Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

93  Hegeschlag  —  hehr.

Immermann  Münchh.  4,  80;  von  Liebenden:  sie
hegten  einander  im  herzen  Goethe  Wirkung  in  die
Ferne;  —  bei  älteren  schlesischen  Dichtern  zu  der  Bed.
halten  verblaßt:  hegten  zusammen  einen  artlichen
tanz  Lohenstein  Arm.  1,  1404b.  —  In  Zusammensetzungen:
  Hegeschlag,  m.  Schlag  im  Gehölz,  der  geschont
  werden  muß.  —  Hegewald,  m.  zu  schonender,
nicht  schlagbarer  Wald.  —  Hegewiese,  f.  Wiese  welche
Gartenrecht  hat  und  gehegt  wird,  so  daß  ohne  des
Eigentümers  Willen  Niemand  darauf  weiden  darf.  —
Hegewisch,  m.  Wisch  von  Stroh  oder  Reisholz,  der  eine
gehegte  Stelle  bezeichnet.  —  Hegezeit,  f.  Schonzeit.

Heger,  m.  hegende  Person,  Schützer,  Pfleger;  namentlich
  Beamter  der  über  eine  Schonung  gesetzt  ist,  Forstaufseher.


Heher,  s.  häher.

Hehl,  n.  m.  Verheimlichung;  in  neuerer  Spr.  nur
in  festen  Formeln  gebräuchlich,  erwachsen  aus  dem  mhd.
Fem.  heele  Verheimlichung  in  den  Verbindungen  ich
hän  und  mich  hät,  nimt  hele  eines  dinges,  ich  verberge,
  verheimliche  es;  das  Nbd.  kennt  nur  noch  verneinende
  ähnliche  Wendungen  und  nimmt  hierbei  hehl
gewöhnlich  als  Neutr.:  ir  wesen  hat  sie  kein  hecl  Jes.
3,  9;  was  sollen  wir  es  hehl  haben,  Sie  haben  es
Jja  selbst  kein  hehl  Klopstock  12,  170;  der  papst  hatte
kein  hehl,  dasz  er  es  zu  einer  allgemeinen  unternehmung
gegen  England  zu  bringen  wünsche  Ranke  Päpste
1,  426;  er  hatte  es  kein  hehl,  dasz  ihn  jeder  mensch.
interessirte  Heyse  4,  153;  er  hatte  dessen  kein  hehl.
dasz  er  ein  sterbender  sei  Treitschke  1,  318;  jetzt
auch  aus  etwas  kein  hehl  machen;  darüber  mache  ich
mir  gar  kein  hehl  Bismarck  Reden  7,  38;  selten  als
Masc.:  es  hat  mich  keinen  häl,  libere  profiteor
Stieler;  er  hat  es  keinen  hehl.  dasz  wir  um  seinetwillen
  hieher  berufen  sind  Schiller  Picc.  5,  11  —
die  Formel  ohne  hehl,  bem  mhd.  sunder  heale  entsprechend:
  on  allen  hel  BWaldis  Esop  1,2;  sie  entdeckte
  ihm  ohne  hehl,  dasz.  Hauff  10,  139;  dieselben
  haben  sich  .  gegen  mich  ohne  hehl  und  in
schr  starken  worten  ausgesprochen  Preußen  i.  B.  1,  346;
—  selten  hat  sich  hehl  zu  freierer  substantiver  Verwendung
  herausgebildet:  da  schwindet  arg  und  hehl  und
list  Blumauer  1,  34.  —  hehlen,  verheimlichen,  verbergen;
  westgerm.  Verbum,  altengl.  altsächf.  ahd.  helan,
mhd.  heln,  dem  lat.  celare  verbergen,  griech,  kalüptein
verhüllen  urverwandt;  in  alter  Spr.  der  starken  Conjugation
  angehörig,  mit  dem  Prät.  mhd.  hal,  Part.
geholn,  wovon  sich  in  verhehlen  (s.  d.),  namentlich  im
Part.  verhohlen  noch  Reste  zeigen.  Daneben  ein  schwaches
Verbum,  ahd.  hbellan,  hellen,  altsächs.  bihelian,  welches

in  der  früh  nhd.  Zeit  seine  Formen  an  Stelle  der  im
Mhd.  gewöhnlichen  starken  setzt,  so  daß  diese  letztere

schon  im  16.  Ih.  vergessen  sind.  Die  Bed.  verbergen
zeigt  sich  in  Bezug  auf  Empfindungen  und  Wissen:
ich  kan  mein  lieb  nicht  lenger  helen  Zimm.  Chron.
4,  321;  beschlüsse  .  die  man  vor  uns  zu  hehlen  nöthig
achtet  Schiller  Wallenst.  Tod  1,  5;  kaum  hehlt  er

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für  gesellschaftlich  Hochstehende,  dann  übertragen  auch
auf  die  Heiligen  und  die  Gegenstände  religiöser  Verehrung:
  daz  here  lant  Walther  78,  12;  an  dem  heren
criuze  Rv  Zweter  517,  215;  wovon  im  16.  Ih.  und
später  noch  einiges  geblieben:  heilig  und  hebr  ist  sein
name  Pf.  111,9:  —  volksmäßig  im  17.  Ih.:  weil  er
seines  schlauen  kopfs  wegen  von  der  ganzen  gemeine
schrecklich  hehr  gehalten  wird  Schoch  Stud.-Leb.  D  2;
eine  sache  heer  halten.  rem  magni  aestimare  Stieler.
Für  die  Schriftspr.  wurde  das  Wort  erst  in  der  2.  Hälfte
des  18.  Ih.  wieder  erneuert,  sowohl  in  der  alten  Bed.
des  gesellschaftlich  hochstehenden:  der  ganze  hof  in  kurzer
frist  gestiefelt  und  beritten  ist.  ein  hehrer  zug!
Wieland  Wintermährchen  1,  510;  ich  sah  noch  nie
solch  einen  hehbren  kreis  Schiller  Demetrius  1,  1;
o  könig  Karl,  mein  bruder  hehr  Uhland  333;  oder
in  einer  neu  erwachsenen  freieren,  als  Steigerung  von
ehrwürdig,  majestätisch,  in  Bezug  auf  Personen  und
Dinge:  ein  bauersmann  .  an  wuchs  und  antlitz  hoch
und  hehr  Bürger  Lied  v.  braven  Mann;  die  ewigen
gefühle  heben  mich,  hoch  und  hehr,  aus  irdischem
gewühle  Goethe  Nachtgesang;  der  blick  gesenkt  vorm
hehren  strahl  des  deinen  Grillparzer  1,  85;  ein
schlosz  so  hoch  und  hehr  Uhland  390;  was  das  wuste
meer  dir  werth  und  hehr  und  herrlich  macht  Freiligrath
  1,  21.

Hei,  Ausruf  des  Aufmerkens,  Anspornens,  der  Ermunterung,
  Freude,  des  Staunens,  auch  des  Zornes
und  Schreckes,  mhd.  hei:  hei  weckt  es,  dann  es  ist
weckens  zeit  Garg.  162;  hei  dasz  jr  jm  zu  ehren  vögel
bacht  89;  hey,  ist  ein  stimm  anzeigende,  dasz  man
eines  dings  voll  und  maszleidig  ist  Maaler;  wieder
oft  in  neuerer  Spr.:  hei!  wie  der  weisze  jüngling  in'n
Sattel  sich  schwang  Arndt  293;  bei,  spricht  der  Wolf
mit  lachen,  gefiel  euch  dieser  schwank?  Uhland  369;
hei,  wie  die  feurigen  zungen  lechzen  Rosegger  Waldheim.
  1,  221;  auch  in  Verbindung  mit  andern  Lauten,
vgl.  heisa,  juchhei;  hei  da,  du  wilder  jüger!  Keller
Werke  10,  43.

Heide,  f.  Flur,  unbebautes  Feld,  Steppe:  gemeingerm.
  Wort,  goth.  haibi,  altnord.  heiör,  altengl.  heeö,
ahd.  heida,  mhd.  heide,  mit  der  Bed.  einer  weiten  ebenen
Landstrecke,  urverwandt  zu  sanskr.  kshötra  Grund  und
Boden,  Feld,  Gegend,  Platz,  Land;  die  Bed.  Gefilde,
Feld  und  Flur  vornehmlich  in  älterer  Spr.:  liehte
bluomen  üf  der  heide  breit  Wi  Klingen  2,  1;  im
Volksliede:  als  er  da  kam  auf  grüne  heid  Uhland
Volksl.  214;  und  in  Liedern  im  Volkston:  röslein  auf
der  heiden  Goethe;  das  fes:  der  freude,  das  da
feiern  wald  und  heide  Uhland  218;  sonst  —  ödes
Land:  David  war  in  der  wüsten  Siph,  in  der  heide
1.  Sam.  23,  15;  auf  dieser  dürren  heide  Schiller
Macb.  1,  5;  dasz  ich  über  haiden  bin  geritten
Freiligrath  1,  21;  von  ausgedehnten  solchen  Landstrecken,
  z.  B.  die  Lunenburger  heid  Garg.  2894;  in
Norddeutschland  auch  =  Wald:  heide,  k#cus,  sMlo,
saltus  Steinbach;  auf  des  hochlands  bergigten  heiden,

hei  —  Heideschwamm.

sein  ergrimmen  Heyse  3,  233;  von  Personen  und  wenn  die  tobende  jagc  erscholl  Schiller  M.  Stuart
Sachen:  diebe,  gestohblenes  gut  hehlen;  braucht  ihr  3,  1;  —  Pflanzenname,  besonders  der  Erika:  die  heide
darum  gestohlnes  oel  zu  hehlen  Keller  Werke  9,  119.  in  der  wüsten  Jer.  17,  6;  gerne  seh  ich  haid  und

—  Hehler,  m.  der  da  hehlt,  Verberger  der  Verbrecher

und  des  gestohlenen  Gutes,  mhd.  helære:  heler  sind

als  bees  als  die  steler  Teufels  Netz  13351;  hehler  der
straszenrüuber  Steinbach;  er  war  sein  mitschuldiger
und  hehler  Schiller  1,  219.

Hehr,  erhaben,  hochstehend;  ahd.  altsächs.  mhd.  hör,
vornehm,  altnord.  härr.  altengl.  här  grau,  greis;  die
letztere  Bed.  ist  die  ursprünglichere,  das  Hochdeutsche
und  Sächsische  bezog  das  Wort  auf  eine  Gesellschaftsklasse,
  dem  mittellat.  senior,  franz.  seignrur  entsprechend
(über  den  Comparativ  vgl.  unter  herr):  ahd.  proceres
héren  Gloss.  2,  478,  53;  im  Mhd.  daher  ehrendes  Adj.

ginster  wuchern  um  die  dunen  her  Freiligrath
1,  16;  heide  für  heidenkorn  (s.  d.).  —  Zusammensetzungen:
  Heidebesen,  m.  Besen  von  Heidekraut.  —
Heidcerde,  k.  Erde  der  Heide,  weniger  fruchtbar  und
leichter  als  Gartenerde.  —  Heidekorn,  u.,  vgl.  unter
heidenkorn.  —  Heidekraut,  n.  Erika.  —  Heideland,  n-Odland:
  nun  schleichen  aus  dem  moore  kühle  schauer
und  leise  nebel  übers  haideland  Lenau  45.  —  Heideläufer,
  m.  in  Norddeutschland  niederer  Forstaufseher.  —
Heidelerche,  k.  Feldlerche,  Wiesenlerche.  —  Heidcrose,  k.
Feldrose,  wilde  Rose.  —  Heideschwamm,  m.  Heiderling,
Champignon.