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Belagerungsartillerie konnte man die Festung, die eine Armee zu
ihrer Derteidigung brauchte, nicht sich selbst überlassen. So wollte
man die große Sentralstellung von Brest nur so lange durch die
Armee verteidigen, bis es gelungen sein würde, die Hauptmasse der
Kriegsvorräte aus ihr zu retten, und — sofern das nicht möglich
sein sollte — das übrige zu verbrennen. In ununterbrockenen dreibis
vierfachen Kolonnen zog die Besatzung mit allem, was sie fortschaffen
konnte, aus der Festung ab. Die Bevölkerung wurde mit
fortgeschleppt, das Dieh, das den Kolonnen nicht folgen konnte, wurde
hier, wie überall auf dem Rückzuge, niedergestochen, die Wohnstätten
wurden niedergebrannt. Als endlich die Heerführer einsaken, daß
sie den Hlatz angesichts der vorwärtsdrängenden deutschen Armeen
nicht mehr halten könnten, steckten sie die 70000 Einwohner zählende
Stadt mit allen noch vorbandenen VDorräten in Brand und
zogen am 26. August ab. Sofort rückten die Deutschen ein und noch
am gleichen CTage weiter. Linsingens Umgehung auf Hobryn hatte
den Fall der Festung offenbar beschleunigt. Ihre Wegnahme war
nicht nur ein moralischer Gewinn für die Deutschen, sondern auch in
operativer Zinsicht von großer Wichtigkeit. Ciefen doch fünf Eisenbahnen
und zahlreiche Straßen hier zusammen, und bildete doch die
Stadt die feste Klammer, die die russischen Armeen zusammenhielt.
Ihre Wegnahme bedeutete die Trennung des russischen Kriegsschauplatzes
in einen nördlichen und südlichen Teil, die nur noch auf Umwegen
zusammengefaßt werden konnten. Das mußte um so mehr
hervortreten, wenn man an den Westrand der eigentlichen Hripjetsümpfe
bei Hinsk vorstieß. Dahin strebte denn auch die Cberste
ese Reeresleitung, und die Truppen gingen so rasch als mögich
vor.
Das bisher zur l. österreichischen Armee gehörende Kavallerie-=korps
Bevdebreck — 5. preußische und IUl. österreichische Kavallerie-=division
— trat zur Bug-Armee und warf den Feind in siegreichem
Gefecht in die Sümpfe östlich der Straße Brest—Kowel. Den ersten
stärkeren Widerstand aber gegen die aus Brest selbst vorgehenden
Truppen, der durch Umfassung der linken Flanke bald gebrochen
wurde, leisteten die Russen hart westlich Kobryn; dann hatten sie an
der Jasiolda südlich Zeresa—Kartuskaja Anfang September eine
starke Stellung bezogen, die sie hartnäckig verteidigten. Aber auch hier
wurde der Feind geworfen. Die befestigten Hõhen östlich Chomst
wurden genommen; das verschanzte Dorf Drohizyn wurde erstürmt.
Mittlerweile waren die lII. baverische und die 25. Division aus der
Armee ausgeschieden, um nach Serbien zu gehen; die UI. österreichische
Kavalleriedivision war zur 4. österreichischen Armee abmarschiert,
die ihrerseits aus der HBeeresgruppe Mackensen ausgeschieden
war, um weiter südlich verwendet zu werden. Dafür war
das Beskidenkorps, das zeitweise unter den direkten Befehl Mackensens
gestellt war, mit der 47. Division, die jetzt unter deutschen Be-