504 Das Volk.
Wein geben werden. Auch über die Preise der Weine besitzen wir von dem Ende
des 13. Jahrhunderts an mehrfache Notizen, wornach der Eimer Wein häufig nur
30 kr. bis 1 fl. kostete und die Maß Wein um einen Heller oder Pfennig oder noch
weniger ausgeschenkt wurde. Nach dem reichen Herbste von 1426, wo der Eimer
Wein 13 kr. kostete, konnte man in den Wirthshäusern das erstemal die Zeche nicht
bezahlen, sondern mußte zweimal kommen, um für einen Heller zu trinken. Insbesondere
wurden zur Vermeidung der vielen Streitigkeiten über Schläge und Kauf im Jahr
1456 in den Hauptorten eines jeden Weinbau treibenden Amtes nach dem Herbst
sogenannte Weinrechnungen durch die Ortsobrigkeit gemacht, wornach der Mitteloder
Durchschnittspreis des Weins festgesetzt wurde und worüber noch Notizen von
den älteren bis auf die neuesten Zeiten vorhanden sind, nach welchen die Weinpreise
durchschnittlich, z. B. in der Stadt Stuttgart, betragen haben per Eimer (3 Hektoliter):
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 4 Mark 80 Pfennig, im 16. Jahrhundert
10 Mark, im 17. Jahrhundert 20 Mark, im 18. Jahrhundert 36 Mark, in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 66 Mark, in der zweiten ca. 80 Mark.
In älteren Zeiten war der Wein fast ausschließliches Getränke, indem die
Bereitung des Obstmostes noch wenig bekannt war, oder, wie auch die Bereitung und
der Ausschank des Biers, durch besondere Verordnungen sehr beschränkt oder ganz
verboten wurde. Außerdem war der Wein neben dem Holz fast der einzige bedeutendere
Handelsartikel, durch den ein Verkehr mit dem Auslande stattfand, daher man
auch dem Weinbau in Württemberg von jeher eine besondere Aufmerksamkeit und
Sorgfalt von Seiten der Regierung gewidmet hat, und der Weinhandel, namentlich
im vorigen Jahrhundert, durch besondere Verträge mit den benachbarten Staaten befördert
wurde.
Unter diesen Umständen darf man sich auch nicht wundern, wenn der Weinbau
in älteren Zeiten viel ausgedehnter und in Gegenden getrieben wurde, in welchen
schon lange keine Rebe mehr gepflanzt wird. Nach den in älteren Chroniken und
anderen Dokumenten enthaltenen Nachweisungen erstreckte sich der Weinbau: im obern
Neckarthal bis nach Horb und Sulz; in dem Seitenthal der Eyach bis nach Balingen
und Rosenfeld 619 Meter über der Meeresfläche; in dem Seitenthal der Steinlach
bis an den Fuß des Albgebirges bei Mössingen; im Echatzthal bis nach Oberhausen
und Honau; in dem Ermsthal bis nach Urach; in dem Lauter= und Lindachthal
bis Ohmden, Zell, Aichelberg, 562 Meter über der Meeresfläche, und tief in die
Thäler des Albgebirges bei Unter= und Oberlenningen; im Ammerthal bis nach
Herrenberg, 535 Meter über der Meeresfläche, und ob Herrenberg bis Kuppingen,
Nufringen, Ober-Jettingen, sowie bis tief in die benachbarten Seitenthäler des Schönbuches;
in dem Aichthal bis nach Waldenbuch; im Filsthal, wo der Weinbau neuerlich
fast ganz aufgehört hat, wurde früher nicht nur in und bei Cöppingen, sondern auch
in dem ob Göppingen einmündenden Lauterthal bis Donzdorf und Wißgoldingen
Weinbau getrieben; im untern Neckarthal und seinen größeren Seitenthälern erstreckic
sich der Weinbau in älteren Zeiten gleichfalls weit höher hinauf als gegenwärtig.
namentlich in dem Kerschthale bis auf die Ebene der Filder bei Nellingen, Neuhausen,
Echterdingen. Plieningen, Rohr; im Remsthal bis Lorch und Gmünd und
in dem benachbarten Schur= und Welzheimer Wald bis Aichschieß und Pfahlbronn:
im Murrthal bis Sulzbach und Murrhardt; im Enzthal und den Seitenthälern,
besonders im Glemsthal, wurde in den Orten Hemmingen, Schöckingen. Hirschlanden.
Gebersheim und Rutesheim Weinbau getrieben, wo er schon längst aufgehört hat;
in dem Strudelbach= und Kreuzbachthal erstreckte sich derselbe bis nach Heimerdingen,
Flacht, Wimsheim und Friolzheim; ebenso im Würmthal, von dessen Einmündung