Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Dritter Band. (3)

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größeren,  1  und  ½  g  faffenden  Gläschen  setzte  sich  dagegen  bald  ein  dicker  Bodensatz  ab
und  die  Impfergebnisse  waren  unbefriedigend.

In  Köln  geschah  die  Abnahme  meist  nach  3  Tagen,  zuweilen,  bei  langsamer
Entwickelung  der  Pusteln  etwas  später.  Die  Lymphe  wurde  mit  der  5-  bis  6fachen
Menge  von  Wasser  und  Glycerin  verrieben,  auf  Glasröhrchen  gezogen  und  im  Kühlhause
  des  Schlachthofes  aufbewahrt.  Bei  der  Abnahme  wurde  die  Pustelfläche  ebenso
wie  bei  der  Impfung  ohne  Desinfektionsmittel  gereinigt,  sodann  wurden  die  Pusteln
mit  einem  großen,  vorher  durch  die  Flamme  gezogenen  Volkmann'schen  Löffel  ausgekratzt.
  Der  10  qm  große  vergitterte  Raum  im  Kühlhause  des  Schlacht=  und  Viehhofes
  ist  zu  beiden  Seiten  mit  breiten  Holzfächern  verfehen  und  genügend  groß  zur
Aufnahme  nicht  nur  der  Lymphe,  sondern  auch  der  zu  Kulturzwecken  hergestellten
Nährböden.  Während  der  Versendungszeit  wurden  die  nöthigen  Mengen  in  einem
in  der  Wohnung  des  Vorstandes  aufgestellten  Eisschrank  aufbewahrt.  Die  Döring’sche
Lymphemühle  wurde  nicht  benutzt,  eine  gleichmäßig  gut  vertheilte  Lymphe  vielmehr
durch  Verreibung  unter  allmählichem  Zusatz  von  Wasser  und  Glycerin  mit  der  Hand
erzielt.  Beim  Verreiben  wurde  die  größte  Sauberkeit  an  Händen  und  Kleidern  beobachtet.
  Die  Hände  wurden  mit  3%  Karbollösung  gebürstet,  die  Oberkleider  mit
einem  sauberen  Leinenmantel,  dessen  Aermel  zur  Hälfte  zurückgeschlagen  waren,  bedeckt.

In  München  geschah  die  Abnahme  mit  dem  scharfen  Löffel  nach  sorgfältiger
Reinigung  der  ganzen  Impffläche  und  Befreiung  von  allen  anhaftenden  Borken.
Durch  sorgfältige  Auswahl  der  entwickelten  Impfpusteln  gelang  es,  eine  bedeutende
Wirksamkeit  des  Ertrages  zu  erzielen.  Die  Rohlymphe  wurde  meist  mittelst  der
Maschine  von  Chalybaeus  zu  Elycerinemulsion  verrieben  und  in  sterilisirten  Cylindergläsern
  von  50  und  100  Portionen,  welche  mit  Kork  und  Kollodium  verschlossen  waren,
in  einem  an  die  städtische  Wasserleitung  angeschlossenen  Kühlschranke  aufbewahrt.  Das
zufließende  Wasser  wird  im  Sommer  durch  Einbetten  der  Leitungsröhren  in  Eis  gekühlt.
Alle  Aufbewahrungsgläser  wurden  nur  einmal  benutzt.

In  Dresden  erfolgte  die  Abimpfung  nach  3  bis  5  Tagen,  die  Aufbewahrung  in
gewohnter  Weise.

In  Leipzig  sah  man  von  der  Abnahme  der  überreif  (gelb)  gewordenen  Impfpusteln
  ab.  Der  Ertrag  von  94,9g  wurde  mit  etwa  750  g  reinsten  Glycerins  und
80  g  destillirten  Wassers  verrieben  und  reichte  zur  Füllung  von  1637  großen  und
1412  kleinen  Röhrchen  aus.  Außerdem  wurden  noch  zum  Zweck  von  Kälberimpfungen
135  Röhrchen  mit  Retrovaccine  1.  und  2.  Generation  gefüllt.

In  Frankenberg  wurde  vielfach  zunächst  der  Hodensack,  auf  welchem  die  Pusteln
sich  am  besten  entwickelten,  und  nach  12  bis  24  Stunden  das  Übrige  Impffeld  abgeimpft.
Die  zuerst  gewonnene  Lymphe  diente  zugleich  zur  weiteren  Fortpflanzung.  An  heißen
Tagen  wurde  der  Ertrag  auf  Eis  nach  der  Stadt  geschafft.  Die  zum  Versandt  fertige
Lymphe  betrug  etwa  das  6fache  des  Rohstoffes;  als  Verdünnungsflüssigkeit  wurde  ein
Gemisch  von  3  Theilen  Wasser  und  5  Theilen  deutschen  Glycerins  benutzt.  Die  Ernten
von  Menschenlymphe  wurden  6=  bis  7fach,  diejenigen  von  Thierlymphe  3=  bis  4fach
verdünnt.  Die  Verreibung  geschah  mit  der  Hand  auf  einer  starken  Glasplatte  mittelst
breitklingigem,  elastischem  Messer,  sodann  im  Mörser.  Nöhrchen  verschiedener  Größe
wurden  mit  dem  fertigen  Stoff  gefüllt  und  sodann  zugeschmolzen.  Bei  der  Verarbeitung
wurde  mit  Eis  gekühlt.  Die  Aufbewahrung  erfolgte  im  Keller  bei  einer  Sommer--temperatur
  von  9°  R.

In  Bautzen  wurde  die  Abnahme  wie  früher  nach  etwa  87  Stunden  bewirkt.  In
der  Regel  bestand  die  Verdünnungsflüssigkeit  aus  der  6fachen  (bei  2  Ernten  aus  der