210 Intestaterbfolge d. fratres gormani illegitimi nach Bayer. .
dem Namen, Titel und Wappen der Familie, kann im ersten
Augenblick wohl oder übel die Ansicht zeitigen, daß außer--eheliche
Kinder unter sich vollständig gleich den ehelichen
Kindern zur Intestaterbschaft berufen werden. Die in
erwähnter Abhandlung dagegen vorgebrachten Gründe
dürften nur hinreichen, die zuerst sich aufdrängende Rechtsanschanung
zu erschüttern, nicht aber zu beseitigen, weshalb
gestattet sei, noch weitere Erwägungen vorzuführen,
auf welche hin Verneinung der von Kreittmayr gestellten
Frage erfolgen muß.
Die Novelle 118 hat den im älteren römischen Erbrecht
bestehenden Unterschied zwischen agnatio und cognatio
zwar vollständig beseitigt, allein nur in Ansehung
der legitimen Verwandten, während für anßereheliche
Verwandte mangels der agnatio die Berufung zur Erbschaft
der mütterlichen Verwandten verbleibt (Holzschuher,
Civilrecht Bd. 2 § 136 Ziff. 3).
Da Kreittmayr in seinen Anmerkungen immer auf
Novelle 118 sich bezieht, ohne irgendwo zu erwähnen,
daß die Grundsätze derselben nach dem Bayerischen Landrecht
nicht mehr voll zur Geltung kommen, so muß auch
für das Bayerische Landrecht die Berufung nach Novelle
118 als maßgebend anerkannt werden, so daß fratres
germani illegitimi Mangels der agnatio nicht in
der zweiten, sondern in der dritten Klasse der Intestaterben
zum Zuge kommen.
Kreittmayr hat bei Stellung der Streitfrage verschiedene
Autoren benannt, ohne selbst eine Entscheidung
zu treffen. Es ist deshalb angczeigt, diese Bezugstellen
näher anzusehen, besonders die Meinung von Stryk zu
hören, den der Kommentator für die einschlägige Materie
mit Vorliebe und an erster Stelle citirt, und den er in
demselben Erbrechtskapitel an einer anderen Stelle ausdrücklich
widerlegt (Bayer. LR. Thl. III Kap. 12 § 4
Ziff. 3 a. E. der Anm.). In den dissertationes de successione
ab intestato spricht sich Stryk zwar sehr