Volltext : Lesebuch zur Geschichte Bayerns.

26.  Die  Einführung  und  Entwicklung  der  Buchdruckerkunst  in  Bayern.  119

deren  drei  für  Freising,  fünf  für  Passau,  drei  für  Konstanz  und  je  eins  für
Brixen,  Aquileja  und  Chur.  Als  sein  letzter  Druck  gilt  das  Konstanzer  Brevier
von  1516;  nach  demselben  scheint  er  bis  zu  seinem  Tode  (1527  oder  1528)
typographisch  nicht  mehr  tätig  gewesen  zu  sein.

Wie  schon  anfangs  neben  Bämler  und  Sorg,  so  wirkte  auch  am  Ende
des  15.  Jahrhunderts  neben  Schönsperger  und  Ratdolt  eine  Anzahl  kleinerer
selbständiger  Drucker,  deren  Pressen  aber  nur  kürzere  Zeit  arbeiteten  und  deren
Erzeugnisse  weder  der  Ausstattung  noch  dem  Inhalte  nach  wesentliche  Bedeutung
  erlangt  haben;  unter  ihnen  auch  Johann  Schobser  (1485—1498)  und
Johann  Schauer  (1491—1500),  die  um  deswillen  erwähnenswert  sind,  weil
sie  sich  um  die  Einführung  des  Buchdrucks  in  München  verdient  gemacht
haben.

Würdig  an  Augsburg  schließt  sich  das  heute  noch  im  Glanze  zahlreicher
Denkmäler  mittelalterlicher  Kunst  und  Kultur  strahlende  Nürnberg  an,  wo  der
schon  genannte,  später  in  Bamberg  wirkende  Johann  Sensenschmidt  aus
Eger  1470  die  erste  Druckerei  begründete.  Anfangs  allein  tätig  verband  er
sich  1473  mit  Heinrich  Kefer  aus  Mainz,  einem  der  beiden  Gehilfen  Gutenbergs,
  die  aus  dessen  Prozeß  mit  Fust  urkundlich  nachweisbar  sind.  Das
älteste  Buch,  das  Nürnbergs  Namen  trägt,  ist  das  theologisch-moralische  Werk
des  Dominikaners  und  Wiener  Professors  Franciscus  de  Retza  „Comestorium
vitiorum“  von  1470,  während  das  Hauptwerk  Sensenschmidts  und  Kefers
die  „Pantheologia“  des  Rainerus  de  Pisis,  ein  alphabetisch  geordnetes  Kompendium
  der  gesamten  Theologie,  vom  8.  April  1473  ist,  welches  zugleich  in
hervorragender  Weise  die  Leistungsfähigkeit  der  ersten  Nürnberger  Presse  dokumentiert.
  In  demselben  Jahre  noch  verschwindet  Heinrich  Kefer  und  an  seine
Stelle  tritt  Andreas  Frisner  von  Wunsiedel,  mit  dem  zusammen  Sensenschmidt
bis  1478  eine  beträchtliche  Anzahl  Werke  herausgab,  unter  denen  die  zweite
illustrierte  deutsche  Bibel  sowie  eine  lateinische  Bibel  von  1175  hervorgehoben
zu  werden  verdienen.  Nach  1478  verließen  Sensenschmidt  sowohl  wie  Frisner
Nürnberg,  der  eine  um  nach  Bamberg,  der  andere  um  nach  Leipzig  überzusiedeln.
  Zu  diesem  Schritte  mag  sie  wohl  die  steigende  Bedeutung  des
Mannes  bewogen  haben,  dem  allein  Nürnberg  seine  hervorragende  Stellung
in  der  Geschichte  der  Typographie  verdankt  und  der  auch  heute  noch  als  der
größte  Buchdrucker  und  Buchhändler  seiner  Zeit  angesehen  wird.

Anton  Koberger,  der  als  Sproß  eines  angesehenen  und  wohlhabenden
Nürnberger  Bürgergeschlechts  gegen  1440  das  Licht  der  Welt  erblickte,  muß
bald  nach  Sensenschmidt  seine  Druckerei  begründet  haben,  denn  schon  1472
erschienen  mehrere  Schriften,  die  sicher  aus  derselben  stammen,  während  das
früheste  Buch,  das  seinen  Namen  trägt,  das  Hauptwerk  des  Philosophen
Boethius  „de  cousolatione  philosophiae“  mit  dem  Kommentar  des  heiligen
Thomas  von  Aquin,  am  24.  Juli  1473  ausgegeben  ward.  In  der  ersten
Zeit  war  Kobergers  Produktivität  nicht  groß,  seit  dem  Ende  der  siebziger  Jahre