  Abgang  gerathen  lassen.

Friedrich  II  entschloß  sich  nach  einigem  Bedenken,  die  fehlenden
Landräthe  zu  erneuern.  Hierauf  am  12.  Juli  traten  die  drei  Stände
zusammen;  Herrenstand  und  Landräthe,  Rittterschaft  und  Adel  mit
den  Deputirten  der  Cöllmer  und  Freien,  die  Abgeordneten  der  Städte:
wie  sie  beisammen  waren,  konnte  es  nicht  fehlen,  sie  erinnerten  sich
ihrer  alten  Gerechtsame:  sie  baten  um  eine  Assecuration,  wie  sie  ihnen
zuletzt  Friedrich  1  zweimal,  bei  seinem  Regierungsantritt  1690,  und
nach  der  Erwerbung  der  Krone  1701  gegeben  hatte.

Seitdem  aber  war  nun  erst  die  administrativ  -militärische  Verfassung
  des  Landes  eingerichtet  worden;  der  dem  König  vorangegangene
  Minister  Podewils  bemerkte,  daß  es  unmöglich  sein  werde,
die  getroffenen  Veränderungen  mit  den  alten  Privilegien  zu  vereinigen.


Der  König,  der  sich  in  allen  Dingen  nach  dem  Beispiel  seines
Vaters  hielt,  war  nicht  gemeint,  die  Einrichtungen  aufzulösen,  auf
denen  die  Macht  und  das  Ansehen  seines  Landes  beruhte;  auch  die
Stände  drangen  nicht  ernstlich  darauf.  Podewils  stellte  ihnen  vor,
ein  Fürst  wie  dieser,  dessen  ganzes  Sinnen  nur  auf  das  Glück  seiner
Völker  gerichtet  sei,  biete  ihnen  eine  größere  Sicherheit  dar,  als  alle
Garantien  der  Welt!).

Es  wäre  vielleicht  zu  wünschen  gewesen,  daß  eine  Ausgleichung
der  gegenseitigen  Ansprüche  versucht  worden  wäre:  hauptsächlich  für
die  folgenden  Zeiten;  aber  abgesehen  davon,  daß  dies  doch  auch  damals
  in  unerwartete  Weiterungen  über  niemals  zu  schlichtende  Rechts-1)

  Podewils  an  den  König  12.  Juli  1740:  je  puis  dire  aussi  et  je
dois  cette  justice  à  ces  gens  x,  qdue  je  troure  leur  beaucoup  de  soumission
  et  de  docilité.